Lars Rademacher und Uwe A. Kohrs (r.).

Kohrs: „PR-Branche wird in die Nähe unseriöser Machenschaften gerückt“

Der Deutsche Rat für Public Relations, Berlin, hat in einem offenen Brief an das NDR Fernsehen den Beitrag „Wahlkampf undercover“ kritisiert. Der Fernsehbeitrag beschreibt „Machenschaften“ von Wahlkampfberatern in London und ordnet diese pauschal dem Tätigkeitsfeld von PR-Agenturen zu. Außerdem, so der DRPR, werde in dem Beitrag der Eindruck vermittelt, dass die erwähnten Agenturen auch in den deutschen Wahlkampf eingreifen würden und hier präsent seien. Letztendlich wenden sich die Unterzeichner des Briefs, Ratsvorsitzender Lars Rademacher, und der Vorsitzende des Trägervereins, Uwe Kohrs, gegen pauschale Diffamierungen der gesamten PR-Branche. Der Beitrag erwecke den Eindruck, als seien in der PR Wahlkampfmanipulationen gängige Praxis. Das PR-Journal hat bei Rademacher und Kohrs nachgefragt, was die Beweggründe für den offenen Brief waren.

PR-Journal: Herr Rademacher, was hat sie mehr geärgert? Der Fernsehbeitrag an sich oder die Tatsache, dass bisher niemand aus der PR-Branche in irgendeiner Weise darauf reagiert hat?
Rademacher: Ich fand den Fernsehbeitrag an sich ärgerlich. Hier wird ein kleiner, sehr spezieller Tätigkeitsbereich genutzt, um die gesamte PR-Branche pauschal zu diskreditieren. Weil das letztlich so eine kleine Nische ist, hat sich wahrscheinlich auch kaum jemand angesprochen gefühlt.

PR-Journal: Was ist ihre Motivation bei diesem Vorgehen, Herr Kohrs? Was wollen Sie mit dem Brief erreichen?
Kohrs: Wir sollten derartige Verallgemeinerungen nicht einfach so stehen lassen. Letztlich beschädigen sie einmal mehr den Ruf der gesamten Branche und rücken unseren Beruf in die Nähe von unseriösen Machenschaften. Dabei blenden die Autoren bewusst oder unbewusst die heute bestehenden Regeln und Kodizes aus. Da wollen wir mit unserem Brief Transparenz schaffen.

PR-Journal: Wir konstatieren, dass es Ihnen offensichtlich ein sehr ernstes Anliegen ist, den Ruf der PR-Branche nicht noch weiter beschädigen zu lassen. Doch ist es nicht so, dass die Klischees, die der PR-Branche anhaften, viel zu tief sitzen? Wie häufig heißt es in den Medien, dies oder das sei ja nur PR-Getöse oder Tamtam. Da müssten Sie permanent offene Briefe an die Medien schreiben…
Kohrs: Angesichts der bestehenden Klischees und Altlasten müsste man das in der Tat häufiger tun. Ich glaube, wir haben uns einfach an diese Klischees gewöhnt und regen uns viel zu selten darüber auf.

PR-Journal: Die Vorurteile gegen die PR-Branche werden immer wieder hervorgeholt, das ist sicher so. Aber liegt es nicht auch an der Tatsache, dass immer noch zu viele schwarze Schafe unterwegs sind, die mit fragwürdigen Praktiken die Vorurteile in Bezug auf unsauberes Arbeiten oder gar Manipulationen bestätigen. Wo bleibt da der Aufschrei aus der Mitte der Branche?
Kohrs: Das ist doch das originäre Feld des Rates und wir haben mit den Richtlinien und Kodizes und dem Engagement der Trägerverbände in den vergangenen Jahren viel erreicht. Aber es bleibt natürlich noch viel zu tun, um die Geister der Vergangenheit loszuwerden. Dazu braucht es allerdings weniger regelmäßige Empörungsaufschreie aus der Branche, sondern breite Unterstützung und Akzeptanz für die bestehenden ethischen und professionellen Standards sowie deren Einhaltung.

PR-Journal: Wie kann es die PR-Branche schaffen, die ihr immer wieder angedichteten Schauermärchen hinter sich zu lassen? Was können PR- und Kommunikationsprofis aus Unternehmen, Verbänden, Agenturen und anderen Organisationen tun, um den negativen Ruf abzuschütteln?

Rademacher: Transparenz und klare Regeln sind die zentralen Faktoren, um eine andere Wahrnehmung für die Branche zu erreichen und den negativen Ruf abzuschütteln. Das funktioniert natürlich nicht von heute auf morgen, sondern ist eher ein Langstreckenlauf, aber wir tun gut daran, diesen Weg konsequent zu gehen. Und dem DRPR kommt hierbei eine ganz wichtige Rolle zu.

PR-Journal: Vielen Dank für Ihre Antworten!


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