Norbert: Gerüchte+Gerichte
Gerücht: Nicht versetzungsfähig - 55,5 Milliarden
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Sonntag, 30. Oktober 2011 00:02
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
(nsb) – Hach, das tut gut! Zwar hat es nie geschadet, aber die Nagespuren am Selbstbewusstsein sind auch viele Jahre später nicht vernarbt. Wie tröstlich, dass ein Manko offenbar viel verbreiteter ist, als alle schlechten Schüler glaubten: Wir, ja ich darf jetzt WIR sagen, wir sind schwach im Rechnen. Aber wir sind nicht allein.
Umso schöner, wenn es ausgerechnet einem Banker vorbehalten blieb, sich beim Anwenden der simpelsten Grundrechenarten gewaltig zu vertun: 55,5 Milliarden Euro mehr sind im Topf der abgewickelten Hypo Real Estate, die Schuldenquote der Republik sinkt, der Finanzminister kann strahlen vor Glück. Fachleute vermuten, irgendein bemühter Soll-und-Haben-Verwalter habe wohl addieren und subtrahieren verwechselt. Eine andere Hypothese geht davon aus, jemand habe Verkaufserlöse als Verbindlichkeiten gebucht. Sei’s darob, in jedem Fall ging es um Fertigkeiten, die spätestens nach der Grundschule bombensicher sein sollten. Und gewiss ist auch, dass kein Computer für die saudumme Rechnerei verantwortlich ist.
Als mein Mathe-Lehrer traurig vor mir stand und mir zum wiederholten Male eine gründlich missratene Klassenarbeit mit den Worten zurück gab: „Norbert, wenn ich geahnt hätte, dass es Schüler wie Sie gibt, wäre ich bestimmt kein Lehrer geworden“, da ging es immerhin um das Lösen von Vektorgleichungen, um Differentialrechnen und Determinanten. Plus und Minus nicht auf die Reihe zu kriegen, wäre zu peinlich gewesen.
Nun ist es jemand gelungen. Einem Banker; vermutlich mehr als einem. Und irgendwie passt das. Zwar ist die Überraschung groß, die Schadenfreude aber weit größer. Die Blamage lässt die Milliarden-Jongleure, die skrupellosen Zocker und raffinierten Trickser wieder auf Menschenmaß schrumpfen. Der peinliche Vorgang gibt Friedrich Dürrenmatt recht. Der hat schon vor etlichen Jahren gesagt: „Unsere Zeit braucht die Gegenwart des Bösen nicht. Das Kennzeichen der Epoche ist die Panne.“


