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eichstaedt-haug storymaker 20130715Interview mit Heidi Haug (r.) und Björn Eichstädt (l.), Geschäftsführende Gesellschafter der PR-Agentur Storymaker, Tübingen über Ausbildungsstandards in der PR-Branche.

PR-Journal: Eine von uns im Juni durchgeführte Umfrage über die Bezahlung von Volontären/Trainees brachte das Ergebnis: Die meisten Agenturen zahlen ihrem Nachwuchs mindestens 1.600 Euro monatlich. Wie bewerten Sie dieses Ergebnis?

Heidi Haug: Wenn es nicht die meisten, sondern alle Agenturen wären, dann würde ich das positiv sehen. Dass es immer noch viele Agenturen in der Branche gibt, die teilweise sogar weniger als 1.000 Euro bezahlen – wie uns regelmäßig Bewerber berichten, ist beschämend.
Björn Eichstädt: Die Bezahlung ist das eine, der Inhalt der Ausbildung das andere. Gerade hier sehen wir viele Defizite, die durch eine Verbesserung auf der Gehaltsseite leider noch lange nicht aufgehoben sind.

PR-Journal: Wie viele Volontäre beschäftigen Sie bei Storymaker und was bezahlen Sie ihnen?

Heidi Haug: Wir beschäftigen derzeit zwei Trainees bei knapp 30 festen Mitarbeitern. Wichtig ist uns, dass wir Zeit und Geld in die Ausbildung investieren können, weshalb wir die Anzahl der Trainees eher gering halten wollen. Klasse statt Masse ist unsere Devise. Oft haben diese Trainees bereits zuvor in studentischen Jobs oder als – natürlich bezahlte – Praktikanten bei uns gearbeitet. Wobei sich auch die Zahl dieser Mitarbeiter bei zwei bis drei Personen hält. Wir wollen am Ende auch alle Trainees übernehmen, deshalb bilden wir nicht über Bedarf aus. 
Björn Eichstädt: Ich selbst habe als Trainee bei Storymaker angefangen, bin heute geschäftsführender Gesellschafter. Das ist ein gutes Beispiel für die Nachhaltigkeit der Ausbildung bei Storymaker. Das Einstiegsgehalt unserer Trainees liegt derzeit bei 2.000 Euro brutto, also 24.000 Euro im Jahr. Das halten wir bei unseren Anforderungen  - das passende und gut bis sehr gut abgeschlossene Studium, Fremdsprachen, hohe Affinität zur PR, ggf. entsprechende Praktika etc. – für absolut gerechtfertigt.

PR-Journal: PR-Volontäre/Trainees werden in Agenturen und Unternehmen ausgebildet. Besteht aus Ihrer Sicht ein einheitlicher Standard in Bezug auf Ausbildungsinhalte und Bezahlung?

Heidi Haug: Absolut nicht. Viele Bewerber auf die Position des Junior- oder PR-Beraters haben nicht annähernd das Know-how, das man aus unserer Sicht als Trainee oder Volontär erlernen sollte. Ein einheitlicher Minimalstandard wäre dringend nötig. Stattdessen werden Trainees immer noch vor allem als billige Arbeitskraft angeheuert, bekommen zu wenig externe Ausbildung und wenig Mentorenunterstützung.

PR-Journal: Welche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sollten Ihrer Meinung nach Pflicht in einem Volontariat/Traineeship sein?

Heidi Haug: Ein Trainee muss systematisch an unterschiedliche Aufgaben herangeführt werden und sollte in verschiedenen Projekten ein Training-on-the-job bekommen. Dafür benötigt eine Agentur einen klaren Ausbildungsplan mit externen Kursen und ein gutes Mentorenprogramm.
Björn Eichstädt: Schon als ich Trainee war, gab es bei Storymaker darüber hinaus ein Austauschprogramm. Ich war damals für drei Wochen bei der Computerwoche im Newsbereich als Autor und habe sehr viel gelernt über die Medienwelt. Heute schicken wir unsere Trainees für zwei bis drei Wochen zu Unternehmen, in Pressestellen, in Redaktionen – auch international, da wir ja bereits seit Mitte der 2000er in China vertreten sind. Nur der Perspektivwechsel hilft, die Essenz der PR und des Dienstleistungsgedankens zu erfassen.

PR-Journal: Worauf sollten Volontäre achten, wenn sie sich für eine Ausbildung in einer Agentur entscheiden?

Björn Eichstädt: Eine solide Bezahlung, die ein selbstständiges Leben ermöglicht, eine gute Betreuung und ein klarer Ausbildungsplan mit externen Bausteinen. Darüber hinaus sollte der thematische oder kommunikative Schwerpunkt der Agentur zu den persönlichen Interessen des Trainees passen. Wir fokussieren beispielsweise auf Technologieunternehmen und die Kommunikation für diese. Ohne ein generelles Interesse an diesem Bereich macht die Ausbildung für beide Seiten natürlich weniger Spaß.

PR-Journal: Welche Möglichkeiten haben Volontäre, den Verlauf ihrer Ausbildung mitzubestimmen?

Heidi Haug: Wir achten bereits im Bewerbungsgespräch auf die spezifischen Interessen eines Trainees. Wer sich eher für Social Media interessiert, der verbringt seinen Austausch-Block beispielsweise in der Digitalabteilung eines Unternehmens, wer eher schreiben möchte, der geht in eine Redaktion. Im Verlauf der Ausbildung gibt es immer wieder Feedback-Gespräche über die Entwicklung, Defizite und Weiterbildungsinteressen. Ziel ist es, im kompletten weiteren Verlauf Talente und Stärken in der PR zu erkennen und diese zu fördern.

Heidi Haug ist Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin, Björn Eichstädt geschäftsführender Gesellschafter der PR-Agentur Storymaker, Tübingen (www.storymaker.de)


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