Je älter die Befragten sind, desto größer ist der Wunsch, ausschließlich im Büro arbeiten zu können. (Quelle: Netigate 2021)

Das Thema ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie aktueller denn je. Durch die neuen Beschlüsse der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder am 19. Januar 2021 hat es noch einmal zusätzlich Aufschwung bekommen: der Umgang mit mobilem Arbeiten. 71 Prozent der Deutschen geben an, gerne im Homeoffice zu arbeiten. Netigate, ein europäischer Anbieter für Feedback-Management, hat 1.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland zu ihrer Arbeitssituation – in Zeiten der Corona-Krise – befragt. Ziel der Umfrage war es, aus den Ergebnissen Empfehlungen für Unternehmen, im Umgang mit mobilem Arbeiten, abzuleiten.

Zu den neuen, am 19. Januar von Bund und Ländern beschlossenen, Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung gehört auch, das Arbeiten im Home-Office zu ermöglichen. Während Arbeitgeber den Beschluss kritisch diskutieren, wird die Arbeit von zu Hause aus laut der aktuellen Netigate-Umfrage von Arbeitnehmern sehr geschätzt. Insgesamt waren während des Lockdowns 48 Prozent zumindest teilweise von zu Hause aus tätig – 19 Prozent davon sogar ausschließlich. 71 Prozent dieser Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer geben an, gerne im Home-Office zu arbeiten. Unter Beschäftigten, die zu Hause über einen fest eingerichteten Arbeitsplatz verfügen, ist der Anteil sogar noch höher.

Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmt

Die Studienergebnisse zeigen, dass das Arbeiten von zu Hause aus sehr unterschiedliche Effekte haben kann. Jeder Vierte gibt an, im Home-Office mehr Stunden zu arbeiten als im klassischen Büro; ebenso viele Beschäftigte berichten das Gegenteil. Besonders unter Führungskräften führt die unklare Grenze zwischen Arbeits- und Lebensraum häufig zu Überstunden.

Trotzdem scheint durch die eingesparte Pendelzeit das Stresslevel im Homeoffice niedriger zu sein. Im Vergleich zu Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die ausschließlich vom üblichen Arbeitsplatz aus tätig sind, verspüren Beschäftigte im Homeoffice nach der Arbeit eher noch Energie, sich anderen Aktivitäten zu widmen.

Die individuelle Präferenz hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. So gaben Personen mit langen Fahrtwegen zur Arbeitsstelle eher an, auch nach Ende der Pandemie im Homeoffice arbeiten zu wollen als Personen, die weniger als 30 Minuten pendeln. Ebenso äußerten Beschäftigte, deren Partnerin oder Partner auch von zu Hause arbeitet, verstärkt den Wunsch nach Homeoffice. Überraschenderweise zeigt sich kein Unterschied zwischen Arbeitnehmern mit Kindern und ohne Kinder hinsichtlich der Wünsche zur künftigen Homeoffice-Option. Das Alter der Beschäftigten hat jedoch einen deutlichen Einfluss: Unter älteren Arbeitnehmern herrscht der Wunsch vor, künftig wieder ausschließlich vom Büro aus tätig zu sein.

Flexibles Arbeiten ist Geld wert

Für die Zukunft wünschen sich 60 Prozent der Beschäftigten, zumindest teilweise im Homeoffice zu arbeiten; 16 Prozent würden gerne komplett darauf umsteigen. Jeder Dritte wäre sogar bereit, für eine verstärkte Möglichkeit zum Homeoffice auf einen Teil des Gehalts zu verzichten.

Für viele Arbeitnehmer wird sich der Wunsch nach mobilem Arbeiten in Zukunft jedoch nicht erfüllen. Während Branchen wie IT, Finanz- und Versicherungswesen, Consulting sowie Medien und Kommunikation während der Pandemie vermehrt Optionen für flexibles Arbeiten bieten, besteht diese Möglichkeit erwartungsgemäß kaum im Gesundheits- und Sozialwesen oder in der Industrie.

Unternehmen, deren Tätigkeit mobiles Arbeiten nicht per se ausschließt, sollten diese Möglichkeit allerdings abwägen. Arbeitnehmer, denen das Homeoffice trotz geeigneter Aufgaben verwehrt wird, zeigen sich, laut der Netigate-Studie, nicht nur unzufriedener und skeptischer, was die Entwicklung ihres Arbeitgebers angeht, sondern sind auch weniger gewillt, diesen weiterzuempfehlen.

„Die Studienergebnisse zeigen, wie wichtig ein Homeoffice-Angebot ist, um langfristig als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Es geht darum, Akzeptanz auf Führungsebene und feste Strukturen zu schaffen sowie das soziale Arbeitsleben auf Distanz zu stärken“, sagt Studienleiterin Laura Rudolph, Head of Operations Professional Services DACH bei Netigate. „Nur Unternehmen, die sich diesen Herausforderungen stellen, werden auch künftig hoch engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter binden können“, fährt sie fort. So werden Unternehmen in Deutschland neue flexible Arbeitsformen entwickeln müssen, um den Arbeitsplatz der Zukunft zu gestalten.

Über diese Studie: Für die Panelstudie zum Arbeiten während der Corona-Pandemie beantworteten 1.000 zufällig ausgewählte Personen in Deutschland, zwischen dem 10. und 18. November 2020, einen Online-Fragebogen. Teilgenommen haben 53 Prozent Männer und 47 Prozent Frauen. Alle Befragten waren zum Erhebungszeitpunkt in Voll- oder Teilzeit angestellt und verteilen sich auf ein breites Spektrum an Branchen.


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