Norbert: Gerüchte+Gerichte
Gerücht: Die Fabel vom falschen Wulff
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 09. Januar 2012 17:56
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
(nsb) Es war einmal ein Dackel, der ein Wolf sein wollte. Im schläfrigen Osnabrück, wo er laufen gelernt hatte, gründete er die Union der lernenden Dackel und machte schon in jungen Jahren durch beständiges Kläffen auf sich aufmerksam. Das hörte man bis in die Landeshauptstadt, und so holte ihn der große Remmers-Hund nach Hannover. Dort führte der noch größere Basta-Wolf das Rudel und zeigte gern sein Raubtierlächeln. Da riet der Remmers-Hund dem Dackel, er solle sich doch als Wolf verkleiden, damit das Rudel ihn ernst nähme. Zwei mal trat der Dackel gegen den Basta-Wolf an, doch das Rudel wählte ihn nicht.
Erst als der Wolf ein noch größeres Rudel übernehmen konnte, bekam der Dackel seine Chance. Er kläffte laut und spitz gegen des Wolfs schwächlichen Nachfolger, weil der sich die Hochzeitsfeier mit seiner Wölfin hatte bezahlen lassen. Der Glogowski-Wolf habe „seine Unabhängigkeit und damit seine politische Handlungsfähigkeit“ verloren, kläffte er. Das Rudel fand die Stimme des Dackels im Wolfspelz zwar recht dünn, ber es heulte mit ihm, und der echte Wolf zog den Schwanz ein und musste von dannen ziehen.
Nun kräftigte sich der Dackel in seinem Wolfspelz, sein Kläffen wurde rauer. Als der alte Leitwolf, der sein Gnadenbrot im Schloss Bellevue verzehren durfte, in Verdacht geraten war, er habe ähnlich wie Glogowski sich von allzu guten Freunden aushalten lassen, als er noch das Düsseldorfer Rudel führte, belferte der Dackel im Wolfspelz: „Es ist tragisch, dass Deutschland in dieser schwierigen Zeit keinen unbefangenen Bundespräsidenten hat, der seine Stimme mit Autorität erheben kann. Es handelt sich in NRW offensichtlich um eine Verfilzung mit schwarzen Reise-Kassen jenseits der parlamentarischen Kontrolle. Dies stellt eine Belastung des Amtes und für Johannes Rau dar.“
Als der Dackel gerade zehn Jahre im Wolfspelz herum stolziert war, trat die Füchsin Angela in seinen Weg und schmeichelte ihm, wie gut ihm der Pelz steht. Ob er nicht Lust habe, einen noch dickeren, flauschigeren Wolfspelz zu tragen, bei ihr daheim in Berlin? Denn dort war es gerade geschehen, dass ein verängstigtes Schaf seinen Wolfspelz abgeworfen hatte, und der drohte nun in die falschen Klauen zu geraten.
Ei, wie sich der Dackel freute, und die Pudeldame an seiner Seite freute sich mit ihm. So zogen sie nach Berlin, und die Herolde verkündeten, nun sei die Welt wieder heil und alle Rudel froh. Die Füchsin Angela freute sich, einen so harmlosen Hund im Wolfspelz zu wissen. Nur zwei Mal in 18 Monaten kläffte er ein bisschen – einmal bellte er die Finanzwölfe ein wenig an, ein andermal meinte er, auch Wölfe mit Turban und Kopftuch seien Wölfe.
Dann äußerten aber ein paar Schakale den Verdacht, beim Bau seines Nestes sei nicht alles geradlinig gelaufen – doch statt die Mähne zu sträuben und laut seinen und den Ruf seiner Pudeldame zu verteidigen wie ein richtiger Wolf, zeigte er seinen Dackelblick und winselte „’tschuldigung“ . Da erkannte das große Rudel den Dackel, der sich als Wolf verkleidet hatte. „Der kann nicht unser Leitwolf sein“, befanden immer mehr. Als auch noch heraus kam, dass er im Geheimen versucht hatte, die Schakale am Heulen zu hindern, empörte sich der ganze Zoo.
Angela, die Füchsin aber schwieg, und alle, die ihr ergeben waren, taten es ihr gleich. Und so endete die Geschichte nicht gut für den Dackel aus Osnabrück, die Schakale rupften so lange an seinem Pelz, bis der Dackel das ruinierte Stück fallen ließ.
Und die Moral von der Geschicht’? Wer mit den großen Hunden pinkeln will, muss das Bein hoch genug heben können. Gilt nicht nur für Dackel.


