Branche Kommunikationskongress 2025 Joschka Fischer: „Solange Sie leben, ist Hoffnung.“

Epochenwandel und wir mittendrin! Zukunftsforscher Tristan Horx nennt es die Krise des Übergangs und rät zu „wütendem Optimismus“: nicht weg- oder schönreden, sondern vorangehen. Genau in dieser Spannung verortet sich der Kommunikationskongress 2025. Es geht um unsere Zukünfte und die Aufgabe von Kommunikation, diese zu gestalten. Ein Bericht von Sebastian Riedel, Partner der Klenk und Hoursch AG.

Joschka Fischer (links) skizziert die Weltlage beim Kommunikationskongress. (Foto: Sebastian Riedel)

„Wir sind für die Zukunftserwartung zuständig – und diese prägt dann die tatsächliche Zukunft.“ Der Satz aus der Eröffnung von Regine Kreitz bringt es auf den Punkt. Klimakrise, Fragen der Sicherheit sowie Transformationsdruck drängen Unternehmen – und damit auch die Kommunikation – aus ihrer Komfortzone. Die Aufgabe von Kommunikation ist es, Komplexes so aufbereiten, dass Entscheiden und Handeln möglich werden, Erwartungsräume öffnen, Kohärenz schaffen. Heißt: Sie muss sich von ihrem Job als Senderin verabschieden und Zukunftsarchitektin werden. Und das, obwohl – oder gerade weil – die Pfade in die Zukunft so unsicher sind, wie seit langem nicht mehr.

Narrative gestalten, Demokratie verteidigen, Gespräche führen

Während wir letztes Jahr darüber sprachen, wie viel Haltung es denn bitte sein soll, diskutierten wir dieses Jahr darüber, wie wir mit unserer Haltung heute und der Kommunikation dazu das Morgen gestalten.

„Die Klimakrise ist die größte Kommunikationskrise aller Zeiten." Welche Lasten aus der Vergangenheit wir heute tragen, zeigte Aktivistin Luisa Neubauer auf und prägte den Begriff der „Petromaskulinität“ – er steht für tradierte Rollenbilder, für Motorisierung und fossile Sehnsüchte. Ein radelnder James Bond? Noch Zukunftsmusik. Doch die Botschaft ist klar: Narrative sind Macht. Wer sie nicht selbst gestaltet, läuft Gefahr, dass andere sie besetzen. 

Joschka Fischer skizziert die Weltlage – leise, aber bestimmt und mit großer Klarheit: weniger Regeln, mehr Machtpolitik. Seine Botschaft: Es braucht Haltung, die Verteidigung der Demokratie und die Fähigkeit, Komplexität zu reduzieren, ohne ins Banale zu verfallen. In Fischers Tonfall klingt das so: Pessimismus hilft niemandem; wer kommuniziert, entscheidet sich für Hoffnung – und für Verantwortung.

Düzen Tekkal ergänzt die Praxis: weniger Threads ins Nichts, mehr echte Gespräche. Wirkung entsteht in Beziehungen, nicht im Rauschen. Damit verschiebt sich der Fokus – raus aus der reinen Sende-Logik, hinein in Diskurs- und Community-Management.

Umbau im laufenden Betrieb ist der Standard – nicht die Störung

Transformation ist kein Projekt, sondern Dauerzustand. Telekom, Stadtwerke, Bayer – überall wird in voller Fahrt reorganisiert. Überall ähneln sich die Muster: neue Strukturen, veränderte Rollen, fragilere Öffentlichkeiten. Gute Kommunikation setzt dabei klare Prioritäten statt Vielfalt um ihrer selbst willen. Sie sorgt für Konsistenz statt für bloße Lautstärke und betreibt ehrliches Erwartungsmanagement statt Euphorie. Denn: „Das Narrativ ist die Wirklichkeit, in der wir uns bewegen.“ Das gilt intern wie extern. Wer Sinnzusammenhänge schafft, stiftet Orientierung – und damit Vertrauen. Und Vertrauen ist die entscheidende Währung, gerade dann, wenn die Veränderungsmüdigkeit wächst.

Die Rolle der KI in dieser Gemengelage? Sie beschleunigt. Sie erkennt Muster, übernimmt Routinen, skaliert die Produktion. Doch die Richtung bestimmt sie nicht. Strategie, Kontext, Ethik und Emotion bleiben menschlich. Der Tenor der Sessions ist eindeutig: KI braucht Führung – strategisch, nicht blind beschleunigend. Es geht darum, Kompetenz aufzubauen, Leitplanken zu setzen und Wirkung messbar zu machen. All in on AI – ja. All AI – nein.

Und Horx bleibt optimistisch: Die „Human Digital Era“ ist kein Tech-Slogan, sondern Haltungsauftrag. Wenn Roboter bessere Roboter werden, müssen Menschen humanere Menschen werden – mit mehr Beziehung, Einordnung, Klarheit. Genau daraus speist sich Hoffnung in unsicheren Zeiten. „Solange Sie leben, ist Hoffnung“, bringt es Joschka Fischer auf den Punkt.

Der Kommunikationskongress 2025 zeigt, dass die Branche bereit ist für diese neue Rolle. Für diese Hoffnung, gepaart mit strategischer Klarheit und dem geschickten Einsatz neuer Technologien. Denn es geht eben nicht darum, Zukünfte zu verwalten, sondern sie aktiv zu bauen.

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