Kommentare & Kolumnen Debatte um politische PR der AfD Kommunikation allein wird es nicht retten
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- von Katharina Pläschke, Berlin
Die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen haben die Debatte über den Umgang mit der AfD noch einmal verschärft. Auch in der PR-Branche wird gestritten: Müssen wir ihr Handwerk kopieren, um wieder durchzudringen? Oder beschädigen wir damit genau die Werte und die Reputation, die wir verteidigen wollen? Ich glaube, hier läuft eine Scheindebatte über PR-Methoden, während das eigentliche Fundament weiter vor sich hin bröckelt. So replizieren wir womöglich genau den Mechanismus, den wir eigentlich bekämpfen wollen: Statt an der Realität zu arbeiten, versanden wir in Debatten über sie.
Es geht um die Deutungshoheit alter Rezepte. Und während hier noch schriftlich über Methodik versus Moral gestritten wird, rennt uns im realen Leben die Zeit davon. Hier sind drei Gedanken, die sicherlich nicht die goldene Lösung sind, aber eine andere Einflugschneise wählen, um besser zu verstehen, wovon wir reden. Denn Kommunikation allein wird uns nicht retten.
Der Zulauf ist ein Symptom, kein PR-Erfolg
Die AfD ist nicht erfolgreich, weil ihre PR so genial ist, sondern weil das System Politik den Bezug zur Lebensrealität der Menschen verloren hat. Der Erfolg ist das Symptom einer harten Entkopplung zwischen den Entscheidungen einer entrückten Politik und dem, was bei den Menschen daheim am Küchentisch passiert und ihren Alltag wirklich beeinflusst. Hier ist ein Abgrund entstanden, der sich - und das ist die gute Nachricht - mit Leben füllen lässt. Es gibt viele Lokalpolitiker, die genau das tun. Sie sind da, sie hören zu, sie erzeugen Nähe. Und die trägt offenbar weiter als jegliches Framing der Mitte oder das hundertste Faktenblatt.
Das alte Trauma von oben verordneter Wahrheit
Als gebürtige Ostdeutsche, die seit über 20 Jahren in Berlin lebt, kenne ich das Muster hinter dieser Entfremdung gut. Seit 35 Jahren erleben viele Menschen eine Kommunikation, die ihnen aus der Ferne verordnet, wie die Welt und der Wandel zu funktionieren haben. Wer Ängsten und Realitäten mit glattgebügeltem Kampagnen-Sprech begegnet, erzeugt leider weder Nähe noch Konsens, sondern eher Trotz, Wut und Reaktanz. Ich vermute, gerade im Osten triggern viele Messages aus Berlin alte Ohnmachtserfahrungen. Wie damals, als der „Wessi“ dem „Ossi“ erklärt hat, wie es richtig geht. Das Ergebnis? Abwinken. Schulterzucken. Und das altbekannte Gefühl: Die da oben, wir hier unten.
Wo beide Perspektiven an ihre Grenzen stoßen
Ich finde die von Jannis Johannmeier im PR-Journal initiierte Debatte wichtig. Diese Art von Austausch, das Ausleuchten aller Ecken, gehört für mich zur Demokratie. Kein Grund, persönlich zu werden oder Expertise anzuzweifeln. Was mir auffällt? So wertvoll der Anstoß von Johannmeier und die Replik von Markus Mayr ist: Beide blicken vor allem auf die Form. Die eine Idee setzt auf die Wirkung populistischer Zuspitzung. Nur: Was machen wir dann mit den Flurschäden an der Vertrauenskultur? Der andere Ansatz setzt auf Werte und Ethik, übersieht aber, dass reine Anständigkeit ohne spürbare Emotionalität niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Was wäre, wenn wir nicht die Methoden der Ränder kopieren, sondern stattdessen Komplexität so übersetzen, dass sie wieder im Alltag der Menschen ankommt, an ihre Sprache anknüpft und verdaubar wird? Das könnte die Sehnsucht nach einfachen Antworten minimieren.
Eine hochkomplexe Welt lässt sich weder durch stumpfe Polarisierung noch durch behördliche Sonntagsreden retten. Wir brauchen keine schickere Marketing-Fassade und keine schlechten Kopien gegnerischer Populismus-Tricks. Was wir brauchen, ist echte Übersetzungsarbeit von Politikerinnen und Kommunikator*innen, die die Realität der Menschen wirklich verstehen wollen, bevor sie versuchen, sie zu verändern. Alles andere ist bloße Verwaltung.
Über die Autorin: Katharina Pläschke ist Kommunikationsexpertin und Gründerin der Change Beratung „The Good Listener“. Sie vermisst in der politischen Kommunikation das Gespür für die Lebensrealität der Menschen und hält das Zuhören für eine unterschätzte Superkraft.