Harald Hamprecht, Vice President Communications bei Opel Vauxhall, hat in seiner zehnjährigen Unternehmenszugehörigkeit viel erlebt. (Foto: Opel)

Opel hat schwierige Zeiten hinter sich. Das deutsche Automobilunternehmen aus Rüsselsheim schrieb Milliardenverluste, es wurde dann 2017 von der PSA Groupe übernommen, musste sich wie andere Unternehmen ab 2018 durch die Dieselkrise kämpfen und ging im Januar 2021 in den Besitz der Stellantis Gruppe über, einer Holding, die aus der Fusion der Automobilkonzerne Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und Groupe PSA (PSA) entstanden ist. Seit 2012 zählte das Unternehmen im Zuge der skizzierten Entwicklung zudem sechs verschiedene CEOs an seiner Spitze. Einer, der das alles miterlebt hat, ist Harald Hamprecht. Im Mai 2012 stieß er zur PR-Abteilung in Rüsselheim dazu, steuerte die Kommunikation bei Opel seither maßgeblich mit und übernahm als Vice President Communications bei Opel Vauxhall ab 2018 selbst die Verantwortung. Im „PR-Journal“ Podcast-Interview des Monats, das am 31. Oktober online geht, stellt er sich den Fragen von Chefredakteur Thomas Dillmann. Nachfolgend veröffentlichen wir erste Auszüge aus dem Gespräch.

PR-Journal: Herr Hamprecht, bevor Sie 2012 zu Opel kamen, waren Sie Journalist. Zunächst Redakteur bei der „Telebörse“, dem Anleger Magazin der Verlagsgruppe Handelsblatt, dann Reporter bei der „Automobilwoche“, dann Chefreporter bei „Auto Motor und Sport“. Als Sie zu Opel wechselten waren Sie Chefredakteur bei „Automotive News Europe“. Sie kannten also das Geschäft. Wie war auf dieser Basis der Einstieg bei der Traditionsmarke Opel? Mit welchen Erwartungen haben Sie dort begonnen?
Hamprecht: Es war klar, dass es erst einmal kein Schönwettersegeln wird. Einige Kollegen und Freunde haben gesagt: Bist du verrückt? Du wechselst auf die Titanic? Es waren schon stürmische Zeiten, in denen ich hierher gewechselt bin. Aber ich habe an die Menschen und die Marke geglaubt. Und wir haben dann ja auch nach vielen Jahren hoher Verluste in den vergangenen fünf Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die ihresgleichen in der Automobilindustrie sucht.

Stimmt die Chemie, kann man Vertrauen aufbauen

PR-Journal: Sie haben in Ihrer Zeit bei Opel sechs CEOs erlebt. Wie ist es Ihnen damit ergangen? Wie ist es Ihnen gelungen, sich auf die besonderen Anforderungen des jeweils neuen Chefs einzustellen?
Hamprecht: Ich hatte das Glück, dass ich einige CEOs bereits aus meiner Zeit als Journalist kannte. Das war bei Karl-Friedrich Stracke (2012), Karl-Thomas Neumann (2013 - 2017) und Michael Lohscheller (2017 – 2021) so. Lohscheller hatte auch im Jahr 2012 angefangen, zunächst als CFO, fünf Jahre später wurde er zum CEO befördert. Und auch mit Uwe Hochgeschurtz (2021 – 2022) und Florian Huettl, meinem aktuellen Chef, stimmt die Chemie. Das ist die richtige Basis, um Vertrauen aufzubauen. Das ist sehr wichtig. Klar ist auch, dass Sie natürlich schnell liefern müssen, wenn es darauf ankommt und wenn es spannende Themen gibt. Und das scheint bisher ganz gut geglückt zu sein.

Turnaround Plan ging auf

PR-Journal: Bewegte Zeiten waren das aber nicht nur im Hinblick auf die CEO-Wechsel. Das galt ja auch für das Unternehmen selbst. 2017 die Übernahme durch die PSA Group, 2018 die Dieselkrise, von der die gesamte internationale Automobilindustrie betroffen war, und 2021 dann die Aufnahme von Opel in den Stellantis-Konzern, der aus der Fusion von PSA und FCA hervorging. Das kam ja noch hinzu, samt der großen Verluste die Opel bis 2017 gemacht hat.
Hamprecht: Opel hatte 19 Jahre in Folge Verluste geschrieben, und zwar im Schnitt eine Milliarde Dollar im Jahr. Dann wurden wir von PSA übernommen, haben uns 100 Tage gegeben für einen Turnaround-Plan. Dem haben wir den Namen ‚PACE!‘ gegeben und am 101. Tag haben wir ihn angekündigt. Das hat sehr gut funktioniert. Die vergangenen fünf Jahre waren – und das sagen uns auch externe Beobachter – eine wahre Erfolgsgeschichte. Wir haben direkt ab dem Jahr 2018 wieder einen operativen Gewinn geschrieben.
Im Jahr 2019 hatten wir tatsächlich den höchsten operativen Gewinn in der Geschichte unseres Unternehmens in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Wir zahlen unseren Mitarbeitern wieder Erfolgsprämien, wir investieren in unsere Werke, wir gewinnen Preise und feiern Verkaufserfolge. Es hat sich zum Guten gedreht und diese Comeback-Story kann sich wirklich sehen lassen.

Beschwerliche Reise

PR-Journal: Was jetzt hier im Zeitraffer so einfach klingt, war aber bei genauerer Rückschau sicher in vielen Fragen sehr problembehaftet, vor allem, weil es ja auch um Personalabbau ging?
Hamprecht: Das kann ich so unterschreiben. Das war alles andere als ein ‚Walk in the Park‘. Vielmehr eine sehr beschwerliche Reise, die den Kolleginnen und Kollegen sehr viel abverlangt hat. Wir haben damit die Kosten, die Komplexität und vor allem auch die CO2 Werte dramatisch reduziert und hatten dann eine Basis, von der wir wieder neu aufbauen konnten.

Hamprecht Harald VP Communications Opel StellantisHarald Hamprecht (Foto: Opel): „Wir sind ein integraler Bestandteil der Stellantis-Familie und liefern dort auch unseren Beitrag zum Erfolg.“

PR-Journal: Im Januar 2021 folgte dann die Integration in den Stellantis-Konzern, den viertgrößten Automobilhersteller der Welt. Stellantis bedeutet so viel, wie mit Sternen besetzt. Ist Opel einer dieser Sterne oder noch ein sehr kleiner Stern, der noch an Ausstrahlung zulegen muss?
Hamprecht: Opel ist die einzige deutsche Marke im Stellantis-Konzern und zusammen mit der französischen Schwestermarke Peugeot in der sogenannten Upper-Mainstream Marken Gruppe. Wir haben damit einen festen Platz in dieser Stellantis-Familie und sind ein integraler Bestandteil und liefern dort auch unseren Beitrag zum Erfolg. Und der Erfolg von Stellantis kann sich wirklich sehen lassen. Zuletzt hat Stellantis im 1. Halbjahr dieses Jahres eine Marge von 14,1 Prozent abgeliefert. Und das in diesen Zeiten der Automobilindustrie. Damit sind wir einer der profitabelsten Automobilkonzerne der Welt.

PR-Journal: Sind damit also kritische Stimmen wie die des Automobil Experten Ferdinand Dudenhöffer aus Ihrer Sicht widerlegt? Der hatte im November 2021 gemutmaßt, dass Opel bei Stellantis nur noch eine Vertriebseinheit mit angeschlossener Design Abteilung sei.
Hamprecht: Opel – das ist die Opel Automobile GmbH mit einer deutschen Geschäftsführung hier in Rüsselsheim. Und die Opel Modelle werden hier in Deutschland entwickelt und designed. Wichtige Modelle wie der Astra und der Grandland werden in Deutschland gebaut, in den Werken in Rüsselsheim und in Eisenach. Und das, obwohl wir hier in Deutschland ein Hochlohnland sind und bekanntlich auch ein Hochpreisland in Sachen Energie. Gibt es irgendeinen deutschen Hersteller, der alle Autos in Deutschland baut? Nein! Das machen auch die Hersteller aus anderen Ländern nicht.

Die Zukunft ist elektrisch

PR-Journal: Kommen wir zur strategischen Ausrichtung Opels. Mit der Wahl von Florian Huettl zum neuen CEO im Juni dieses Jahres ist klar, dass er die Aufgabe hat, Opel als Marke unter dem Dach von Stellantis in das E Zeitalter zu führen. Das erklärte Ziel des Unternehmens ist es, bis 2030 komplett emissionsfrei fahren zu können.
Hamprecht: Wir werden sogar schon ab 2028 in Europa komplett batterie-elektrisch unterwegs sein, sprich nur batterie-elektrische PKW und Transporter verkaufen. Ab 2024 werden wir unser komplettes Portfolio elektrifiziert haben. Wir sehen, dass wir jetzt schon neue Kunden gewinnen, die davor nicht auf die Marke Opel geschaut haben: Unser Marktanteil im Bereich der Elektrofahrzeuge in ganz Europa ist schon höher als der gesamte Marktanteil. Wir sind überzeugt, dass das Thema Elektrifizierung alternativlos ist, dass es kein Risiko für unser Geschäft ist, sondern eine Versicherung.

Soweit die Auszüge aus dem Gespräch mit Harald Hamprecht an dieser Stelle. Das vollständige Podcast-Interview ist ab dem 31. Oktober online. Darin erfahren die Hörerinnen und Hörer noch, warum Harald Hamprecht eine besondere Vorliebe für das Opel-Kultmodell Manta GSE hat und warum das für die DPRG preiswürdig ist. Darüber hinaus spricht Hamprecht noch über sein Verhältnis zu Agenturen und begründet ausführlich, warum für ihn die Zukunft der Automobilindustrie elektrisch ist.


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