Diskussion um Employee Experience: Julia Kaufmann, Daniel Elger de Castro Luís, Nina Burmester und "PR-Journal"-Chefredakteur Thomas Dillmann (v.l.n.r.).

Die Interne Kommunikation (IK) befindet sich vielerorts noch in der Findungsphase. Unbestritten ist die Relevanz kommunikativer Vernetzung innerhalb der Unternehmung, doch wer dabei den berühmten Hut aufhaben sollte, ist ein Thema, bei dem die verschiedenen Disziplinen nicht nur die Ellenbogen, sondern mittlerweile auch eine ganze Reihe Tools einsetzen, um ihren Platz am Tisch des C-Levels auch nach der Pandemie zu verteidigen. Einen Überblick über den Status Quo vermittelten am 14. und 15. September die INKOMETA Days in Berlin – zwei Fachtage, an denen sich alles um das Thema IK drehte. Und Awards wurden auch noch vergeben. - Einen ausführlichen Bericht dazu gibt es auch in einer Sonderausgabe des "PR-Journal"-Podcasts, der am 4. Oktober anstelle des Interview des Monats erscheint.

Es herrscht Einvernehmen über die Ziele der IK

Hört man sich unter den Teilnehmenden der INKOMETA Days um, so wird schnell klar: Die IK möchte konzeptionell tätig sein trotz des täglichen „Getrieben-Werdens“. Und sie möchte integraler Bestandteil der Corporate Communications sein. (Ein Wunsch, der rein definitorisch leicht zu erfüllen sein sollte, werden darunter doch alle Kommunikationsmaßnahmen sowie -instrumente eines Unternehmens verstanden.)

Andrea Montua, Inhaberin und Geschäftsführerin bei MontuaPartner Communications, geht einen Schritt weiter und fordert die IK auf, nicht nur den Austausch mit den Führungskräften zu suchen, sondern auch die Relevanz der eigenen Arbeit für die Unternehmensziele darzulegen. Nur so könne sie echten Einfluss gewinnen. Birgit Ziesche, Leiterin globale Interne Kommunikation bei Henkel, stimmt zu: „Wenn wir den Schulterschluss mit anderen Abteilungen suchen, müssen wir die Sprache des Managements lernen. Und in diesem Zusammenhang müssen wir auch ganz klar das Eigen-Marketing der IK-Abteilung mitdenken.“

Dass diese Diskussion jetzt und in diesem fordernden Ton geführt wird, ist kein Zufall: Die Pandemie-Jahre haben der Internen Kommunikation einen Bedeutungsschub gegeben. Die spontane räumliche Trennung hat die Führungskräfte vor die Frage gestellt, wie sie Mitarbeitende erreichen können. Um Lösungen zu erörtern, wurden diejenigen Abteilungen an den Tisch geholt, die sich das Thema auf die Fahnen schrieben. Sie haben berichtet, die Führungskräfte (mal mehr, mal weniger gut) zugehört. Doch bleibt es auch künftig bei diesem Kommunikationscoaching?

EX-Trendwende in der Internen Kommunikation

Der Blick der IK ging nicht nur nach oben zu den Führungskräften. Unter der Moderation von „PR-Journal“-Chefredakteur Thomas Dillmann beispielsweise wurden auch kritische Diskussionen darüber geführt, wie einzelne Unternehmen eigentlich noch wettbewerbsfähig bleiben können. „Erfolgsfaktor wird die Beteiligung sein“, sagt Julia Kaufmann, Head of Employee Experience bei ACP Digital Business Applications. „Der Faktor Mensch darf aus der Kalkulation nicht herausgestrichen werden“, ergänzt Daniel Elger de Castro Luís, Senior Berater bei Kaltwasser Kommunikation, und meint damit vor allem den Bereich der Produktion, der bei vielen theoretisch-geprägten Konzeptionen völlig außen vor bleibt. 

„Wir müssen hinkommen zu einer echten Kommunikation auf Augenhöhe“, sagt Nina Burmester, Senior Communications Channel Managerin bei OTTO. „Ohne Vorbereitung. Ohne Finetuning durch die IK.“ Mitarbeitergenerierter Content müsse auch wirklich von den Mitarbeitenden kommen, denn nur so könne man dem Anspruch genügen, sowohl schnelleren Input als auch schnelleren Output zu erhalten. Zudem solle die asynchrone Nutzung asynchroner Kommunikationswege (wieder) gefördert werden.

Die IK will lospreschen: Es werden Podcasts produziert, Meeting-Free-Days ausgerufen, Forschungszeiten geblockt, firmeninterne Quiz-Runden erdacht und Mitarbeitermagazine nicht nur in Print und als PDF-Version zur Verfügung gestellt, sondern auch noch in eine intranet-unabhängige Plattform geladen und ver-gamificated. Schöne neue interne Welt.

Die Gewinner des INKOMETA Awards 2022

KATEGORIE: KAMPAGNEN

  • Best of Class: Deutsche Post DHL Group
  • Change Kommunikation: MSD (eingereicht durch Agentur Ketchum)
  • Einführungskommunikation: Deutsche Post DHL Group
  • Employee Engagement: Mister Spex (eingereicht durch Agentur GO-Event! – Eventagentur & Livekommunikation)
  • Kleine Idee – große Wirkung: Universitätsklinikum Bonn
  • Mediamix: Novartis Pharma

KATEGORIE: MEDIEN

  • Best of Class: Zeitverlag
  • Best of Content: TotalEnergies (eingereicht durch Agentur muehlhausmoers corporate communications)
  • Best of Design: DATEV (eingereicht durch Agentur Profilwerkstatt)
  • Beste MAZ print: Bosch (eingereicht durch Agentur Axel Springer Corporate Solutions)
  • Beste MAZ digital / eMAZ: NRW.BANK (eingereicht durch Agentur Kammann Rossi)
  • Innovativstes Medium: DPDHL (eingereicht durch Agentur TERRITORY)
  • Bestes Mitarbeiterevent: ALDI SÜD
  • Beste Coverreihe: Max-Planck-Gesellschaft

KATEGORIE: STRATEGIE

  • Best of Class: Mercedes-Benz
  • Digitale Transformation: PwC Deutschland
  • Leadership Communication: EY Österreich
  • Medienmix: NEW (eingereicht durch Agentur HIRSCHTEC)

KATEGORIE: INTERNATIONALE INTERNE KOMMUNIKATION

  • ZEISS (eingereicht durch Agentur Wildstyle Network)

KATEGORIE: INTRANET & DIGITAL WORKPLACE

  • Best of Class: Randstad Deutschland
  • Mobile Intranet / Mobile App: ALDI SÜD
  • Social Intranet / Collaboration Intranet: BSH Hausgeräte (eingereicht durch Agentur ]init[)
  • Digitale Transformation: Kassenärztliche Vereinigung Hessen (eingereicht durch Agentur queo web)

KATEGORIE: IK-MANAGER DES JAHRES

  • Marc Raschke, Klinikum Dortmund

KATEGORIE: PUBLIKUMSPREIS

  • Medicproof

Konferenz hilft, zusammen zu wachsen

„Zusammen wachsen“ war das Thema der INKOMETA Days. Und es passt auch, dass sich die IK als Kommunikationsarchitektin begreift, als Framework, mit Hilfe dessen relevante Themen im Unternehmen identifiziert und geordnet werden. An dieser Aufgabe kann man im Branchenaustausch „zusammen wachsen“. Doch ob die IK als solche innerhalb des Unternehmens auch wächst, bleibt fraglich. 

Einerseits scheut sie sich vor einer greifbaren Selbstdefinition gegenüber Führungskräften und Mitarbeitenden, sondern möchte vielerorts Bauchladen und Coach sein. Andererseits sprechen auch die reinen Beschäftigtenzahlen dieser speziellen Disziplin nicht gerade für ihre Relevanz. So wird beispielsweise Paula Auksutat, noch Communications Managerin Employee Engagement bei Microsoft Deutschland, nach ihrer Darlegung der strategischen Relevanz der IK in ihrem Unternehmen durch die Vernetzung einzelner Abteilungen aus dem Publikum nach ihrer Teamgröße gefragt. Die Antwort: „Zwei bis drei Personen.“ Oh … Aha.


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