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Public Relations: Nichts als teures Blendwerk?

Menschen lassen sich nicht für dumm verkaufen: Wenn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit selbst in die Schlagzeilen gerät
Für den Hamburger Senat war 2011 in Sachen Öffentlichkeitsarbeit kein besonders glückliches Jahr: Gleich drei PR-Aktivitäten wurden 2011 von den lokalen Medien an den Pranger gestellt – wenngleich aus ganz unterschiedlichen Gründen. Zurück blieb der Eindruck, dass PR-Agenturen viel Geld für dilettantische Arbeit kassieren und/oder die Auftraggeber keine Ahnung haben, wie PR wirkt und was PR in welchen Situationen überhaupt leisten kann. Für alle Beteiligten ein höchst unbefriedigender Zustand.

Künstliche oder berechtigte Aufregung in Hamburg?
Fall 1: Noch unter dem schwarz-grünen Senat kam im Frühjahr ans Tageslicht, dass 15.000 Euro für ein Kommunikationskonzept ausgegeben wurden, um Zweiflern und Kritikern des geplanten Autobahn-Deckels über der A-7 “pro-aktiv das Wasser abzugraben”, wie es DIE WELT formulierte. Als pikante Details und Thesen des 39-seitigen Papiers bekannt wurden, verschwanden die Pläne klammheimlich und ungenutzt wieder in der Schublade.
Fall 2: Bei der durchaus problematischen Frage der Unterbringung von ehemals Sicherheitsverwahrten in Hamburg-Jenfeld konsultierte der Hamburger Senat eine Berliner PR-Agentur, um in der Öffentlichkeit mehr Akzeptanz für seine Vorgehensweise zu erreichen. Auch diese Rechnung in Höhe von 3.850 Euro (lt. DIE WELT) ging nicht auf und gipfelte in der zugespitzten FDP-Senatsanfrage: “Lässt der Senat die zentrale Unterbringung von ehemals Sicherheitsverwahrten durch eine PR-Agentur steuern?”
Fall 3: “Mein Baum – Meine Stadt” – unter diesem Motto wurden Hamburger aufgerufen, Geld für mehr Grün in der City zu spenden. Doch: “45 Prozent der Gelder gehen für PR-Agenturen und Werbung drauf”, empörte sich die Hamburger Morgenpost. Insgesamt ist von 114.000 Euro die Rede, die bereits für PR-Arbeit ausgegeben wurden – und das bei einem Spendenaufkommen von 294.233 Euro! Ein eklatantes Missverhältnis, urteilt die Morgenpost, denn jede andere seriöse Spendenorganisation gibt im Schnitt nur 14 Prozent des Spendenaufkommens für Werbung und Verwaltung aus.

Worum geht es den Kritikern wirklich?
Medien sind mit ihrer kritischen und investigativen Berichterstattung ein wichtiges Regulativ in unserer Gesellschaft. Wer sich mit fremden Federn schmückt oder in der Substanz nichts zu sagen hat, wird gnadenlos öffentlich abgestraft. Wer versucht, Menschen für dumm zu verkaufen oder sich unverhältnismäßig in Szene zu setzen, der bekommt auch dafür die unangenehme mediale Quittung serviert. “Da Politik unter besonderer Beobachtung steht, sollte gerade sie besondere Sensibilität bei der Wahl ihrer kommunikativen Mittel walten lassen”, sagt Thomas Bartel.

Man kann in dieser Sache einen einfachen Standpunkt vertreten, der da lautet:
"Wenn dilettantische Kampagnen und unfähige Akteure ihre eigene Glaubwürdigkeit riskieren, ist es eben ihre eigene Schuld, sie müssen selbst mit den Konsequenzen leben”, fährt er fort. Doch ganz so einfach sei es nicht, zumal dadurch die gesamte Profession Public Relations immer häufiger den Beigeschmack des “faulen Budenzaubers” angeheftet bekomme.

Welche Lehren sind zu ziehen?
Bartel plädiert dafür, Klarheit zu schaffen: PR lasse weder Bäume in den Himmel wachsen, noch sei sie eine Allround-Waffe zu jeder Zeit für jeden Zweck. Schwierige Kommunikationsprozesse bleiben schwierig. Überzeugungsarbeit für eine bestimmte (politische) Haltung, Begeisterung für eine Idee oder gar Motivation für eine gewünschte Handlung oder Aktivität bei den Adressaten benötigt nicht nur intelligente und durchdachte Konzepte, sondern auch Durchhaltevermögen und glaubwürdige Akteure. “Wer PR ausschließlich mit bunten Bildern, Events und wilden Aktionen bestreiten will, ohne in der Sache Inhalte und Substanz zu liefern, der hat die Möglichkeiten und Mechanismen von Öffentlichkeitsarbeit gründlich missverstanden”, erläutert Thomas Bartel. Überzogene Versprechungen bzw. Erwartungen sind genauso gefährlich wie Oberflächlichkeit bei der Ausübung von PR.


Ein Gastbeitrag von Thomas Bartel, Geschäftsführer von ICF Public Relations Consulting in Hamburg → icf-pr.de Die Agentur berät seit mehr als 20 Jahren bundesweit Unternehmen, Verbände und Selbständige in allen Belangen der Öffentlichkeitsarbeit.

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