Rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten Karrierewege in Agenturen.

„PR-Journal“ Roadshow mit der GPRA erstmals digital

Es ist schon ein bisschen aufregend, wenn ein eingespieltes Team etwas zum wiederholten Male tut und doch alles ganz anders ist. Die „PR-Journal“-Roadshow „GPRA im Dialog“ machte am 15. Dezember Halt auf dem virtuellen Campus der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen (WHS). Mit rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verzeichnete die Roadshow – nicht zuletzt aufgrund der tatkräftigen Unterstützung der DPRG-Studierendengruppe Gelsenkirchen – einen Rekord. Entsprechend lebhaft fiel die Diskussion zum Thema „Karrierewege in Agenturen? Ernsthaft!“ aus. Die Anforderungen an die „Beraterpersönlichkeit“ und die Frage, wie eine Fachkarriere in Agenturen aussehen kann, sorgte für reichlich Gesprächsstoff. Der Gastgeber, Professor Christopher Morasch, und die Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft der führenden PR- und Kommunikationsagenturen (GPRA) zeigten sich beeindruckt vom lebendigen Austausch mit dem Branchennachwuchs.

Der Einladung des Instituts für Journalismus und Public Relations (JPR) an der WHS folgten neben den rund 90 Studierenden Alexandra Groß, Stellvertretende Präsidentin der GPRA und Vorständin bei Fink & Fuchs, Hanning Kempe, Präsidiumsmitglied der GPRA und Deutschland-CEO von FleishmanHillard, Benita Daube, GPRA Young Professionals und Account Executive Digital Corporate Comms bei Edelman, und Miriam Bunke, Assistant Account Executive Healthcare Solutions bei BCW Germany. Kurzfristig hatten sich auch Miriam Seyd, Senior Video Producer bei Fink & Fuchs, und Francis Frietsch, Junior Consultant bei Ketchum, für die Diskussion zur Verfügung gestellt.  Die Moderation der Online-Veranstaltung teilten sich Professor Morasch und „PR-Journal“-Chefredakteur Thomas Dillmann.

Was genau hat der PR-Beruf zu bieten? Eine ganze Menge.

Alexandra Groß eröffnete die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag zu den mehrdimensionalen Anforderungen an den Beratungs-Job. Sie machte deutlich, dass der berufliche Reifeprozesses zur Beraterpersönlichkeit erst im Job beginnt: „Beratung in der Agentur bedeutet Arbeiten für verschiedene Unternehmen“, sagte sie. „Dabei hat sich das Selbstverständnis von Agenturen gewandelt – von der Werkbank hin zu einem Beratungsunternehmen.“ Leadership und Management-Skills seien verstärkt gefragt, wie sie auch am sogenannten Kompetenzkreis für Kommunikationsberater deutlich machte, der neben Fach- und Methoden-Kompetenzen auch die persönlichen und sozialen Kompetenzen beleuchtet, die Beraterinnen und Berater mitbringen beziehungsweise im Laufe der Zeit entwickeln sollen. Dass sich aus diesen Grundlagen ganz unterschiedliche Wege in und durch die Agenturen ergeben, zeigten die Einblicke der Young Professionals in ihr jeweiliges Aufgabenspektrum.

„Innerhalb der Agentur habe ich verschiedene Experten, bei denen ich jederzeit Know-how einholen kann“, sagt Agenturchef Kempe. „Nach außen hin bin ich als Agentur nicht nur Berater sondern auch Sparringspartner für Unternehmen. Es geht zu jedem Zeitpunkt um den inhaltlichen und persönlichen Fortschritt.“ Die Frage, wie viel in einer Agentur denn wirklich gearbeitet werden müsse und ob die Gerüchte um Nachtschichten und fehlende Freizeit stimmten, ordnete Kempe lächelnd ein: „Auch das ist Teil des persönlichen und professionellen Fortschritts. Man lernt zu hinterfragen. Man muss Aufgaben und auch Deadlines hinterfragen.“ Wenn dann wirklich eine Nachtschicht ansteht, so sind sich die Professionals einig, ist zuvor etwas schiefgelaufen.

Was den Branchennachwuchs bewegt

Für die Studierenden am JPR-Institut ist natürlich auch das Thema Journalismus ein großes. So wurden Fragen um die Attraktivität eines ausgebildeten Journalisten als Arbeitnehmer für Agenturen ebenso kontrovers diskutiert wie die grundsätzliche Bedeutung klassischer Medien für die PR-Arbeit und die Schnittstellen der Kommunikationsdisziplinen mit dem Marketing vor dem Hintergrund des Anspruches integrierter Kommunikation. Es wurde deutlich, dass Agenturen vielfältige Karrierewege bieten – von Managementposition bis Fachkarriere.

Auch das Thema Gehalt kam auf den virtuellen Tisch. Traditionell wird von Seiten der Studierenden vor allem die Vergütungshöhe diskutiert. Hauptargumentationspunkt war, dass jeder die Chance haben sollte, ein Praktikum dort zu machen, wo er es gerne machen möchte, und dies nicht an den Lebenshaltungskosten der jeweiligen Stadt des Arbeitgebers scheitern dürfte. Eine differenzierende inhaltliche Perspektive lieferten die Young Professionals rückblickend auf ihre eigenen Praktika und Traineeships. „Der wichtigste Faktor für mich war tatsächlich mein Gefühl“, erinnert sich Bunke. „Das Umfeld ist mir wichtig. Mit welchen Leuten arbeite ich zusammen? Und was wird mir ermöglicht? Das Geld spielte für meinen Berufseinstieg zunächst eine eher untergeordnete Rolle.“ Seyd stimmt zu: „Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Ich hatte die Möglichkeit, mich in vielen Bereichen weiterzuentwickeln und recht schnell große Verantwortung zu übernehmen. Das war ein persönliches Investment in meine Weiterentwicklung.“ Von der Definition der Vergütung als Form der Wertschätzung distanzierte sich die GPRA. „Auch für Berufseinsteiger gilt: Wertschätzung muss man sich erarbeiten und sein Können im ‚Live-Betrieb‘ unter Beweis stellen“, betonte Groß.

Die Gespräche haben Relevanz

„Ich persönlich bin mehr als zufrieden mit der Dynamik der Gespräche und der Lebendigkeit der Diskussion. Wir konnten kaum alle Fragen der Studierenden behandeln“, sagt Dillmann im Nachgang der Veranstaltung. „Wir haben verstärkt die Qualität der Ausbildung diskutiert, die ja mit Einführung des CMS III Standards der GPRA in den ihr angegliederten Agenturen noch einmal einen anderen Stellenwert bekommen soll. Aber natürlich wurden auch Diskussionen über Vergütungsfragen geführt und Tipps für Bewerbungen gegeben.“ Dass bis zuletzt ein Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabeigeblieben sind, sieht er als klaren Indikator dafür, dass das vielfältige Infopaket, mit dem die GPRA auf Reisen geht, für die Studierenden absolut relevant ist.

„Wir haben uns sehr gefreut, die GPRA und das ‚PR-Journal‘ an unserem Institut zu Gast zu haben – wenn auch digital“, sagt Julian Siebert, Kommunikationsmanagement-Student am Institut für JPR und Deutschlandstipendiat. „Für uns war es ein wertvoller Austausch und die Studierenden konnten sehr viel mitnehmen. Besonders die Diskussion um die Schnittstellen zwischen Journalismus, PR und Marketing sowie die vielfältigen Karrieremöglichkeiten in Agenturen waren spannender Input – vor allem für die Kommilitonen, die bald darüber entscheiden, welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollen. Wir würden uns darüber freuen, so eine Veranstaltung bald auch im Rahmen eines persönlichen Treffens zu wiederholen.“

„Die digitale Veranstaltung hat als Pilotprojekt unsere Erwartungen übertroffen“, resümiert Groß. „Ich hoffe dennoch, dass wir bald wieder auf den persönlichen Dialog umschalten können.“  Der nächste Stopp ist bereits in Planung. Noch ist offen, in welcher Form er stattfinden wird. Gespräche führt das Organisationsteam unter anderem mit der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft am Campus Köln.


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