Reputation Management
Social Entrepreneurship: Mittelstand holt auf
- Details
- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 29. März 2012 10:18
- Veröffentlicht am Samstag, 22. Oktober 2011 20:57
- Geschrieben von Cornelia Wuest, Salzburg
(cw) Mit Millionen engagieren sich Unternehmen Jahr für Jahr für ihre Stiftungen. Ob Bildung, Kultur, Gesundheit, Soziales – das gesellschaftliche Engagement zeigt, dass Wirtschaft und Ethik kein Widerspruch sein müssen, sondern zwei sinnvolle und positive Seiten der gleichen Medaille. Das Engagement führt beispielsweise Kulturen zusammen und leistet einen wichtigen Beitrag, um soziale Unterschiede zu reduzieren. Es sind nicht nur die ganz Großen wie Bertelsmann, Hertie oder Telekom, auch der Mittelstand entdeckt zunehmend sein Potential in der Verantwortung für mehr Balance zwischen der Verantwortung des Einzelnen und dem Blick für das große Ganze – und fördert dort, wo Staat und Politik ihre Grenzen haben. Eben auch zwei sinnvolle Seiten der gleichen Medaille.
Der Bundesverband der Deutschen Stiftungen zählte im letzten Jahr über 18.000 Stiftungen. Ganz vorne dabei die Volkswagenstiftung, die zu den größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland zählt. 1962 gegründet wurden über 3,8 Milliarden Euro Fördergelder bereits zur Verfügung gestellt. Oder die Bertelsmann-Stiftung, die seit Bestehen (1977) mehr als 928 Millionen Euro in unterschiedlichste Förderprojekte gab.
Ökologische und soziale Herausforderungen fordern geradezu nachhaltiges Wirtschaften. Für Unternehmen, die gewohnt sind Umsatz und Rendite als Erfolgsfaktoren zu sehen, wird es zunehmend schwieriger, fehlendes oder nicht glaubwürdiges Engagement zu verargumentieren. Nachhaltig zu sein oder zu werden ist nicht eine Frage von Millionen auch mittelständische Unternehmen oder KMU’s engagieren sich mehr und mehr im lokalen Umfeld und stellen damit eine wertvolle Ergänzung zu dem Engagement der ‚Großen‘ dar.
Der Deutsche Mittelstand arbeitet nicht ausschließlich gewinnorientiert, sondern übernimmt verstärkt Verantwortung für das Gemeinwohl. Zu diesem Ergebnis kommt die Kreditanstalt für Wiederaufbaut, kfw in ihrer aktuellen Studie "Corporate Social Responsibility im deutschen Mittelstand 2011". Für "CSR", oder in der kfw-Übersetzung "Gemeinwohlorientierte Unternehmensziele", haben 2,1 Mio. KMU (58 Prozent) von 2006 bis 2008 rund 6 Mrd. Euro pro Jahr ausgegeben oder 0,2% ihres Umsatzes. Interessant hierbei ist, dass kleine Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten mit insgesamt rund 2 Mrd. Euro pro Jahr einen beträchtlichen Anteil zu den mittelständischen CSR-Aufwendungen beitragen. Das Geld fließt vornehmlich in soziale und gesellschaftliche Projekte (95 Prozent), gefolgt von Umwelt-, Klimaschutz- sowie Energieeffizienzmaßnahmen (25 Prozent), so die Studie.
Schaut man genauer hin, zeigen sich doch größerer Unterschiede – was jedoch dem Ergebnis nicht abträglich ist. Auch wenn vereinzelte Unternehmen bereits die Erkenntnis haben, dass soziale Maßnahmen, die mit dem Kerngeschäft in Zusammenhang stehen, sich gegenseitig positiv beeinflussen, so sind doch viele Engagements eher spontaner Natur und weniger Teil der Unternehmensstrategie. Teilweise ein Ressourcenproblem. Denn, wo in größeren Unternehmen ganze Abteilungen die CSR-Verantwortungen tragen, müssen in kleineren Unternehmen die Planung und Umsetzung ‚nebenbei‘ erfolgen. Die Bundesinitiative UPJ e.V., ein Netzwerk für soziale und gesellschaftliche Projekte engagierter Unternehmen und gemeinnütziger Mittlerorganisationen in Deutschland, berät und informiert vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von CSR-Maßnahmen, sieht ebenfalls noch Optimierungsbedarf.
‚Verantwortliche Unternehmensführung hat im Mittelstand Tradition. Es gibt aber auch Möglichkeiten, das unternehmerische Engagement stärker als bisher zu bündeln und soziale, ökologische und ökonomische Belange systematischer in alle Bereiche der Unternehmenstätigkeit zu integrieren und damit den Nutzen zu erhöhen: Das reicht von verantwortlicher Unternehmensführung in der eigentlichen Geschäftstätigkeit (Markt), über ökologisch relevante Aspekte (Umwelt) bis hin zu den Beziehungen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (Arbeitsplatz) und dem Austausch mit dem direkten Umfeld im Gemeinwesen (Gemeinwesen)‘, so die Erfahrungen des Vereins.
Unternehmen, die es schaffen, die eigenen Mitarbeiter für soziale Zwecke zu begeistern, sind klar im Vorteil. Freiwillige Dienste von Mitarbeitern, die hierfür freigestellt werden, identifizieren sich stärker mit dem, was sie tun und mit ihrem Arbeitgeber. Soziale Verantwortung wird so zu einem Gemeinschaftsprojekt und wirkt intern wie extern nachhaltiger als ein großer Spendenscheck am Ende des Jahres durch die Unternehmensleitung.
Die Frage bleibt, ob die ‚best practice‘ auch kommunikativ genutzt wird. Auch wenn die Zahlen der kfw-Studie auf den ersten Blick weniger beeindruckend sein mögen als die großer Unternehmen. Der Mittelstand ist der Motor der deutschen Wirtschaft, so heißt es immer wieder. Und seine vielen kleinen und großen Engagements verdienen Beachtung. Ohne Kommunikation geht jedoch eine wertvolle Reputationschance verloren.


