Murtaza Akbar

Es ist die Pflichtdisziplin für Kommunikatoren. Sie ist erst seit fünf, sechs Jahren in Deutschland angekommen – und auch aus der PR-Welt nicht mehr wegzudenken, denn nur damit lassen sich Kunden wirklich begeistern. Es gibt nichts Besseres. „Der Sprach-Optimist“ Murtaza Akbar (Foto) ist dieser Entwicklung in seiner neuen Kolumne für das „PR-Journal“ auf den Grund gegangen. Er weiß gar nicht, wie er vorher ohne leben konnte. Lesen Sie am besten selbst - und zwar die ganze „Geschichte“.

Von Murtaza Akbar, Neu-Isenburg

Ich traue mich fast nicht, es auszusprechen. Das ist so heiß. Ohne geht gar nichts mehr. Wirklich. Nichts, aber auch gar nichts. Ja. Jetzt sage ich es Ihnen, Sie wissen es und wir Kommunikatoren brauchen es mehr denn je, denn alle unsere Kunden wünschen es sich: Storytelling! Es muss jetzt fünf, maximal sechs Jahre her sein, dass die Welle, natürlich aus den USA, übergeschwappt ist zu uns nach Deutschland. Vorher gab es kein Storytelling. Nichts davon. Nirgends. Nie. Journalisten haben zuvor immer nur von Fakten, Fakten, Fakten geschrieben. Ja. Content Marketing gab es schließlich auch nicht.

Geschichten erzählen? Pah, wer macht denn sowas? Keiner. Na ja, vielleicht gab es da mal beim Spiegel einen „Journalisten“, der sogar viele Preise gewonnen hat. Er hat irgendwie Fiktion und Realität teilweise verwechselt und stattdessen Geschichten erzählt. Einige seiner Storys (oder schreibt man Stories?) spielten ja auch in den USA. Ich bitte Sie! Da kann man schon mal zum Storyteller werden, ist ja das Herkunftsland davon. Kein anderer Journalist hat zuvor jemals eine lebendige Reportage, ein Feature oder vielleicht eine Homestory geschrieben. Wie soll das auch gehen? Keiner kannte ja Storytelling!

Ich kann mich noch sehr gut erinnern. Es muss vor etwa zehn Jahren gewesen sein. Ich bin in ein Restaurant gegangen, nein, es war eher eine Kneipe, oder vielleicht etwas dazwischen? Ein Bistro? Das klingt jetzt echt nach 1990ern. Also, ein Ort, an dem sich Menschen treffen, was trinken, eine Kleinigkeit essen und miteinander sprechen. Ein Mann saß da mit seinem linken Arm in Gips und erzählte nüchtern, dass er einen Tag zuvor um 14.32 Uhr über die Straße gegangen ist und ihn dann ein Auto, ein schwarzer VW Passat, im 37 Grad-Winkel gestreift hat (fragen Sie mich nicht, wie das aussieht) und er auf die Straße gefallen ist. Seine weitere Schilderung war enorm faktenbasiert. Klar, wie soll es auch anders sein?

Was für eine Geschichte!

Und wissen Sie was? Vor gut einem Jahr habe ich exakt diesen Mann wieder getroffen, an gleichem Ort und gleicher Stelle – und er hatte, Sachen gibt’s, wieder einen Arm in Gips. Dieses Mal den rechten. Ich fragte ihn, wie das passiert sei? Er fing an: „Weißt Du, ich wollte über die Straße gehen. Dann habe ich nach rechts geschaut, statt nach links, weil ich einer attraktiven Frau hinterher gesehen habe. In dem Moment bin ich los gelaufen, gleichzeitig hat mein Handy geklingelt, weil ich …“ Ich hing an seinen Lippen. Es war grandios. Ich fieberte mit. Was für eine Geschichte! Er sagte, dass er Handwerker sei, dabei war ich mir sicher, dass er einen ganzen Lehrgang, mindestens aber zwei Seminare, in Storytelling gemacht haben muss. Wie sonst sollte er das so spannend erzählen? Er ist ja nicht mal Kommunikator wie unsereins.

Ich erzähle Ihnen diese Geschichte, weil ich so dankbar bin. Ich gebe inzwischen Seminare, Schulungen, Trainings im Storytelling – für alle Kommunikationskanäle samt Content-Strategie. Wir brauchen dafür natürlich Wort und Bild, am besten sogar Bewegtbild. Unsere Kunden sind begeistert und auch andere Kommunikatoren, denen ich das inklusive Roten Fadens beibringen darf. Storytelling ist einfach mega. Was haben wir bloß vorher gemacht? Uns angeödet, gelangweilt? Falls Sie wissen, wer dieses Storytelling in den USA erfunden hat, schreiben Sie es mir. Ich werde einen Dankesbrief verfassen.

Meine optimistische Empfehlung an Sie lautet: Sagen Sie Ihren Kunden (fast) immer: „Wir nutzen bei diesem Kommunikationsprojekt Storytelling!“ Glauben Sie mir: Geschichten verkaufen sich fabelhaft. Und wenn Sie noch sagen, dass es „authentisches Storytelling“ ist, ja, dann werden Sie sogar zum Bestseller!

Über den Autor: Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und (Kunden-)Kommunikation. Falls Sie Vorschläge zu Lieblingswörtern, Unwörtern, Floskeln, PR- und Social-Media-Sprech, Auffälligkeiten oder Besonderheiten der deutschen Sprache haben, schreiben Sie gerne Murtaza Akbar per E-Mail beziehungsweise via Twitter, Instagram und Facebook.


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