Wuttke Peter Gf einfach machen HH„Sieh nach bei Wikipedia“ – so lautet die Parole, wenn man schnell etwas wissen will. Die Online-Enzyklopädie liegt in Deutschland auf Platz 7 der meistbesuchten Websites. Weil hier in kompakter Form Erstinformationen geliefert werden, möchten Unternehmen und Organisation dabei sein. Das dürfen sie auch, denn jeder kann in der Wikipedia mitmachen. Artikel haben aber nur Bestand, wenn das Wikipedia-Regelwerk eingehalten wird. Weil es viele Regeln gibt, kann viel schiefgehen. Die fünf wichtigsten Fehler sollten jedoch unbedingt vermieden werden.
Der vorliegende Beitrag von Peter Wuttke (Foto) ist der vierte Teil einer Serie von Beiträgen über Öffentlichkeitsarbeit in Wikipedia.

1) Verdecktes Schreiben

Normalerweise darf man anonym oder mit einem Pseudonym in der Wikipedia mitarbeiten. Für „beauftragtes Schreiben“, für die Mitarbeit gegen ein Entgelt, gilt das nicht. Seit Sommer 2014 müssen entsprechende Edits deklariert werden, der Auftraggeber muss bekannt gemacht werden. Drei Möglichkeiten stehen dafür zur Verfügung:

  • Man gibt eine Erklärung auf der Seite seines Wikipedia-Benutzerkontos ab.
  • Ein entsprechendes Statement auf der Diskussionsseite des Artikels, den man im Auftrag bearbeitet hat, reicht ebenfalls.
  • Vor dem Speichern notiert man in der Eingabezeile für die Bearbeitungszusammenfassung, dass es sich um einen beauftragten Edit handelt.

Wer gegen die Transparenzpflicht verstößt, muss mit einer Sperre in allen Wikipedia-Projekten rechnen.

2) Fehlende oder schwache Quellen

Sachaussagen in der Wikipedia müssen nachvollziehbar sein. Die Gemeinschaft der Autoren spricht hier von „Belegen“. Es gibt gute und weniger gute Belege für neue Artikel beziehungsweise für Artikeländerungen. Als besonders zuverlässig gilt wissenschaftliche Literatur. Gern gesehen sind auch Belege aus seriösen Medien, also etwa des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder der großen Tages- und Wochenzeitungen. Belege aus Boulevardblättern überzeugen hingegen kaum.

Eigenmaterial von Unternehmen – online oder Print – gelten als schwierig. Oft können sie fallweise eingesetzt werden, wenn es sich beispielsweise um Jahresberichte oder publizierte Jahresabschlüsse handelt. Pressemitteilungen lassen sich verwenden, wenn es nachrangig geschieht. Wo immer es möglich ist, sollte auf sie zugunsten unternehmensexterner Belege verzichtet werden. Werbematerial geht nicht. Interne Firmenpapiere sind ebenfalls tabu.

Was bedeutet das für PR? Wikipedia als Verlängerung der eigenen Prospektauslage oder als zweite Homepage zu betrachten – das geht schief.

3) Tendenziöses Schreiben

Wikipedia achtet auf Neutralität. Werturteile von Wikipedia-Autoren gehören nicht in die Artikel. Mitarbeiter von PR-Agenturen und Angehörige von Marketing-Abteilungen scheitern hier oft. Es ist ihr Alltag, das Unternehmen oder die Marke positiv zu präsentieren. In Wikipedia-Artikeln zählt aber nicht Begeisterung oder Überredung, hier regiert das Pathos der Nüchternheit. Wer „Werbeflyer“ einstellt bleibt ohne Kommunikationserfolg. Tendenziös wäre auch, Schwächen verschweigen zu wollen. Öffentlich bekannte Kritik an einer Sache ist Teil ihrer Wahrnehmung. Weil es um Wahrnehmungen geht, nicht um „Wahrheit“, gehört Kritik dargestellt: nüchtern, kompakt, gut belegt.

4) Besitzanspruch

„Unser Wikipedia-Artikel ist schlecht. Das möchten wir ändern.“ Ein solches Anliegen ist legitim. Wikipedia ruft dazu auf, vorhandene Artikel zu verbessern. Das kann heißen: aktuell halten, erweitern, gut strukturieren, sinnvoll bebildern etc. Gute Artikel haben in der Regel nur wenige Hauptautoren. Schwache Artikel wirken dagegen wie ein wilder Mix aus Infohäppchen. Aber selbst qualitativ hochwertige Artikel gehören nicht den Hauptautoren, sie sind nicht statisch. Sie können jederzeit von jedermann verändert werden. Ob Änderungen sachlich sinnvoll sind, darüber lässt sich trefflich streiten. Dazu sind ist die Diskussionsseite der Artikel da. Wikipedia heißt eben auch: gemeinsam arbeiten, Kompromisse suchen und loslassen können.

5) SEO

In der Wikipedia dabei zu sein, ist wichtig. Von Google gut gefunden werden, ist noch wichtiger. Einige Spezialagenturen offerieren, durch die Bearbeitungen in der Wikipedia das entsprechende Google-Ranking von Unternehmen oder Produkten zu verbessern. Sie versprechen Backlinks aus der Wikipedia und mehr. Wer von diesen Angeboten hört, sollte einen großen Bogen darum machen. Wikipedia bannt diese Edits als „SEO-Spam“.

Fazit

Wikipedia ist ein eigenes Informationssystem mit einem komplexen Regelwerk und einer skeptischen Autorengemeinschaft, insbesondere wenn es um Beiträge „aus der Wirtschaft“ geht. Sich hier einzuarbeiten, kostet Zeit. Wenn man Spezialisten mit Wikipedia-Arbeit beauftragt, kostet das Geld. Ist Ignorieren der Wikipedia eine dritte Option? In einer Wissensgesellschaft, in der täglich der „Kampf um die (besten) Köpfe“ ausgefochten wird, dürfte Letzteres riskant sein, denn dann entscheidet der Zufall, was in der Wikipedia zu lesen ist und was fehlt.

Über den Autor: Peter Wuttke ist Geschäftsführer der Hamburger Agentur „einfach machen GmbH“. Die 2000 gegründete Agentur bietet Wikipedia als Bestandteil einer kompletten PR-Strategie an. Peter Wuttke schreibt seit 2005 in der Online-Enzyklopädie. Dort betreibt er regelkonform und transparent zwei Konten, eines für unentgeltliche Edits, ein zweites für bezahlte. Viele seiner Artikel sind ausgezeichnet worden.


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