Wie viele Dreibuchstaben-Kürzel kennen Sie? ARD, ZDF, RTL? CDU, SPD, FDP? Klar, aber Sie kennen natürlich noch unzählige mehr. Die Fantastischen Vier haben ja mal einen ganzen Song daraus gemacht. Soweit geht unser Sprach-Optimist Murtaza Akbar (Foto) dann doch nicht. Dazu fallen ihm einfach zu viele Anekdoten zu dem einen oder anderen Dreibuchstaben-Kürzel ein. Zum Beispiel, warum Sie auf keinen Fall eine Reisegruppe fragen sollten, ob sie sich im Bus nicht mal zur Abwechslung umsetzen will. Da helfen auch keine Abkürzungen …

Von Murtaza Akbar, Neu-Isenburg

Ohne Abk. geht’s ja heute gar nicht mehr. Verzeihen Sie, ich meine natürlich, ohne Abkürzungen geht es heute nicht mehr. Also, ich bin mit den Drei-Buchstaben-Kürzeln praktisch aufgewachsen. Immer wenn ich auf unseren Reisekoffern früher FRA oder KHI gelesen habe, war ich voller Vorfreude. Die Flughäfen Frankfurt im hiesigen Deutschland und Karachi im fernen Pakistan waren so etwas wie meine zweite Heimat, wobei das gilt eher für den Frankfurter Airport. Ach, wo habe ich alles am Flughafen gearbeitet. Als Reiseleiter, beim Catering der Flugzeuge, Mietwagen habe ich am Flughafen durch die Gegend gefahren und, Achtung, sogar am Schalter in Uniform habe ich nach einer mehrwöchigen Ausbildung gearbeitet und Passagiere „abgefertigt“, unschönes Wort.

Bei der Ausbildung für den Job am Schalter mussten alle meine Ausbildungskolleginnen und die wenigen -kollegen, denn Frauen waren da klar in der Überzahl, mühsam die Flughafenkürzel aus aller Welt auswendig lernen. Ich habe sie dagegen schon im Kindesalter spielend erlebt. Wenn Sie wüssten, wie ich die klappernde, riesengroße Anzeigentafel im Frankfurter Flughafenterminal liebe. Oh, ich schweife ab, ich wollte Ihnen ja was zu Abkürzungen sagen. Der Flughafen ist ja quasi eine eigene Stadt, hat einfach alles. Sogar eine Krankenstation. Da muss ich an die E-Mail eines Lesers denken. „Wie geht’s uns denn heute?“ hätte ihn die Krankenschwester immer gefragt. Und die nächste Frage war stets: „Hatten wir heute schon Stuhl?“. Ähm. „Ich weiß, nicht, wie es bei Ihnen ist, ich hatte noch keinen“, war seine empathische Antwort. Wunderbar. Sofern sich das von einem Krankenhaus sagen lässt.

Da kann ich mir direkt auch an die eigene Nase fassen. Denn als Reiseleiter habe ich zu Beginn des dritten Tages in Irland meiner damaligen deutschen Reisegruppe nämlich eine unfassbar dumme, ja fast unentschuldbare Frage gestellt: „Wollen wir uns heute nicht mal umsetzen im Bus?“ Eine größere Empörung habe ich selten erlebt. Umsetzen im Bus und auch noch alle? Wo denke ich hin? Na ja, mit Mitte zwanzig ist man als Student, der in den Semesterferien als Reiseleiter jobbt, noch ungeheurer naiv. Wollte ich Ihnen nicht von Abkürzungen erzählen? Moment, ich hole mal meine WhatsApp-Chats. Warten Sie kurz ….

LOL. Da bin ich wieder. „Laughing Out Loud“. Schreibt das noch jemand? Gibt doch jetzt Emojis, die in allen möglichen Varianten lachen, lächeln oder sich wegschmeißen vor lauter Gelache. OMG „(Oh My God!“ oder auch „Oh Mein Gott“). Das geht doch deutlich schneller als mühsam drei Großbuchstaben zu schreiben? Komisch ist auch, dass wir wirklich viele Drei-Buchstaben-Kürzel kennen, aber gar nicht wissen, wofür sie stehen. ZDF? Klar, Zweites Deutsches Fernsehen. Aber wofür steht ARD? Weiß kein Mensch. Ich hab‘ für Sie gerne nachgeschaut. „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland.“ Da ist eine Abkürzung sinnvoll, nicht wahr. RTL? Radio Télévision Luxembourg. Dass ein luxemburgischer Sender mal jahrzehntelanger Marktführer in Deutschland wird. „Großartig!“. Das sagen übrigens nur Männer, schrieb mir eine geschätzte Leserin. Ich kenne in der Tat keine Frau, die das sagt. Aber warum?

Mist, jetzt fehlen mir viele Zeilen für die ganzen Abkürzungen, die ich Ihnen noch nennen wollte. Ich liste sie mal auf, vielleicht kennen Sie ja schon alle ausgeschriebenen Versionen: C&A, BSE, DFB, TÜV, BRD, DDR, GbR, PLZ, PVC oder FSK? Bei Letzterem muss ich immer an FKK denken. Das führt mich wiederum zu AKK. Sry, wie komme ich aus der Nummer wieder raus? Sorry natürlich, so viel Zeit muss sein. Da verabschiede ich mich jetzt lieber, bevor ich wieder abschweife. Ausnahmsweise mit einem Vier-Buchstaben-Kürzel, das mir auch jene großartige Leserin schrieb: WSUS! MfG

Über den Autor: Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und (Kunden-)Kommunikation. Falls Sie Vorschläge zu Lieblingswörtern, Unwörtern, Floskeln, PR- und Social-Media-Sprech, Auffälligkeiten oder Besonderheiten der deutschen Sprache haben, schreiben Sie gerne Murtaza Akbar per E-Mail beziehungsweise via Twitter, Instagram und Facebook.


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