Über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in Münster zum 13. Kliniksprechertag zusammen, um über aktuelle Herausforderungen in ihrer Branche zu diskutieren.

Schwerpunkt Krisen-PR - „Die schöpferische Kraft der Krise: Kommunikation macht den Unterschied“, so lautete das Motto des 13. Kliniksprechertags, der am 5. März im Zwei-Löwen-Klub in Münster stattfand. Über 50 Kliniksprecherinnen und Kliniksprecher aus dem gesamten Bundesgebiet waren der Einladung der Agentur lege artis gefolgt, um gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen über aktuelle Herausforderungen der Branche zu diskutieren. Im Fokus stand in diesem Jahr der kommunikative Umgang mit Krisensituationen. Ein Thema, das nicht nur im Kontext des Corona-Virus für viele Kliniksprecher zurzeit von zentraler Bedeutung ist.

Gemeinsam sollten Antworten auf die Fragen gefunden werden, was die Unternehmenskommunikation in Zeiten des Fachkräftemangels und des stetig steigenden wirtschaftlichen Drucks für Krankenhäuser leisten muss, aber auch welche Chancen sich aus der angespannten Situation ergeben.

Offener Umgang mit den Medien

Den Eröffnungsvortrag hielt Dirk Tenzer, selbstständiger Unternehmensberater und ehemaliger Geschäftsfüher im Klinikum Oldenburg. Tenzer leitete die Aufarbeitung der schrecklichen Taten des Krankenpflegers Niels Högel, der in der Zeit von 1999 bis 2002 an diesem Klinikum zahlreiche Patienteninnen und Patienten ermordet hatte. In seinem Vortrag gab er den Teilnehmern Einblicke in die Aufarbeitungsmaßnahmen des Klinikum Oldenburgs. Er verdeutlichte, dass vor allem „der von Beginn an offene Umgang mit den Medien“ dazu beigetragen habe, dass das Krankenhaus wirtschaftlich unbeschadet aus der Situation herausgekommen sei – trotz der Berichterstattung über den Fall.

Feelgood Management in schwierigen Zeiten

Danach stand das Thema Employer Branding im Vordergrund. Anja Himmelsbach, Abteilungsleiterin Unternehmenskommunikation / Marketing im Helios Klinikum Berlin-Buch, erklärte, warum das Thema Mitarbeiterbindung in Zeiten des Fachkräftemangels für Krankenhäuser zunehmend an Bedeutung gewinnt. Von der Arbeit mit Corporate Influencern bis hin zur Implementierung eines Onboarding-Prozesses veranschaulichte Himmelsbach den Kliniksprecherinnen und -sprechern, was in ihrem Klinikum getan wird, um die Mitarbeiter für den eigenen Arbeitgeber zu begeistern. Dabei sorgten vor allem die sogenannten Feelgood Manager bei den Gästen in Münster für Gesprächsstoff. Bei ihnen handelt es sich um ehemalige Pflegekräfte, die im Klinikum Berlin-Buch gezielt in verschiedene Bereiche gehen und als Ansprechpartner für die unterschiedlichsten Probleme fungieren. Himmelsbachs Tipp für ihre Kollegen in Bezug auf Employer Branding: „Einfach loslegen, authentisch bleiben und auch mal etwas neues probieren!“

Anschließend brachte Professor Achim Baum, Seniorberater in der Agentur lege artis, den Kliniksprechern das Sozialkapital näher. Standen bislang Finanz-, Sach- und Humankapital als Bausteine des Unternehmensvermögens im Vordergrund, müsse auch das soziale Vermögen in Krankenhäusern verstärkt berücksichtigt werden, betonte Baum. Dies gelte vor allem in einer Zeit, in der Ärzte und Pflegekräfte unter zunehmendem physischen und psychischen Druck stehen. „Das Sozialkapital ist vor allem das, was wir in der Bindung und Zusammenarbeit der Menschen beobachten können. Warum gehen Menschen gerne zur Arbeit? Was sind unsere gemeinsam gelebten Werte und Normen? Werden die Aufgaben von den Mitarbeitern noch als sinnhaft wahrgenommen? Das sind die Fragen, mit denen wir uns beschäftigen müssen“, so Baum.

Die passenden Angebote schaffen

Die anschließende Podiumsdiskussion mit allen drei Referenten verdeutliche noch einmal, dass schlechte Zeiten immer auch gute Zeiten für Kommunikation sind. Trotzdem sei es enorm wichtig, auch in ruhigen Zeiten im stetigen Austausch mit den Mitarbeitern zu stehen und beispielsweise eine transparente Fehlerkultur zu entwickeln, betonte Dirk Tenzer. Alle drei Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass es die große Chance der Kommunikation sei, über Dinge offen zu sprechen. „Das muss man dann nicht unbedingt Feel Good Management nennen, denn nicht jeder Begriff passt in jedes Krankenhaus. Viel wichtiger ist es, sich zu fragen: Wo befinden wir uns und was brauchen wir? Dann gilt es die passenden Angebote zu schaffen“, erklärte Anja Himmelsbach.

Workshops am Nachmittag

Am Nachmittag wartete, wie im vergangenen Jahr auch, wieder ein Zirkeltraining mit drei verschiedenen Workshops auf die Teilnehmenden. Nino Ostheim, Communications Specialist bei der Rosen Group, setzte sich gemeinsam mit den Kliniksprechern mit der Litigation-PR auseinander. Anhand verschiedener Beispiele verdeutlichte er, wie eine strategisch geplante Kommunikation rund um Ermittlungs- und Gerichtsverfahren auch für Krankenhäuser sehr hilfreich sein kann. Im Workshop „Kommunikation im Team“ von Christina Künneth, die als freiberufliche Kommunikationstrainerin tätig ist, mussten die Teilnehmer besonders aktiv werden. Mithilfe von Rollenspielen veranschaulichte Künneth, welche unterschiedlichen Rollen wir in verschiedenen Interaktionen einnehmen und was das für die Kommunikation im Arbeitsalltag bedeutet. Corinna Bischof sprach die Kliniksprecher in ihrer Rolle als Krisenmanager an und zeigte am Beispiel Corona-Virus auf, welche Potenziale von Krisen ausgehen können, um auch selber Themen zu setzen und sich als Unternehmen zu positionieren.

Das „PR-Journal“ hat die Tagung als Medienpartner unterstützt.


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