Interviews & Debatten PRCC-Gründer Philip Müller „Höhere Wechselbereitschaft, als ich erwartet hatte“
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- von Joris Duffner, Dortmund
Kommunikator:innen in Deutschland fühlen sich aktuell mehrheitlich sicher in ihrem Job, trotzdem ist rund die Hälfte wechselbereit – und bei Jobverlust würden sich die meisten auf eine längere Suche einstellen. Das sind die zentralen Ergebnisse des „PRCC Pulse Check“, den die Personalberatung im Januar durchgeführt hat. PRCC-Geschäftsführer Philip Müller ordnet die Erkenntnisse der Befragung ein.
PR-Journal: Sie haben den PRCC Pulse Check im Januar zum ersten Mal durchgeführt. Welche Ergebnisse haben Sie überrascht?
Philip Müller: Vieles deckt sich mit den Eindrücken, die wir als Personalberater:innen in rund 4.000 jährlichen Gesprächen mit Kommunikator:innen gewinnen. Die aggregierte Auswertung der Befragung fand ich trotzdem an manchen Stellen bemerkenswert: Wir erhalten zwar momentan außergewöhnlich viele Initiativbewerbungen und in Interviews stellen wir eine hohe Wechselbereitschaft fest – dass im Schnitt tatsächlich die Hälfte innerhalb eines Jahres wechseln will, ist dann doch mehr, als ich erwartet hatte; auch angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation.
Zwei Drittel halten ihren Job trotzdem für sicher, auch das finde ich interessant, weil in Einzelgesprächen ein anderer Eindruck entsteht, wenn Kandidat:innen ihre Sorgen und Befürchtungen mit uns teilen. Dass das Sicherheitsgefühl unter Agenturmitarbeiter:innen besonders ausgeprägt ist, hat mich überrascht – obwohl vielerorts zu lesen und zu hören ist, dass aufgrund von KI hier Stellen abgebaut werden.
PRJ: Die viel zu lesende Bedrohung von Junior-Stellen durch KI?
Müller: Genau, KI bedroht nicht zuletzt Jobs mit hohem Mustererkennungsanteil und Automatisierungspotenzial – etwa Research, Monitoring und basaler Textarbeit. Das sind Aufgaben, die in der Vergangenheit häufig von Juniorkräften übernommen wurden. Deshalb hätte ich nicht damit gerechnet, dass gerade Berufseinsteiger:nnen mit Abstand am zuversichtlichsten sind, wenn es um einen etwaigen Jobverlust geht.
PRJ: Was deckt sich noch mit den Eindrücken, die Sie in Gesprächen mit Kandidat:innen bekommen?
Müller: Unter den Menschen mit einer Berufserfahrung zwischen elf und 15 Jahren ist die Wechselbereitschaft besonders ausgeprägt. Kaum jemand schließt hier einen Wechsel aus. Das passt in das Bild, das wir aus unserem Personalberatungsalltag haben: Wer sich in dieser Phase seines Berufslebens befindet, kann sich oft gut vorstellen, den Arbeitgeber zu wechseln, um mal wieder etwas Neues zu sehen, einen Sprung bei der Position und beim Gehalt zu machen, um keinen zu starken Stallgeruch anzunehmen. Aus karrieretechnischer Sicht finde ich das absolut nachvollziehbar.
Dass die meisten Befragten sich bei einem Jobverlust auf eine längere Suche einstellen, finde ich auch nachvollziehbar und realistisch im aktuellen Arbeitsmarkt. Die Ausschläge, also dass manche von einer besonders kurzen oder langen Dauer ausgehen, sind vermutlich der individuellen Situation und Persönlichkeit der Befragten geschuldet.
PRJ: In Dax-Konzernen zeigt sich eine größere Unsicherheit als in Familienunternehmen. Woran machen Sie das fest?
Müller: Das kam für uns nicht überraschend. Das Sicherheitsgefühl ist in Familienunternehmen ausgeprägter als in Konzernen, insbesondere unter Top-Kommunikator:innen. Deren Job hängt oftmals an der Unternehmensführung – und die wechselt in Dax-Konzernen tendenziell häufiger als in familiengeführten Unternehmen.
PRJ: Gehen Sie davon aus, dass sich das Stimmungsbild dieses Jahr noch verändert?
Müller: Wie Kandidat:innen auf den Arbeitsmarkt blicken, hängt nicht zuletzt von der wirtschaftlichen Lage und von geopolitischen Entwicklungen ab. Hier gibt es weiterhin viele Unwägbarkeiten, weshalb ich nicht von einem statischen Stimmungsbild ausgehe. Wir werden den Pulse Check ab jetzt alle sechs Monate durchführen, die nächste Befragung findet dann im Spätsommer statt. Wir sind gespannt, ob Kommunikator:innen dann anders auf den Arbeitsmarkt blicken, ob sie dann mehr oder weniger wechselbereit sind, ob sie sich sicherer oder unsicherer fühlen, wie es dann um deren Zuversicht bestellt ist. Wir werden es herausfinden.
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