Kodices-Bekanntheit StudieAdPublica2014Kennen PR-Fachleute die Verhaltensregeln ihres Berufsstandes und halten sie sich daran? Zwingt der wirtschaftliche Druck gerade Agenturen dazu, ethisch-moralische Richtlinien zu missachten? Weichen die oft unausgesprochenen Regeln in der Zusammenarbeit zwischen Journalisten und PR-Leuten dem neuen „Wilden Westen“ der Social Media? Und wie verhalten sich PR-Profis wenn es um Blogger Relations geht? Diese und andere Fragen stellte die Hamburger PR-Agentur ad publica knapp 1.000 Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit in Agenturen und Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen im Rahmen einer Umfrage zum Ehrenkodex „Code de Lisbonne“. Die Agentur führte die Untersuchung nach 2001, 2005 und 2010 in diesem Jahr zum vierten Mal durch. Doch leider erreichte sie nur eine Rücklaufquote von 8,3 Prozent.
Grafik: Der „Code de Lisbonne“ ist mit Abstand am bekanntesten. Den deutschen Kommunikationskodex kennen die wenigsten. Quelle: ad publica, Hamburg

Zu den zentralen Erkenntnissen aus den Antworten der befragten PR-Profis zählen unter anderem die deutliche Bekanntheit des in die Jahre gekommenen Code de Lisbonne gegenüber zum Beispiel dem aktuelleren neuen Deutschen Kommunikationskodex sowie die von jedem Fünften unterstellte Käuflichkeit von Bloggern.

Code de Lisbonne bekanntester PR-Kodex
Mit 62 Prozent Bekanntheitsgrad unter den Befragten ist der Code de Lisbonne im Bewusstsein deutscher PR-Profis am präsentesten. Den neuen Deutschen Kommunikationskodex dagegen kennen lediglich 16 Prozent. Das überrascht, denn der Code de Lisbonne aus dem Jahre 1978 gilt zwar nach wie vor, aber für Deutschland haben alle wichtigen PR-Verbände im November 2012 den Deutschen Kommunikationskodex verabschiedet. Dieser soll die bisherigen Kodizes der Branche präzisieren, ergänzen und modernisieren. In der Branche scheint der neue Deutsche Kommunikationskodex jedoch trotz seiner Aktualität noch auf seine Durchsetzung zu warten. Übrigens: Die Kodizes sind zwar namentlich bekannt, inhaltlich aber lediglich der Hälfte der Befragten. Einzige Ausnahme bilden hier die Sieben Selbstverpflichtungen, die mit 93 Prozent überdurchschnittlich viele kennen.

Auch ein Vergleich über die Jahre zeigt, dass die Bekanntheit des Code de Lisbonne grundsätzlich gestiegen ist, von 35 Prozent im Jahr 2001 bis zu 62 Prozent im Jahr 2014. 2010 kannten sogar 79 Prozent der Befragten den Code de Lisbonne.

Ehrenkodizes häufiger unterlaufen – Angebote für garantierte Erfolge nehmen zu
Obwohl Artikel 10 des Code de Lisbonne festlegt, dass vertraglich garantierte Erfolge verboten sind, geben 37 Prozent der Befragten an, dass ihrer Firma schon einmal ein PR-Angebot gemacht wurde, das vertraglich garantierte Erfolge beinhaltete. Nach 23 Prozent in 2001, 36 Prozent in 2005 und 26 Prozent in 2010 nimmt die Anzahl der Angebote mit garantierten Erfolgen also wieder zu, obwohl die Mehrheit der Branche diese ablehnt: 76 Prozent der Befragten finden es sinnvoll, dass vertraglich garantierte Erfolge nicht erlaubt sind. Waren es 2001 noch 73 Prozent, fanden es 2005 nur 55 Prozent und 2010 sogar nur 53 Prozent sinnvoll. In 2014 ist mit 76 Prozent wieder ein klarer Anstieg erkennbar.

Jeder Achte „kauft“ Blogger
Die Teilnehmer der Studie wurden auch gefragt, ob sie innerhalb einer PR-Aktion schon einmal Blogger „incentiviert“ haben, damit sie einen Artikel verfassen, ohne dies als Kooperation kenntlich zu machen. 79 Prozent der Befragten antworteten mit Nein, 16 Prozent geben an, dass sie bereits die Arbeit von Bloggern honoriert haben. 76 Prozent halten die „Incentivierung“ von Bloggern für einen klaren Verstoß gegen den Kodex, nur 19 Prozent sehen hier keinen Verstoß.


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