Autoren-Beiträge Autorinnenbeitrag: Kommunikation während der Corona Fatigue

Laura Montag (Foto) ist selbständige Beraterin für PR und Krisenkommunikation. Für das „PR-Journal“ schreibt sie über die Erwartungen von Mitarbeitenden an ihre Führungskräfte: Wie können sie dafür sorgen, dass die Kollegen im Homeoffice-Dauerstress während der Corona-Pandemie nicht ausbrennen? Montags Einordnungen und Schlussfolgerungen basieren auf den Erfahrungen ihrer Beratungstätigkeit, aber auch auf den Erkenntnissen aus ihren Gesprächen im Kreis der GWPR Next Gen Leadership Initiative. Das Frauennetzwerk Global Women in PR (GWPR) hat diese Initiative speziell für Frauen mit fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung ins Leben gerufen, um sie auf ihrem Weg in Führungspositionen der Kommunikationsbranche zu fördern und zu vernetzen.

Von Laura Montag, Frankfurt am Main

Viele Unternehmen verkünden zurzeit, dass „man gestärkt aus der Krise“ hervorgehe oder „kein Digitalisierungsprojekt aufgrund der Corona-Pandemie gestoppt“ wurde. Obwohl von solchen Erfolgsmeldungen die Belegschaft letztendlich profitiert, wird noch zu wenig darüber gesprochen, wer diese Themen unter Hochdruck umsetzt. Wenn Corona also der vielzitierte Katalysator ist: Was macht die Pandemie dann beispielsweise mit Teams in der Unternehmenskommunikation, die aufgrund der neuen Ausnahmesituation unter Dauerstress arbeiten? Führungskräfte können in ihrer Kommunikation einen bedeutenden Unterschied machen, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während des Dauerdrucks nicht ausbrennen oder die Motivation an die „Corona Fatigue“ verlieren.

Neben Budgetplanungen, Strategie-Workshops und Jahreszielen kommt auf Führungskräfte nun eine neue kommunikative Herausforderung zu: Teams durch eine Phase der Müdigkeit und Erschöpfung führen. Denn sobald Corona „vorbei“ ist, wird das Tempo in den meisten Unternehmen nicht runterfahren, sondern vermutlich sogar anziehen. Ein geschärfter Blick für den Energiehaushalt des Teams und begleitender Kommunikation macht jetzt einen entscheidenden Unterschied.

Energie ist keine unendliche Ressource

Der erste Lockdown hatte für viele im Nachhinein schon fast etwas Aufregendes. Man hatte Zeit, am Wochenende die Liebe fürs Wandern und Banana Bread zu entdecken und unter der Woche endlich für die notwendigen Digitalprojekte im Team Gehör zu finden.

Dabei beruht der Energieschub der ersten Welle auf einer psychologischen Notfallreaktion. Schocks und plötzliche Ungewissheit versetzen uns in den sogenannten „Fight or Flight“-Modus und machen uns dank Adrenalinausstoß wachsam und kooperativ. Diese Reaktion, ein natürlicher Instinkt unserer Vorfahren, lässt uns ungeahnte Energien abrufen – aber bei langfristigem Ausstoß auch ausbrennen. 

Im Vorfeld der aktuellen Welle wussten wir bereits, was uns erwartet. Alles wie im Frühling 2020, aber dunkler, kälter, langweiliger. Da wir keine Belohnung und Erholungseffekte spüren, zehrt der Alltag an Motivation und Kraft der Mitarbeiter. Nicht nur, dass ein kritisches Kommunikationsprojekt das Nächste jagt – wir sehen auch den Horizont nicht, hinter dem die wohlverdiente Pause auf uns wartet. Hinzu kommt, dass die Aussicht aufs Wochenende – mittlerweile eine Dauerschleife aus Netflix, kochen, den gleichen Spielen und Spazierrunden – keine Ablenkung mehr darstellt. Im Prinzip geht es um geduldiges Durchhalten.

Und genau das ist es, wo Führungskräfte ansetzen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen können: beim Kultivieren mentaler Stärke, um durchzuhalten.

Einen Startpunkt bieten dabei diese fünf P‘s:

  • Persönlichkeit: Mitteilen, wie es einem geht – und dabei aber vor allem relatable bleiben. Wenn die Führungskraft, die auch während der Krise auf Unterstützung bei Haushalt und Kinderbetreuung setzen kann, sich darüber beklagt, wie sehr die Zeit zum Ausspannen auf Sylt oder der Rotwein beim Lieblingsitaliener fehlt, wird vermutlich eher ein Stirnrunzeln ernten. Wer aber teilt, dass man sich um die Mutter sorgt, die im Altenheim mehrere Stunden entfernt wohnt, zeigt Menschlichkeit, wirkt authentisch und bietet Gelegenheit für Mitarbeiter, sich ebenfalls zu öffnen.
  • Pausen: Überlegen, ob die E-Mail nach 19:00 Uhr wirklich notwendig ist oder nicht eher dazu dient, Aufgaben aus dem eigenen Kopf zu bekommen. Die E-Mail als Entwurf zu speichern und am nächsten Morgen rauszuschicken ist eine simple, aber effektive Methode, um Teams nicht das Gefühl zu geben, sie müssten weiterhin erreichbar sein oder genauso (vermeintlich) produktiv wie die Führungskraft sein.
  • Prävention: Immer noch halten sich Vorurteile, Meditation sei nur für Yogis oder allenfalls Spitzensportler. Doch Mindfulness-Apps wie Headspace helfen unter anderem, Konzentration und Kreativität zu fördern – und boomen gerade bei Firmenkunden in den USA und Europa. Im Bereich Stressbewältigung setzt sich ebenfalls mehr und mehr das wissenschaftlich erwiesene Kommunikationskonzept von Mindful Leadership durch.
  • Proaktiv: Die täglichen „Alles okay bei dir?“-Anrufe und virtuellen Kaffee-Dates nehmen ab, weil sich jeder ans Homeoffice gewöhnt zu haben scheint. Trotzdem sollten Führungskräfte den persönlichen Austausch, in dem es explizit nicht um die laufenden Projekte geht, nicht schleifen lassen. Auch die Wein-Tastings via Zoom müssen nicht bis zur nächsten Weihnachtsfeier warten. Kreative Kommunikationsformate wie Outdoor-Meetings, Coffee Walks oder Workshops mittels Conceptboard statt Zoom bringen wieder Leben in den Alltag.
  • Purpose: Mithilfe von gezielter Kommunikation können Führungskräfte jetzt zeigen, inwiefern das, was jetzt geschafft (und erschaffen) wird, dem Team hilft und welchen wichtigen Beitrag jeder Einzelne daran hat. Gemeinsame Reflektion, was bereits alles erreicht wurde in der Corona-Kommunikation und wie sich das auf die Karriereentwicklung auswirkt, hilft, das große Ganze zu erkennen und neue Motivation zu schöpfen.

Selbstführung, um andere führen zu können

Um Resilienz bei den eigenen Mitarbeitern fördern zu können, darf der eigene Energiehaushalt nicht auf Dauer-Sparflamme brennen. Satya Nadella, CEO von Microsoft, führt „Generating Energy“ sogar als eine seiner drei Führungsprinzipien auf. Für ihn müssen Führungskräfte zu Kreativität und Engagement inspirieren und auch in anspruchsvollen Zeiten optimistisch bleiben.

Dabei ist ein konstant hohes Energielevel selten eine Charaktereigenschaft, sondern meist das Resultat harter Arbeit. Deshalb gilt weiterhin: Man kann Teams nur dann erfolgreich führen, wenn man sich selbst führen kann. Auch dabei hilft es, die fünf genannten Punkte durchzugehen und zu reflektieren, woraus man selbst als Führungskraft Kraft schöpft, wo man mit seinem persönlichen Energie-Level steht und wie man motivierte Mitarbeiter nicht an die Pandemic Fatigue verliert. Dafür braucht es Ruhezeiten für Reflexion, aber auch einen neuen Ansatz der Change- und Führungskräftekommunikation. Denn nur wer weiß, wann er bremsen muss, bleibt auf der Bahn und gewinnt langfristig das Rennen.

Über die Autorin: Laura Montag ist selbständige Beraterin für PR und Krisenkommunikation. Während ihrer Stationen bei der Brunswick Group und als Pressesprecherin der Mann+Hummel Gruppe begleitete Laura Montag mehrere Restrukturierungen und diverse cross-border M&A-Projekte. Nebenberuflich engagiert sie sich im GWPR Deutschland e.V., dessen Ziel es ist, Frauen zu ermutigen und sie dabei zu unterstützen, Führung in Kommunikationsberufen zu übernehmen Laura Montag gehört der GWPR Next Gen Leadership Initiative an, die sich speziell an Frauen mit fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung richtet. 

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