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Das sagen die Experten: „Wir brauchen Männer und Frauen!“ Wer die PR-Branche unter die Lupe nehmen will, erkennt das Wesentliche schon mit bloßem Auge: Hier sind vorwiegend Frauen an Bord. In Deutschlands PR-Branche segeln vielfach gutgekleidete, gebildete Matrosinnen Seite an Seite. Das Ruder aber halten die zahlenmäßig unterlegenen männlichen Kollegen.
Deutschland, die Branche und die Welt sprechen von Gleichstellung der Geschlechter, von Gerechtigkeit. Aber wo lässt sich die in der PR finden? Tatsächlich gibt es sie, die Ruderinnen, diejenigen Frauen, die den PR-Kurs in ihrem Unternehmen angeben. Der Anteil der Frauen in PR-Führungspositionen liegt mit 44 Prozent dabei deutlich über dem Durchschnitt der von Frauen in Deutschland besetzten Führungspositionen anderer Branchen.

Aber sind die vermeintlich erfolgreichen Frauen nur „Alibifrauen“ oder werden sie aufgrund ihrer weiblichen Eigenschaften wertgeschätzt? Müssen sie sich so verhalten wie ihre männlichen Kollegen, um aufzusteigen, oder wird das branchenintern abgelehnt, weil so nur wieder männliche Skills zu Tage gefördert werden? Die Bachelorarbeiten der Studierenden Patricia Schiel und Dustin Pawlitzek untersuchen diese Fragestellungen mittels zwei verschiedener Methoden. Zunächst liefert eine Online-Befragung unter PR-Tätigen in verschiedenen Branchen und Positionen einen quantitativen Überblick über die brancheninterne Stellung und das Empfinden von Frauen und Männern bezüglich der Thematik. Darüber hinaus ergänzen qualitative Interviews mit PR-Führungskräften aus Agenturen und Unternehmen die Befragung um abstrahierte Sichtweisen.

Auf Initiative von PRJ-Chefredakteur Gerhard A. Pfeffer haben GPRA, PR-Journal, PRCC und Westfälische Hochschule Gelsenkirchen eine empirische Studie zur Feminisierung der PR in Deutschland gefördert. Die Studierenden Schiel und Pawlitzek haben in ihren Bachelor-Arbeiten das Thema auf- und abgearbeitet: "Er Kapitän, sie Crew?" Grundlage waren 654 ausgewertete Fragebogen einer Onlinebefragung (919 Teilnehmer, bereinigt: 654 Auswertungen / 499 Frauen, 155 Männer) sowie nachfolgende Intensivinterviews.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
Frauen…
♦ sind jünger als Männer.
♦ haben zu 50 % weniger als 6 Jahre Berufserfahrung.
♦ verdienen weniger.
♦ haben häufiger studiert. Gehaltsunterschiede gleichen sich mit steigendem Alter an.
♦ erleiden mit der Familiengründung oft Gehaltsdiskriminierungen.
♦ besetzen meist mittlere Positionen, während Männer in Führungspositionen arbeiten.
♦ sind zu 78,8 % kinderlos.
♦ werden von männlichen Strukturen benachteiligt.
♦ erhalten weniger Anerkennung für ihre Leistung.
♦ werden für ihren menschlichen, integrativen und motivierenden Führungsstil vor allem von Führungskräften wertgeschätzt.
♦ sind verstärkt dazu bereit, die Anerkennung ihrer Leistung einzufordern.
♦ müssen mehr leisten, was der hohe Anteil promovierter PR-Frauen beweist.
♦ verfügen meist über ein PR-spezifische Ausbildungen.
♦ sollten verstärkt Kurse aus dem Wirtschaftsbereich belegen, denn als besonders karriereförderlich erweisen sich Kombinationen aus PR-spezifischer und Management- bzw. wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung.
♦ streben oftmals eine Top-Managementposition an, vor allem, wenn sie Mütter sind.
♦ halten im Gegensatz zu den männlichen Befragten ihre eigenen Skills für den Aufstieg in die Führungsetage für weniger hilfreich als männliche Eigenschaften. Entscheidend ist, dass beide Geschlechter in Führungsetagen und mit Entscheidungsgewalt sich aber vermehrt für die weiblichen Verhaltensweisen aussprechen.

Die Zusammenfassung der Studie (der Bachelorarbeiten) kann hier als PDF heruntergeladen werden.


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