Das Team 'Brand Pack' von Gehalt.de

Heutzutage findet sich kaum noch ein Unternehmen, welches das Wort Agilität nicht in großen Buchstaben auf seiner Fahne stehen hat. Und auch Nick Marten, Head of Corporate Communications bei Gehalt.de, findet: „Heute ist gefühlt alles und jeder agil“. Entsprechend vorsichtig müsse man mit dem modischen Schlagwort sein. Das soll aber nicht heißen, dass sich bei dem Gehaltsportal modernen Arbeitsmethoden verweigert wird. Ganz im Gegenteil: Seit Herbst des vergangenen Jahres befindet sich das Hamburger Unternehmen in einem Agilisierungsprozess, wozu der Aufbau eines interdisziplinären Kommunikationsteams gehört.

Sinn und Zweck des Wandels? Die ganzheitliche Umsetzung von Kommunikation statt schlichtem Abgleich von Redaktionsplänen. „Wir wollen unsere Kräfte bündeln und Kommunikation in interdisziplinärer Zusammenarbeit leben,“ so Marten. Ob das bislang gelingt, auf welche Schwierigkeiten das diverse Team trifft, und welche Rolle die sogenannte Scrum-Methode dabei spielt, findet „PR-Journal“-Mitarbeiter Bennet von der Laden bei einem Videokonferenz-Besuch im Gehalt.de-Homeoffice heraus.

Um halb zehn an einem Montagmorgen setzen sich die Mitglieder des Teams 'Brand Pack' das erste Mal in dieser Woche zusammen. Die Corona-bedingt aus dem Homeoffice arbeitenden Kollegen aus Kommunikation, Design und Marketing treffen sich zum „Daily Stand-up“, um die anstehenden Angelegenheiten zu besprechen. Zum Wochenstart zählt dazu außerdem die abschließende Bewertung des aktuellen „Sprints”. Damit sind die Aufgaben und Ziele gemeint, die sich das abteilungsübergreifende Team für die jeweilige Woche steckt. Woche für Woche sollen „fokussiert Kommunikationsprodukte entwickelt werden“ – wie etwa Kampagnen oder auch einzelne Social-Media-Beiträge. Das genutzte Prinzip, die sogenannte Scrum-Methodik, entstammt der Software-Entwicklung. Von dieser inspiriert bedeutet das, „nicht immer das beste Produkt sofort anzubieten, sondern durchaus auch mal mit dem Prototypen rauszugehen und diesen dann sukzessiv weiterzuentwickeln“, erklärt Marten. Die Vorteile dieser Logik liegen für den Kommunikationschef auf der Hand: „Wir arbeiten fokussierter und mit Fachwissen aus unterschiedlichen Disziplinen an Themen.“

Neue Rituale und viel Dialog

Statt Projekte von vorne bis hinten durchzuplanen und dabei gleichzeitig auf starre Top-Down-Kommunikation zu setzen, gibt es bei Scrum viel Raum für Flexibilität und vor allem Dialog. So folgt auf die Besprechung des Sprints die „Public Review“, wo die Ergebnisse Kollegschaft und Unternehmensführung präsentiert werden und Möglichkeit zur Diskussion besteht. Ebenfalls diskutiert wird in der daran anschließenden „Retro“, in der das Team sich nochmal über Erfolge, Misserfolge und Unstimmigkeiten in den vergangenen Sprints austauscht. Ein wichtiger Termin, denn „ein Team, das sich auf professioneller Ebene gut versteht und regelmäßig die eigene Arbeitsweise kritisch reflektiert, liefert am Ende gute Ergebnisse“, sagt Alicia Hillmer, Scrum-Master im Team 'Brand Pack'. Ihre Aufgabe besteht darin, die perfekten Bedingungen für die Gruppe zu schaffen. „Ich räume Steine aus dem Weg“, erklärt die sich als „Servant Leader“ verstehende Hillmer. „Das können unklare Prozesse sein, ein Kopierer, der am falschen Ende des Büros steht, oder Konflikte innerhalb der Gruppe, wo ich Mediationen durchführen kann“, erklärt sie. Außerdem verfeinere sie die Scrum-Methode und helfe dem Team dabei, einen produktiven Arbeitsrhythmus zu finden.

„Ein charmanter Nebeneffekt”

Gerade diese Schutzfunktion gestaltet sich als wichtig, schließlich ist die Umstellung auf ein interdisziplinäres Kommunikationsteam eine herausfordernde Aufgabe für die Kollegen und Kolleginnen. „Egal wie flexibel oder affin für Entwicklungen man auch ist: So ein Wechsel bleibt mit viel Energieaufwand verbunden“, erklärt Marten. Zustimmung erhält er vom SEO-Manager Johannes Rappmann: „Ich war zunächst etwas skeptisch, weil ich in meinem vorherigen Team sehr zufrieden war." Außerdem gebe es Abteilungen, die auf den ersten Blick geeigneter für die Scrum-Methodik scheinen. „Da kann man schon mal Fragezeichen in den Raum stellen“, begründet der Marketing-Experte seine anfänglichen Zweifel. Diese ließen sich in den letzten Monaten jedoch weitestgehend aus dem Weg räumen: „Zwar sind die Sprints anstrengend, aber gleichzeitig stehen stets spannende neue Projekte an. Der Arbeitsalltag ist abwechslungsreich und das tut mir und meiner Motivation enorm gut.“ Und auch anderweitig macht sich ein Mehrwert der interdisziplinären Gruppe für Hillmer schnell bemerkbar: „Durch den regelmäßigen Austausch im crossfunktionalen Team optimieren wir nicht nur die Prozesse, sondern auch das Miteinander. Ein charmanter Nebeneffekt.”

Ziele, die nicht immer erreicht werden

Die Bündelung der Kommunikationsgewerke scheint bei Gehalt.de bislang gut zu funktionieren. Nichtdestotrotz werden sicherlich nicht immer alle Wochenziele erreicht. So kann es durchaus passieren, dass spontane Einflüsse von außerhalb kommen, die höher priorisiert werden müssen. Als Niederlage werde ein nicht vollendeter Sprint allerdings nicht gesehen – vielleicht als „Zwick am Ego“, bewertet Hillmer und erinnert an die Relevanz des Teamwohls: „Man kann nicht mehr leisten als möglich ist, und wir wollen auch alle gesund dabei bleiben.“ Wird in einem Sprint also nicht jedes Ziel erreicht, so ist dies kein Beinbruch: „Solange die Gründe klar zu erkennen sind und es nicht an schlechter Zusammenarbeit lag, ist das kein großes Problem“, meint Rappmann. Als Folge werden die nicht erledigten Aufgaben neu bewertet und im Fall von weiterhin hoher Priorisierung in das am Nachmittag stattfindende Sprint-Planning für die anstehende Woche integriert. Ein weiterer neuer Termin, zu dem sich das junge Team wöchentlich trifft und in dem es die interdisziplinäre Kommunikation vorantreibt.

Vorstellungen, wie die mittelfristige Entwicklung aussehen soll, bestehen bereits. So plant das Team Brand Pack, das schon jetzt sporadisch von IT- und HR-Kollegen unterstützt wird, die Silos noch stärker aufzubrechen und einen weiteren Produktentwickler an Bord zu holen. Rappmann erhofft sich mit Schritten wie diesen, dass mit den eigenen Kommunikationsprodukten „über den Tellerrand hinausgeschaut“ wird. Und Marten ergänzt: „Wenn wir verstanden haben, dass wir mehr können als nur Content, und wenn wir Kommunikation als ein Produkt denken, dann haben wir schon viel richtig gemacht.“ Fest steht in jedem Fall: „Die Perspektive ist noch viel spannender als die Gegenwart.“


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