Keynote-Speaker Professor Bernhard Pörksen (links) im Gespräch mit Hajo Schumacher, dem Moderator des KKongress 2022. (Foto: PR-Journal)

Der Kommunikationskongress ist zurück! Das „Klassentreffen“ der PR- und Kommunikationsbranche, das in den beiden vergangenen Jahren nur in abgespeckter Form und als Hybrid-Veranstaltung stattfinden konnte, vermeldet volles Haus. Rund 1.400 Branchenvertreterinnen und -vertreter treffen sich in Berlin am 22. und 23. September in „Präsenz“ – und so lautet sicher nicht zufällig in diesem Jahr auch das Fokusthema. Die Begründung: Weil es in professioneller Kommunikation stets darum geht, präsent zu sein, Präsenz zu zeigen. Gerade in unruhigen Zeiten. Ansprechbar sein, sprechfähig sein, Dialog ermöglichen, Haltung einnehmen, Positionen vertreten. Wie gelingt es der Branche, kommunikative Präsenz auch in Zukunft erfolgreich zu gestalten? Erste Antworten auf diese Fragen gab zum Auftakt Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen.

Der Medienwissenschaftler freute sich sichtlich über das Thema. Für ihn, so stellte er direkt zu Anfang klar, „bedeutet Präsenz das Ende der pandemischen Erstarrung oder auch des Lebens als Zoom-Kachel.“ Pörksen sprach über die Nachrichtenmüdigkeit in Kriegs- und Krisenzeiten, über engagierte Zeitgenossenschaft und einen Rosengarten in Oakland, Kalifornien. Er arbeitete das Zusammenspiel von Vernetzungs- und Ereigniseffekten in seinem Vortrag heraus. Dabei schlug er den Bogen vom 11. September 2016 bis zu einem Buch von Jenny Odell („How to do nothing – Resisting the attention Economy“), in dem die Autorin nach der richtigen Haltung zwischen medialen Katastrophenszenarien und der Idylle eines Rosengartens sucht, in dem ihr die Idee zum Buch kam.

„Hijacking der Aufmerksamkeitsökonomie“

In seinem Rückblick verbindet er das Erstarken von Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf 2016 mit dem Zeitpunkt, an dem es begonnen habe, dass Katastrophenmeldungen die Menschen so runterziehen würden. Er beschrieb, wie der Beinahe-Zusammenbruch von Hillary Clinton am Gedenktag am Ground Zero im Jahr 2016 von einem Hobbyfotografen festgehalten und via Facebook zum weltweit geteilten Medienereignis wurde. Pörksen bezeichnete es als das „Hijacking der Aufmerksamkeitsökonomie“, das sich fortan immer weiter verstärkte.

Als Lösungsansatz verwies Pörksen auf ein Buch („The Myth of Closure: Ambiguous Loss in a Time of Pandemic and Change“) von der amerikanischen Therapeutin Pauline Boss. Darin empfiehlt sie, die eigene Seele besser zu pflegen, sich in eigene Geschichten oder persönliches Engagement zu vertiefen, vor Ort aktiv zu sein und auch selbst noch so kleine Verbesserungen zu feiern.

110 Programmpunkte auf dem 19. KKongress

Was hier nur in knappen Gedankenskizzen angerissen werden kann, war der gelungene Start in den Kommunikationskongress 2022. Der langanhaltende Applaus für den Medienwissenschaftler belegte, dass er mit seinen Anregungen und Gedanken den richtigen Ton getroffen hat. Im weiteren Verlauf der zwei Veranstaltungstage warten beim 19. KKongress satte 110 Programmpunkte mit hochkarätigen Speakern auf die Gäste. Die Veranstalter, Bundesverband deutscher Kommunikatoren (BdKom) und Quadriga, haben ein attraktives Programm zusammengestellt, das auch noch genügend Zeit zum Netzwerken lässt.

Wie sehr die Kommunikationsbranche nach diesem Kongress in „Präsenz“ gelechzt hat, zeigt die Stimmung in den Pausen. Die Freude über das große Hallo mit vielen persönlichen Gesprächen und Begegnungen ist überall deutlich wahrzunehmen.

BdKom-Ehrenpreis für Steffen Seibert

Einer der angesprochenen Höhepunkte im Rahmen des offiziellen Programms dürfte in diesem Jahr die Auszeichnung des langjährigen Sprechers von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert, sein. Der neue Botschafter Deutschlands in Israel stand in einem Videointerview mit Marco Vollmar, Mitglied der Geschäftsleitung des WWF und BdKom-Präsidiumsmitglied, Rede und Antwort und wurde mit dem BdKom-Ehrenpreis ausgezeichnet. Über die Vergabe der weiteren BdKom-Awards berichten wir in einem separaten Artikel.

Spannende Keynotes werden auch von Marina Weisband, Expertin für digitale Partizipation und Bildung, sowie von Volker Wissing (FDP), Bundesminister für Digitales und Verkehr erwartet.

In den Podiumsdiskussionen geht es unter anderem um PR-Strategien & Best Practices für kleine und mittlere sowie für große Organisationen, um Leadership & Organisationsmanagement für Kommunikatoren oder auch um Technologien & Innovationen für Public Relations.


Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel als Leserbrief direkt zusenden. Falls Sie wünschen, dass wir Ihren Leserbrief als Kommentar dem Artikel hinzufügen, vermerken Sie dies bitte in der Mail an uns.
leserbrief@pr-journal.de