Es wurde schon viel darüber diskutiert, wie die Corona-Krise die Kommunikation von Unternehmen verändert hat. Dabei erhalten viele Themen eine völlig neue Relevanz und rücken in den Fokus. Ein Beispiel hierfür sind Krankenhäuser, Ärzte und Pflegekräfte. Wurde in der Vergangenheit in diesem Zusammenhang oft über Mangelverwaltung, Fachkräftemangel, Missstände oder gar Skandale diskutiert, durchleben die Kliniken gerade einen Imagewandel, über den sich viele Mitarbeiter verwundert die Augen reiben: Auf einmal bekommen sie von allen Seiten zu hören, wie wichtig sie sind oder – wie man in Corona-Zeiten sagt – systemrelevant. In vielen Ländern – auch in Deutschland – applaudieren Menschen abends auf den Balkonen, um sich bei Ärzten und Pflegekräften für ihren Einsatz zu bedanken. Aus den sozialen Medien schwappt eine Solidarisierungswelle in die analoge Welt, die dazu führt, dass sich Bürger Dankesplakate an den Krankenhäusern anbringen.

Eine Chance für die Kommunikation

Das sieht auch der Autoverleiher Sixt so und verteilt in Berlin, Hamburg und München 100-Euro-Gutscheine für Fahrten mit Carsharing-Autos an Ärzte und Pflegekräfte. Wenigstens etwas von diesem Image soll jetzt auch auf die eigene Marke abstrahlen. Frei nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber, engagieren sich regionale Firmen und nationale Konzerne in der Herstellung von Masken, der Produktion von Desinfektionsmitteln oder beliefern Krankenhäuser kostenlos mit Getränken, Obst oder Pizzen. Doch was heißt das für die Kommunikation der Krankenhäuser selbst? Die verschiedenen Challenges, Hashtags und Aufrufe wie „Wir bleiben für Euch da. Bleibt Ihr für uns zuhause“ oder #FlattenTheCurve zeigen, wie Kommunikation in Zeiten von Corona für Krankenhäuser funktionieren kann: Indem die Kliniken ein Gefühl von Solidarität und Zusammengehörigkeit schaffen – und zwar nach innen und nach außen. Dabei ist es wichtig, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch Patienten in ihren unterschiedlichen Lebenswelten abzuholen und sensibel mit ihren Sorgen umzugehen

Kommunikation ist kein Selbstzweck

In diesen Zeiten tun das die meisten Krankenhäuser nicht mit großen Kampagnen. Es sind eher kleine kreative Ideen, die große Wirkung entfalten oder pragmatische Lösungen, die schnelle Erfolge ermöglichen. So hat das St.-Johannes-Hospital in Dortmund eine Schleuse implementiert, über die Angehörige persönliche Dinge wie frische Wäsche, Bücher, aber auch Geschenke oder Grußkarten an die Patienten im Haus weiterleiten können. Ein Angebot, das aufgrund des momentanen Besuchsverbots in Krankenhäusern rege genutzt wird – auch für analoge Nachrichten. Die Heliosklinik Berlin-Buch veranstaltet virtuelle Kreißsaalführungen via Facebook Live und Instagram und erreicht allein auf Facebook über 6.000 Menschen. An einer gewöhnlichen Kreißsaalführung nehmen in der Regel um die 50 Personen teil. Die St. Vincenz Gesellschaft in Limburg führt in nur zwei Wochen die Mitarbeiter-App QuickStart ein, um alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenhaus und zu Hause jederzeit über die aktuellen Entwicklungen informieren zu können. In nur zwei Tagen haben sich über 150 Mitarbeiter angemeldet. Nur drei Beispiele von vielen, aber schon diese zeigen: Indem die Krankenhäuser auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter und Patienten reagieren, schaffen sie Mehrwerte für die unterschiedlichen Zielgruppen, vermitteln Nähe, und – das ist für Krankenhäuser noch wichtiger als für andere Unternehmen: Sie schaffen Vertrauen.

Dabei sind die Verantwortlichen auch bereit neue Wege zu gehen – auch digitale: Der Geschäftsführer des St.-Johannes-Hospitals in Dortmund informiert die Mitarbeiter seit Wochen in regelmäßige Videoansprachen. Videosprechstunden – lange Zeit von Ärzten und Verwaltung skeptisch betrachtet – werden jetzt einfach eingeführt. So schaffen auch die Krankenhäuser in diesen Zeiten neue Kommunikationswege, die die Corona-Krise überdauern und die Kommunikation in den Häusern dauerhaft verändern werden.

Kommunikation im Dienst der Sache

Die meisten Kommunikationsverantwortlichen in den Häusern forcieren es und begleiten diesen Prozess völlig unprätentiös. Denn gerade zu Beginn der Pandemie ging es erst einmal um die Kommunikation von Entscheidungen und deren organisatorischen Folgen für das Krankenhaus – intern und extern. So mussten beispielsweise geänderte Besuchszeiten, neue Desinfektionsregeln und Schutzmaßnahmen genauso kommuniziert werden wie arbeitsrechtliche Informationen rund um das Thema Corona sowie Home-Office-Regelungen. Die Kommunikationsabteilungen stellten sich quasi in den Dienst der Sache und halfen, die Patientenversorgung sicherzustellen. Selbstverständlich beantworteten die Pressestellen auch weiterhin Medienanfragen, jedoch achteten viele Kliniksprecherinnen und Kliniksprecher darauf, das medizinische Personal nicht zusätzlich zu belasten und die Abläufe nicht zu stören – auch auf Kosten medialer Präsenz. Das stelle man sich mal in anderen Branchen vor.

Über die Autorin: Corinna Bischof ist Kommunikationsberaterin und Expertin für Krisenkommunikation. Die Geschäftsführerin der Agentur lege artis in Münster berät seit vielen Jahren auch Krankenhäuser in krisenhaften Situationen. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind außerdem Marken- und Organisationsentwicklung auf Basis der Unternehmenskultur sowie Employer-Branding. Die Agentur lege artis veranstaltet einmal jährlich den Kliniksprechertag in Münster als einzigen Kongress für Kommunikationsverantwortliche von Krankenhäusern in Deutschland.


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