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Von Think-Tanks und Visionen – 1.500 diskutierten beim „ConventionCamp“ über die digitale Zukunft

Massenbewegungen am Check-In-Schalter, jeder Platz besetzt bei der Opening-Session, heiße Diskussionen in den Gängen des futuristischen Convention Centers – beim „ConventionCamp“ traf sich am 8. November die deutsche Netzgemeinde mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Fast 1.500 kamen nach Hannover, um mit internationalen Rednern auf hochkarätig besetzten Panels und während freier Sessions über unsere digitale Zukunft zu diskutieren.

Auftakt zu den über 50 Veranstaltungen des Tages bildete ein ungewöhnliches Speed-Dating: Bei „Mind the Future“ brachte Frank B. Sonder – unterstützt von Stephan Sigrist – fremde Menschen dazu, sich in kleinen Gruppen Gedanken darüber zu machen, wie Liebe, Glaube, Hoffnung und Werte zukünftig aussehen werden. Einzige Voraussetzung: keine Denkschranken. Da sich die vier Mitstreiter der spontan gebildeten Gruppen in der Regel im Leben noch nie begegnet sind, hemmten keine innerlichen Barrieren sie dabei, die verrücktesten – und so auch innovativsten – Lösungen innerhalb von Sekunden zu formulieren.

Projektstart „Menschen für eine bessere Welt“
Einer der Höhepunkte der Internetkonferenz war der Start des World Cafés „Menschen für die neue Welt“. Das von der Volkswagen AG begleitete Projekt ist ein offener Think-Tank zum Thema besseres Leben in unseren Städten. Die Cluster Smart Mobility, Smart Cities und Smart Life standen auf der Agenda. Das Besondere eines World Cafés ist die innovative Arbeitsweise: Beim ConventionCamp wurden zehn Tische von zehn Moderatoren betreut. Durch diese – auch von Großunternehmen genutzte – Methode wird innerhalb kürzester Zeit das Gesamtwissen und kreative Potenzial einer großen Gruppe abgerufen. Die Teilnehmer in Saal 15/16 waren elektrisiert. Am Ende waren an allen Tischen beeindruckende Mind-Maps und Ideenskizzen entstanden. Ein guter Auftakt, denn die Arbeit am Projekt startet mit Abschluss des ConventionCamps erst richtig und wird on- und offline weitergeführt. Die Ergebnisse fließen in eine Publikation, die auf dem ConventionCamp 2012 präsentiert wird. Den Termin für das #cch12 haben die Veranstalter w3design, t3n und Aufgesang Public Relations bereits bekanntgegeben: der 27. November 2012.

Dank Vernetzung Revolution von unten
Das Panel zum Thema Politikverdrossenheit mit Richard Gutjahr, Helmut Scherer, Malte Spitz und Sebastian Heinel begann mit einem Rückblick auf die Bürgerrevolutionen des Jahres – den arabischen Frühling und Stuttgart 21. Schnell wurde klar, dass man die Protestbewegungen nicht über einen Kamm scheren kann. Auch wenn sie dank des Netzes an Größe und Bekanntheit gewannen. Vielmehr bekommen Protestbewegungen durch die Möglichkeit der Vernetzung neue Dimensionen. Fazit des Panels: Das Internet politisiert die Menschen nicht. Aber es erleichtert die Kommunikation für Proteste und unterwandert so die bisherigen Machtpositionen.

Gesundheit in der digitalen Welt
Viele internationale Redner kamen nach Hannover zum ConventionCamp 2011. Einer von ihnen war Sigrist aus der Schweiz. Der Leiter des Think-Tanks W.I.R.E. sprach über zukünftige Chancen dank E-Health. Die Vorteile – Kostensenkung, besseres Gesundheitsmanagement sowie effizientere Behandlung von Krankheiten – stoßen auf Widerstände in der Gesellschaft. Das Potenzial für vernetzte Gesundheit ist noch nicht vorhanden: Die Menschen sind noch nicht so weit, es fehlt ihnen an Bildung, so Sigrist. Institutionen wiederum mangelt es an Infrastruktur, Technik – und Offenheit. Bevor diese Schwierigkeiten nicht beseitigt sind, so sein Fazit, wird es keine Revolution im Gesundheitswesen geben.

Zukunft der Medien
Ein großes Thema beim ConventionCamp 2011 war die Zukunft der Medien. Gerd Leonhard warf einen Blick auf die Medienindustrie im Wandel. Seiner Meinung nach sind Strippenzieher von heute in fünf Jahren bereits Vergangenheit. Er stellte die gewagte These zur Diskussion, dass große Verleger zukünftig überflüssig werden, da die Inhalte des weltweiten Netzes immer stärker von unten, von den Nutzern, kommen. Seiner Meinung nach entsteht die Zukunft des Netzes eher in Ländern wie Indien – und wird in Europa nur empfangen.

Auch Steffen Gurr, Leiter der NDR-Onlineredaktion Niedersachsen, bestätigte, dass die Sender sich dem Wandel der Zeit stellen müssen. Vieles, was bei „klassischen“ Medien funktioniert, interessiert Internetnutzer nicht. Sein besonderer Blick galt den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und wie sie den Spagat zwischen Programmauftrag und Medieninteresse schaffen. Zwar können sie keine lustigen Videos ins Netz stellen, verfügen aber andererseits über viel hochwertiges Material. Gurrs Überzeugung: Wer als Sendeanstalt online das richtige Mittel zwischen Format, Umgebung und Länge findet, kann auch die Nutzer von morgen faszinieren.

Markus Hündgen, Journalist und Videopunk, rundete mit seinen Betrachtungen über die alternative Bewegtbildszene Deutschlands den Blick des ConventionCamps auf die Zukunft der Medien ab. Mit den vom ihm gezeigten furiosen Videos wurde schnell klar: Hochwertige Inhalte können durchaus auch von Usern kommen.

t3n-Award für herausragende Onlineprojekte
Den ausgelassenen Abschluss des Tages bildete die Verleihung der t3n-Awards während einer Abschlussgala im Radisson Blu Hotel. Ausgezeichnet wurden 21 herausragende Projekte, Services und Produkte rund um Social Media, E-Business, Webentwicklung und Online-Marketing. Die Auswahl der Preisträger gewährte einen Einblick in unsere digitale Zukunft. Denn die Wahl erfolgte ausschließlich übers Internet: mehr als 20.000 Nominierungsvorschläge, 60.000 Votings und 5.000 Facebook-Likes gingen bei t3n ein. Anschließend feierte sich das ConventionCamp bis in die frühen Morgenstunden selbst. Gute Gründe gab es reichlich.

Weitere Informationen, Berichte und Fotos auf der Blog-Seite (PR-Agentur-Blog) des Mitveranstalters Aufgesang PR/prdienst.de, Hannover. Sowie auf der Newsromm-Seite des ConventionCamps 2011.

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