Literatur

Vogel: Regierungskommunikation im 21. Jahrhundert

Martina Vogel: "Regierungskommunikation im 21. Jahrhundert. Ein Vergleich zwischen Großbritannien, Deutschland und der Schweiz". Verlag: Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden. 1. Auflage Februar 2010. 212 Seiten. Preis: 29,00 Euro. ISBN 978-3-8329-5116-0.  

Rezension von Sebastian Wuwer, Referent im Landtag NRW, Absolvent von PR Plus, Heidelberg (www.prplus.de)

Da ist er wieder, „Medienkanzler“ Gerhard Schröder – in der Dissertation von Martina Vogel spielt er eine wichtige Rolle. Das kann kaum überraschen, untersucht die Autorin doch den Wandel von Regierungskommunikation seit der Jahrtausendwende. Und mit Blick auf die Kommunikation der deutschen Bundesregierung kann Vogel nachweisen, dass unter Bundeskanzler Schröder die Regierungskommunikation in Deutschland eine deutliche Modernisierung und Ausweitung erfahren hat. Doch nicht allein der Regierungschef ist für die Ausgestaltung der Regierungskommunikation von Bedeutung. Vielmehr ist es ein Bündel von internen und externen Faktoren, die den Wandel der PR von Regierungen anstoßen, so eine zentrale Erkenntnis der Forscherin.

Ihre veröffentliche Dissertation an der Universität Zürich (betreut durch Prof. Dr. Otfried Jarren) ist für all jene Leserinnen und Leser ein wertvoller Fundus, die sich aus wissenschaftlicher Sicht im Forschungsfeld der „Politischen Kommunikation“ bewegen und sich dabei mit den komplexen Rahmenbedingungen von Regierungskommunikation auseinandersetzen. Durch eine detaillierte und konzeptionell stets nachvollziehbare Analyse gelingt es der Autorin, mit einem der großen Missverständnisse der Erforschung politischer Kommunikation aufzuräumen. Denn es ist nicht allein der mediale Wandel beziehungsweise der allgemeine Entwicklungstrend zur Mediengesellschaft, der zu spürbaren Veränderungen in der PR-Praxis von Regierungen führt; es ist vielmehr das sich permanent verändernde Zusammenspiel sowohl von externen als auch internen Faktoren, das die konkrete Ausgestaltung von professioneller Kommunikation beeinflusst.

Für die Regierungs-PR in der Bundesrepublik Deutschland identifiziert Vogel in diesem Sinne die politischen Akteure als auch die medialen Akteure und Inhalte als besonders bedeutende Faktoren für strukturelle Veränderungen von Regierungskommunikation. Was die Forschungsarbeit zusätzlich spannend und in dieser Form bislang einzigartig macht, ist ein wissenschaftlich erstmals geleisteter Vergleich zwischen den Ausprägungen von exekutiver PR in unterschiedlichen politischen Systemen. Mit der Analyse der Regierungskommunikation in Großbritannien und der Schweiz – unter anderem mit Hilfe von Experteninterviews – kann Vogel verdeutlichen, dass diese unterschiedlichen Systeme zugleich ausdifferenzierte Rahmenbedingungen von Kommunikation und damit zugleich verschiedene Ausprägungen konkreter Kommunikationsstrukturen mit sich bringen.

Getrost kann daher die Forschungsleistung der Autorin als Pionierarbeit bezeichnet werden, die sich von gängigen, monokausalen Betrachtungen des Phänomens der Regierungskommunikation löst und mutig einen sowohl multiperspektivischen als auch einen so häufig geforderten, interdisziplinären Ansatz verfolgt. Allerdings ist zu bedauern, dass es Vogel an der Schnittstelle zwischen politik- und kommunikationswissenschaftlicher Fragestellung versäumt, den Begriff der Regierungskommunikation explizit definitorisch zu umreißen. Das nicht eindeutig festgelegte Verständnis von Kommunikation bleibt damit weiterhin ein Manko des noch stark zu entwickelnden Forschungszweiges.

Dieser Wehrmutstropfen kann jedoch nicht den allgemeinen Eindruck trüben, dass die vorliegende Forschungsleistung mit Hingabe zum Thema konzipiert und realisiert worden ist. Sie ist daher für Studierende und Forschende eine willkommene Gelegenheit und Motivation, weitere wissenschaftliche Anstrengungen zur PR politischer Institutionen zu unternehmen – ob auf nationaler, internationaler oder auch regionaler Ebene.

Übrigens findet auch Gerhard Schröders Nachfolgerin im Amt, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Erwähnung in der Arbeit. Mit Beginn ihrer Regierungszeit ist das Ausmaß der Regierungskommunikation, im Wesentlichen geleistet durch das Bundespresseamt, messbar zurückgegangen. Bedeutet diese Erkenntnis also indirekt eine weitere, wissenschaftliche Bestätigung für Schröders Image als „Medienkanzler“?

Der Rezensent
Sebastian Wuwer ist Angestellter im Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landtags Nordrhein-Westfalen und dort als Referent für die Europa-Kommunikation tätig. Zuvor studierte Wuwer im Bachelor- und Masterstudiengang Politik- und Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, war erster PR-Trainee in der Verwaltung des nordrhein-westfälischen Landesparlaments und konnte sein berufsbegleitendes Studium bei PR Plus im März 2009 als akademisch geprüfter PR-Berater abschließen. Er war außerdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Bundestag sowie als freier Journalist für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) tätig.

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