Norbert: Gerüchte+Gerichte
Gerücht: Werte und Worte
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 03. Oktober 2011 19:59
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
(nsb) „Fünfzig Prozent der Wirtschaft sind Psychologie“, wusste Ludwig Erhard. Was er darunter verstand, ist auch belegt: Vertrauen in die Gestalter von Wirtschaft in Unternehmen und Politik. Heute weiß man, dass dieses Vertrauen eine unmittelbare Folge kluger Kommunikation ist. Was aber nützt diese Erkenntnis, wenn das Vertrauen immer wieder mutwillig aufs Spiel gesetzt wird?
Fall 1: Der zumindest glücklose, vielleicht aber auch überforderte deutsche Vorstandschef von Hewlett-Packard, Leo Apotheker, streicht rund 13,2 Millionen Dollar an Abfindungen und Boni ein, nachdem ihn der Aufsichtsrat nach nur elf Monaten gefeuert hat. Das erinnert an Klaus Esser, der die Abwehrschlacht von Mannesmann gegen Vodafone zwar verlor, aber dennoch seine 30 Millionen Euro erstritt. Oder an Karl-Gerhard Eick, der schon nach einem halben Jahr seine Versuche aufgab, den Arcandor-Konzern zu retten und dafür 15 Millionen Euro abrechnete.
Fall 2: „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen. Du redest nur noch Scheiße!“ – Das und einiges mehr musste sich der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach von seinem bürgerlichen Parteifreund Ronald Pofalla, Staatsminister im Kanzleramt, anhören. Bosbachs „Scheiße“: Er hatte seine von der Verfassung geschützten Gewissensnöte öffentlich gemacht, dem Rettungsschirm für Griechenland seine Zustimmung zu geben.
Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Beide Fälle bezeugen, wie wenig Sonntagsreden wert sind. Alle Reden über Vertrauen, christliche Werte, Kongruenz von Worten und Taten, sind leeres Geschwätz. Unsere „Leistungseliten“ verzichten gern auf ein strenges Urteil, wenn es um ihre eigenen Leistungen geht. Und sie pfeifen selbst auf jeden Anstand, wenn einer darauf pocht, anständig zu bleiben. Ihr Wort ist hohl, wer ihm vertraut, ist naiv – das ist die Botschaft, die ankommt.
An den verheerenden Folgen kann kein Berater, kein Regierungs- und kein Parteisprecher etwas ändern. Der Gestank kommt von ganz tief innen, da fault ein System: Der Fisch stinkt vom Kopf.


