Schebens Karriererat
Salz: Von Vollautomaten und Vollidioten
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Samstag, 13. August 2011 13:10
- Geschrieben von Stefan d'Hone, Hamburg
Er war einer der richtig Klugen, als das noch etwas einfacher war: André Kostolany. Vom immer wieder gerne zitierten Aktien-Altmeister, mir in bester persönlicher Erinnerung geblieben, stammt das Zitat: "Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten, oder umgekehrt."

Der alte Fuchs lebte in einer Zeit, als Kommunikation noch langsam vonstatten ging und mit Nachdenken und Tarieren zum Ziel kam. Es war die Zeit, in der auch viele Anleger auch philosophierten über das, was sie taten oder unterließen. Sie kommunizierten im Zwiegespräch mit sich und im Dialog mit anderen, und sei es mit dem cleveren Berater der Hausbank. Wer spekulierte, nahm nicht nur Geld, sondern auch sein Herz in die Hand. Vom sekundenschnellen und vorab nicht kontrollierten Automatenhandel und seinen tumben Dominoeffekten war nicht die Rede. Man schaute hin, war aufmerksam, übte Reflexion anstatt einem Reflex zu unterliegen, man grübelte und analysierte, besprach sich mit Oma oder den Kindern, und dann kaufte oder verkaufte man, oder ließ - weil warten klug war - alles so, wie es war (auch ein Kostolany-Kalauer). Statt Gigabyte zu bemühen, hatte man zum Verstand auch ein Gefühl, da hatte die Kommunikation mit der Wirklichkeit noch Format: Die Hälfte war Zuhören, die andere war Nachdenken. Die Aktion kam dann abgewogen obendrauf.
Kostolany sagte auch: "EDV-Systeme verarbeiten, womit sie gefüttert werden. Kommt Mist rein, kommt Mist raus." Sollten wir nicht eher den Automatenhandel an den Börsen verbieten, anstatt börsenlosen Hartz IV-Empfängern das Glücksspiel zu verübeln (und ihnen nach einem Gewinn die Sozialleistung zu versagen)?
Das reflexhafte Reagieren der Computer macht als Ja-Nein-in-Millisekunden-Vorgabe mehr und mehr Schule im Alltag. Irgendwie sind vor allem viele von denen, die besonders souverän sein sollten, ständig auf der Flucht. So bestimmen die Ruckzuck-Regeln der IT immer wieder aufs Neue die Richtlinien der Politik und Entscheidungen in der Wirtschaft. Handlungen ohne Fundament und Hintergrund sind Dilettantismus nach einem binären Drehbuch ohne Sinn und Verstand. Die Kultur der abwägenden Kommunikation wird in Rastlosigkeit und panischer Hektik ruiniert, und die sich auftürmenden Trümmer sind mehr als ein nur ästhetisches Problem.
Kostolany starb 1999. Von ihm habe ich gelernt, am besten gar keine Aktien zu besitzen. Das macht zwar langsamer, aber damit aufmerksamer für Abkürzungen.
Dipl. oec. Mathias Scheben, Kommunikationsberater, Rengsdorf, www.scheben-kom.de


