Norbert: Gerüchte+Gerichte
Gericht: Lebensretter aus dem Topf - L’Aïgo Boulido
- Details
- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 21. November 2011 14:29
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
(nsb) „An apple a day, keeps the doctor away“, wissen die Briten. Sicher ist immerhin, dass frisches Obst den Körper mit ausreichend Vitaminen versorgt und das Immunsystem stärkt. In der Provence geht die Volksmedizin einen großen Schritt weiter. Dort gilt die Behauptung: „L’aïgo boulido sauvo la vido“ – gekochtes Wasser rettet das Leben! Wie das?
Wer hierzulande mit einer schweren Erkältung oder sonst wie geschwächt danieder liegt, dem flößt der pflegende Mensch gerne eine frische Hühnerbrühe ein. Und es hilft – die Erfahrung haben viele machen dürfen. Ob es das leicht verdauliche Geflügeleiweiß ist? Noch nie wurde berichtet, dass eine Omelette oder zwei Spiegeleier den Todgeweihten wieder aufgerichtet hätten.
Die Medizin steht vor einem Rätsel – beim Apfel wie bei Hühnerbrühe oder Aïgo Boulido. Die Erfahrungen geben den volkstümlichen Sprüchen recht – da kann uns die naturwissenschaftlich tragfähige Erklärung eigentlich wurscht sein, oder? – Hier ist sie nun, die lebensrettende Speise aus der Provence:
L’Aïgo Boulido
1,5 L Wasser, 20 Knoblauchzehen (möglichst frische Ware), 2 Lorbeerblätter, 2 Zweige Thymian, 1 Zweig Bohnenkraut, 100 ccm kaltgepresstes Olivenöl bester Qualität, 4 Eigelb, 1 EL Rotweinessig, schwarzer Pfeffer, Salz
Den Knoblauch fein hacken, die Lorbeerblätter, Thymian und Bohnenkraut zu einem Kräutersträußchen zusammenbinden. Das Wasser zum Kochen bringen, Knoblauch und Kräuter hinein geben und bei geringer Hitze ca. 45 Minuten köcheln lassen. Den Topf vom Herd nehmen, die Kräuter heraus nehmen, den Sud etwas abkühlen lassen.
Unterdessen die Eigelbe mit dem Essig verrühren, zusammen mit dem Olivenöl in den warmen Sud geben, mit dem Pürierstab alles zu einer homogenen Masse verrühren. Vorsichtig unter ständigem Rühren wieder erhitzen, bis die Suppe leicht andickt. Nach Geschmack mit Pfeffer und Salz abschmecken und möglichst heiß servieren.
Wer mag, setzt auf die fertige Portion eine mit geriebenem Gruyere-Käse frisch überbackene Scheibe Weißbrot. Einheimische gießen den Teller gerne mit einem Schuss Rotwein wieder auf, wenn sie ihn halb geleert haben.
Und nun mögen sie kommen, die Attacken der Viren und Bakterien – wir sind gefeit! Nach dem reichlichen Knoblauchgenuss für 24 Stunden die Öffentlichkeit zu meiden, wäre ohnehin gesund ...


