PR Journal Podcast Signet 2020Der Medienwissenschaftler Lutz Frühbrodt hat sich jüngst ausführlich mit dem Podcast-Phänomen beschäftigt. Speziell unter die Lupe genommen hat er die DAX-Konzerne. Eine Analyse der 30 im DAX notierten Unternehmen zeigt, dass die Hälfte Corporate Podcasts betreibt und vorrangig auf ernste Themen wie Innovation und Nachhaltigkeit setzt. In seinem Blog „Die Zweite Aufklärung – Medien – Kritik Ethik“ schreibt er, dass die Konzerne das sachliche Gespräch bevorzugen, um ihre Stakeholder zu erreichen. Es werde aber auch deutlich, so heißt es weiter, dass sie das Stadium des Experimentierens noch nicht völlig hinter sich gelassen Hätten.

In seinem ausführlichen Beitrag stellt Frühbrodt unter anderem fest, dass die Deutsche Telekom mit elf Podcasts federführend ist. Die zweitmeisten Podcasts produziert Siemens (9), gefolgt von Volkswagen (8), wobei bei VW vor allem die einzelnen Konzernmarken aktiv sind, zuvorderst Porsche mit allein drei Podcasts. Während auch die anderen DAX-notierten Autohersteller BMW und Daimler recht umtriebig sind, haben die großen Konsumgüter-Konzerne Beiersdorf und Henkel überraschenderweise keine Podcasts in ihrem Kommunikations-Portfolio.

Frühbrodts Fazit: „Jeder zweite DAX-Konzern nutzt Corporate Podcasts als Kommunikationsinstrument. Man könnte aber auch sagen: Das Glas ist nur halbvoll. Dass noch experimentiert wird, zeigt sich daran, dass viele der aktiven Unternehmen rund ein Viertel ihrer Podcasts nach ein paar Folgen wieder eingestellt haben. Nicht immer, weil es sich um in sich geschlossene Staffeln handelte, sondern offensichtlich auch aus anderen Gründen, möglicherweise weil nicht die erwartete Reichweite erzielt wurde.“

Der derzeitige Podcast-Boom müsse zwangsläufig zu einem Überangebot führen, bei dem es Unternehmen besonders schwer haben, sich beim Publikum Gehör zu verschaffen, meint der Autor. Frühbrodt weiter: „Dabei haben sie mit dem alten Glaubwürdigkeitsproblem zu kämpfen. Die Corporate Podcasts weisen aber vor allem immer dann einen hohen Informationswert auf, wenn zumindest weitgehend sachlich-neutral über gesellschaftsrelevante Themen debattiert wird. Unternehmen, die sich weniger als ‚Corporate Citizen‘ verstehen und allein Interesse am Verkauf ihrer Produkte haben, werden in Corporate Podcasts verständlicherweise keinen großen Mehrwert erkennen.“

Der Beitrag von Frühbrodt ist hier auf seinem Blog in ganzer Länge zu finden. Lutz Frühbrodt ist seit 2008 Professor für "Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation" an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Zahlreiche Veröffentlichungen zu kommunikations- und wirtschaftspolitischen Themen.

Nachtrag in eigener Sache

Gestattet sei an dieser Stelle noch ein Nachtrag in eigener Sache, da auch wir als Fachmedium einen monatlichen Podcast unterhalten. Im Blog „predit“ der Kölner Agentur Drunk Octopus Communications GmbH hat der „PR-Journal“-Podcast freundliche Erwähnung gefunden. Er wird dort neben fünf anderen Branchen-Podcasts als „schöner, monatlicher Blick in die Welt der PR“ vorgestellt.


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