Schebens Karriererat
Eine ehrliche Glosse: Zum Trost ein Preis
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- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Montag, 11. April 2011 14:10
- Geschrieben von Gerhard A. Pfeffer, Siegburg
Wenn kollabierende Menschen aus tropisch überhitzen Zügen taumeln, wenn Züge stundenlang im Schneechaos liegen bleiben, wenn deutsche Züge nicht für hiesige (und diesige) Temperaturen gebaut sind, wenn Fahrpläne zur Makulatur werden, wenn ICEs stärker überfüllt sind, als der traditionelle Zubringerbus am Flughafen, wenn bei Stuttgart 21 auf friedliche Demonstranten eingeprügelt werden "muss" und die Sache zum kommunikativen Fiasko ausartet, wenn die Bahn Menschen empfiehlt, nicht die Bahn zu nehmen, wenn Bahnchef Gruber dem Parlament Rede und Antwort stehen muss, wenn in Berlin S-Bahnen keinen Verkehr mehr machen, wenn die Bahn bei nicht funktionierenden Internetverbindungen in ICEs auf die Telekom verweist, wenn ZugschaffnerInnen Minderjährige ohne Fahrkarte nachts auf verlassenen Bahnhöfen aus dem Zug werfen, wenn Bahnchefs zu den unbeliebtesten Managern der Republik zählen, was ist das dann? Richtig! Ganz klar! Dann ist das die Würdigung der besten Kommunikation in diesem Lande!
Sie denken ich habe ein Alkoholproblem? Nein, habe ich nicht. Ein deutsches Branchen-Fachmagazin hat kürzlich den PR Manager des Jahres für 2010 gekürt. Und es ist: der Unternehmenssprecher der Deutschen Bahn Oliver Schumacher. Das ist entweder eine neue Qualität der kommunikativen Realitätsverdrängung, oder ein Trostpreis, der all jenen Menschen eine Chance gibt, die vom kommunikativen Schicksal benachteiligt wurden. Wie etwa der ehemalige Kommunikationschef von BP, oder der des japanischen Atomkraftwerkbetreibers Tepco. Wobei, letzterer nur mit Vorbehalt, denn da ist die Geschichte ja noch nicht vorbei und er hat durchaus noch Chancen, aufs Treppchen zu springen. Was ist nur, wenn er plötzlich wahrheitsgemäß kommuniziert?
Und wenn nicht, kann man das vielleicht auch nachträglich mit ein paar Anzeigen "richtigstellen". In der Jury, die diese historische Entscheidung getroffen hat, sitzt sicherlich der eine oder andere, der in der Vergangenheit durchaus seine kommunikativen Lorbeeren ehrlich verdient hat. Und gerade weil fast alle Jurierenden ja selbst einmal Preisträger waren, wundert es umso mehr, dass sie den ihnen ehedem verliehen Preis im Nachhinein nicht nur entwerten, sondern auch noch eventuelle Gerüchte bestärken, die um diese Auszeichnung seit Jahren ranken.
Ich auf jeden Fall beglückwünsche den Gewinner ganz herzlich und zum Trost und gegen alle Neider sei ihm gesagt, dass Barack Obama den Friedensnobelpreis ja auch bekommen hat, bevor er einen friedlichen Tag begangen hatte. So rufen wir beiden Preisträgern zu: Sehet diesen Preis als moralische Verpflichtung für die Zukunft!
Mit herzlichen Glückwünschen allen ehemaligen und zukünftigen Preitsrägern
Ihr Dr. Bernd Peters, Berlin


