Dr. Michael Kambeck, Partner und Deutschland-Geschäftsführer der internationalen Unternehmensberatung Boldt.

Unter der Überschrift „Wohin steuert Deutschland am 20. April?“ hat Michael Kambeck, Partner und Deutschland-Geschäftsführer der internationalen Unternehmensberatung für Strategie, politische Kommunikation und Transformation, Boldt, eine politische Kurzanalyse zur Entwicklung rund um COVID-19 mit Handlungsempfehlungen für Unternehmen vorgelegt. Sein Fokus liegt bei der Analyse nicht bei den veröffentlichten kumulierten Infektionsmeldungen, sondern bei denen, die tatsächlich andere anstecken können oder medizinischer Behandlung bedürfen, also gemeldete Infizierte ohne Genesene und Verstorbene. Am Ende kommt er zu dem Schluss, dass eine breitere Lockerung der Maßnahmen nicht vor Juni oder Juli zu erwarten ist. Für die Zeit danach fügt er konkrete Handlungs- und Kommunikationsempfehlungen hinzu.

In seiner Analyse nimmt sich Kambeck zunächst die aktuellen Zahlen vor. So geht er davon aus, dass man im Zusammenhang mit Covid19 bis zum 20. April mit knapp 200.000 gemeldeten Infektionen rechnen müsse, sowie mit knapp 4.000 Todesfällen. Wichtiger als diese über das ganze Jahr kumulierten Zahlen sei aber die Anzahl der jeweils aktuellen Fälle, also gemeldete Infizierte minus Genesene und Verstorbene. Diese Zahl werde derzeit leider in der öffentlichen Diskussion stark vernachlässigt. Sie sei aber ausschlaggebend für die weitere Ansteckung, denn bereits Genesene oder Verstorbene können das Virus nicht mehr weitergeben. Sie sei zudem ausschlaggebend für die Belastung der Krankenhäuser, denn Genesene oder Verstorbene belasten das Gesundheitssystem nicht mehr. Die Zahl der „aktuell Infizierten“ liegt aktuell bei knapp über 50.000.

Noch Anfang März, so Kambeck, sei diese Zahl noch konstant um mehr als ein Viertel pro Tag angestiegen. Damals habe sich diese Zahl etwa alle drei Tage verdoppelt. Doch diese Wachstumsrate nehme seither relativ konstant ab, auf aktuell knapp über zehn Prozent. Kambeck: „Während sich die absoluten kumulierten Meldezahlen bis zum 20. April auf knapp 200.000 Fälle fast verdreifachen dürften, wird sich die Anzahl der um Genesene und Verstorbene bereinigten aktuell Infizierten in dieser Zeit nicht einmal verdoppeln. Das liegt ganz einfach daran, dass die Genesungskurve genauso exponentiell verläuft, wie die Infizierungsrate – nur eben mit Verzögerung. Auch das ist eine wichtige gute Nachricht für die Gesundheit in Deutschland und das erwartbare Druckpotenzial auf politische Entscheider in Sachen Lock-Down.“

Vor diesem Hintergrund sei ein Durchbruch realistisch erst im Juni oder Juli zu erwarten. Da insbesondere die Verfolgung einzelner Infektionsketten in Deutschland dank vergleichsweise hoher Testkapazitäten bereits heute stark betrieben werde, habe man in Deutschland durchaus Vorteile im Kampf gegen COVID-19. Kambeck kommt daher zu dem Schluss: „Wenn, wie erwartet, die Fallzahlen der aktuell Infizierten und der Intensivpatienten bis zum 20. April nicht unbeherrschbar groß werden, dürfte es zu einer gezielten, teils mit Auflagen versehenen Lockerung für die Wirtschaftsbereiche kommen, die einen relativ kontaktfreien Betrieb bis dahin sicherstellen können.“

Unternehmen in Deutschland gibt er daher die folgenden Ratschläge:

  • Stellen Sie sich darauf ein, dass es in Deutschland noch bis einschließlich Juli Beschränkungen für das öffentliche Leben und bestimmte wirtschaftliche Betätigungen geben wird. Dabei können auch bestimmte Bereiche stärker eingeschränkt werden als bisher. Zum Beispiel kann das Einkaufen, der Flugbetrieb und der ÖPNV nur noch mit Masken freigegeben werden, sobald diese in ausreichender Anzahl verfügbar sein werden.
  • Stellen Sie Ihre Betriebsabläufe so um, dass sich möglichst alles kontaktfrei umsetzen lässt.
  • Wo sich Kontakte nicht vermeiden lassen, arbeiten Sie an der Versorgung mit einfachen Schutzmasken (nicht den Kliniken die FFP3 Masken streitig machen; Masken dienen dem Fremdschutz, nicht dem Eigenschutz) und gezielten Desinfektionsmaßnahmen, um den Nachweis drastisch reduzierter Ansteckungsgefahr zu erbringen.
  • Lassen Sie, wenn möglich, Ihre Umstellungen begutachten, damit Sie in der Öffentlichkeit und bei der Interessenvertretung gegenüber politischen Entscheidern als positives Beispiel glaubhafter werden. Dies gilt besonders für die größeren Unternehmen der jeweiligen Branche und für Branchenverbände.
  • Erstellen Sie einen Advocacy-Plan oder lassen Sie sich extern beraten, damit Ihre Interessen im zu erwartenden Wettlauf um die ersten Lockerungen nicht untergehen.
  • Erstellen Sie einen Corporate Communication Plan oder lassen Sie sich extern beraten, damit Ihre Kommunikation während der Krise die sensible Öffentlichkeit und die zu erwartenden Probleme im Betrieb bewältigt sowie Chancen der positiven Kommunikation nach innen und außen nutzt.

Die Analyse von Michael Kambeck ist hier bei LinkedIn in voller Länge zu finden.


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