Zugegeben, ein leichtes Schaudern hatte ich schon beim Titel: “Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus”, die neue und erweiterte Auflage des, ähem, “Klassikers” von Wolf Schneider und Paul-Josef Raue - erschienen bei rororo (ISBN-13: 978-3499628252, 14,99 Euro bei amazon). Jetzt also erweitert um Online-Journalismus, der entweder aus Gründen des Marketings auch in den Titel musste - oder um ihn noch mal vom “richtigen” Journalismus abzugrenzen.
Die Erwartungen sind erfüllt: Das Kapitel Online-Journalismus ist gleich vorne zwischen “Die Journalisten” und “Schreiben und Redigieren” gequetscht, ohne dass es irgend eine Systematik dafür zu erkennen gibt. Das Internet, so erfahren wir, ist zunächst einmal irgendwie böse - vor allem, weil es unübersichtlich ist:
Die Kritik von Peter Schumacher am 27. Januar in seinem Blog hier online weiterlesen.

Einen weiteren "Verriß" hat am 29. Januar Christian Jakubetz in seinem Blog geschrieben ("Wenn Blinde über Farbe schreiben"). Auch diese Kritik gibt es hier online zum Nachlesen.

"Ich würde diesen Beitrag vor allem deshalb schreiben, weil ich es für ein Unding halte, wenn der Mann, der sich so gerne unwidersprochen “Papst” nennen lässt, mit seinem Adjutanten in einem der größten deutschen Verlage ein Buch veröffentlicht, von dem es nicht weniger heißt, als dass es der Standard in der Journalistenausbildung sei. Ein Buch, in dem hoffnungslos windschiefe Berufsbilder gezeichnet werden, ein Buch, das das Internet als eher lästige Begleiterscheinung darstellt, dennoch aber natürlich auch das “Handbuch des Onlinejournalismus” genannt wird. Und vor allem: ein Buch, das gerade in diesem Bereich vor Unkenntnis, platten Klischees und – auch das – schlampiger Recherche nur so strotzt."

Und weil sie wirklich recht hat, schreibt Ulrike Langer am 30. Januar in ihrem Blog "Medial.digital" über "Steinzeitansichten über Zukunfts-Journalismus". Hier zwei sehr treffende Absätze aus ihrem Beitrag:

"Wenn es nicht so ärgerlich wäre, dass viele  Journalisten dieses ahnungslose, schludrige und an einigen Stellen auch böswillige Machwerk wohl tatsächlich für das aktuelle Standardwerk  zum Thema Journalismus halten werden, wäre es fast komisch. Ist es aber nicht.  “Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus” wird von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) empfohlen und für eine “Bereitstellungspauschale” von nur 4,50 Euro verschickt. Es wird schon allein wegen des günstigen Preises sicher gerne bestellt werden. Dazu kommt der Nimbus “Standardwerk”, den die bpb auch dieser Neuauflage verleiht. (Hat dort eigentlich jemand die neuen Abschnitte  zum Online-Journalismus gelesen?)

Zumindest die das Netz betreffenden Passagen in diesem Buch sind nicht viel mehr als eine zusammengequirlte Melange aus abgedroschenen Sprüchen und Vorurteilen: Im Internet herrscht “Krieg” zwischen Journalisten und Bloggern. Die Fülle der vielen unwichtigen Informationen im Netz verwirrt und überfordert die Menschen. Debatten mit Nutzern im Netz sind sinnlos, weil größtenteils “Schwachsinn und Dampfplauderei” abgesondert wird. Konzentriertes Lesen ermöglichen nur Texte in der Zeitung, nicht solche im Netz. Wer als journalistischer Einsteiger bei einer Zeitung keinen Erfolg mit seinen Beiträgen hat, sollte es einfach bei einer Online-Redaktion probieren – dort kommt es auf Qualität nicht so sehr an. Und so weiter, und so fort." Den gesamten Beitrag hier online weiterlesen.

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