Schebens Karriererat
Salz: Darf ich Ihre Probleme lösen?
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Donnerstag, 09. Juni 2011 21:16
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Verzweifelte Kaltakquise:
„Spreche ich mit dem Geschäftsführer des Unternehmens?“
„Mmh, wieso?“
„Ja, ähm.“
„Wenn Sie uns anrufen, müssten Sie doch wissen, wer unser Geschäftsführer ist.“
(Vielleicht ist’s ja auch eine Sie, aber man hat an der Stimme das Geschlecht des Angerufenen erkannt, und die „Firma“ beinhaltet halt ein paar Namen.)
„Ja, sind Sie Herr Sowieso?“
„Ja, bin ich, worum geht’s Ihnen?“
„Wir sind eine Kommunikationsberatung. Wir wollen Ihre Probleme lösen.“
„Welche Probleme haben wir denn?“
„Das finden wir beim Erstgespräch heraus.“
„Soso. Danke. Bitte keine weiteren Anrufe dieser Art.“
„Ja, aber…“
Ende.
Ende?
Welche Zukunft haben Kommunikationsagenturen? Können Sie nur überleben, wenn Unredliches im Spiel ist? Müssen sie sich aus Kostengründen verkleinern bis zur One-Man-Show, bei der ein verzweifelter Geiger mit Misstönen das früher von ihm dirigierte Orchester ersetzt?
Heilen brancheninterne Ankündigungen immer neuer Geschäftsmodelle, Partnerschaften, Kooperationen und Billigofferten, zumal jenseits der ursprünglich dargestellten Kernkompetenz, die zunehmend selbst verschuldeten Systemfehler? Wissen die Agenturchefs eigentlich noch, was Kunden wollen?
Achtung, die Klienten sind klüger geworden, kostenbewusster, qualitätsgieriger. Sie durchschauen bei vermeintlich großen Auftritten schneller denn je das vielleicht Kontraproduktive und Kümmerliche hinter der Kulisse. Eitle Besserwisser sind nicht gefragt, dagegen emsige Besserkönner wohl.
Die „Full-Service“-Behauptung haben schon immer nur wenige Agenturen tatsächlich mit eigenen Kräften realisieren können. Die Zukunft der Branche liegt wohl in qualifizierter Mitarbeit erfahrener Einzelberater für solche Spezialgebiete, die nur wenige als USP beherrschen. Hilfskräfte, die den Personalbestand eindrucksvoll aufblähen, anfangs allenfalls Post eintüten und sonstige wichtige Sachen machen, werden nicht mehr benötigt – und deshalb leider auch nicht mehr als „Working Learners“ über die Jahre hinweg zur Augenhöhe mit dem Kunden ausgebildet. Das ist das Einzige, was wirklich schade ist, schade und schlimm. Wo sollen die Könner von morgen herkommen? Etwa von der Uni?
Wer einen Ausweg aus der Krise weiß, der sollte sich melden.
Dipl. oec. Mathias Scheben, Kommunikationsberater, Rengsdorf, www.scheben-kom.de


