Branche Ein Tag auf der Voices Laute Stimmen an der Spree

Die Voices in Berlin zeigte, wie stark sich die interne Kommunikation derzeit verändert: Zwischen KI, Employee Experience, Führung und Vertrauen rückt sie näher an die strategischen Kernfragen von Unternehmen heran. Am 29. und 30. April wurde beim Branchenevent von Staffbase in der Arena Berlin nicht nur über neue Tools und Kanäle gesprochen, sondern vor allem über Orientierung in unsicheren Zeiten. Eine Reportage über große Bühnen, Gespräche an der Spree und eine Disziplin, die immer wichtiger wird, aber auch immer mehr aushalten muss.

Frank Wolf, Chief Strategy Officer und Mitgründer von Staffbase, skizziert den State of the Sector bei KI in Unternehmen. (Foto: NewPic Photography/Toni Kretschmer)

Als ich gegen neun Uhr in der Arena Berlin an der Spree ankomme, bin ich in Gedanken noch beim Vorabend und den Unmute Icons. Jetzt also Fokus auf die Voices, das Branchenevent für interne Kommunikation. Weiter geht’s. Vor den Bühnen, an den Kaffeestationen und in den Gängen stehen Menschen mit Namensschildern, Laptops, Stofftaschen und Bechern in der Hand. Zum Glück gleich ein paar bekannte Gesichter, Begrüßungen, halbe Umarmungen, schnelle Blicke aufs Programm. Ich bin noch nicht ganz auf Netzwerktemperatur, erst einmal schauen, was das Vortragsprogramm so bietet.

Zwei doppelte Espressi, Quarkbällchen

Der Vormittag gehört zunächst den großen Linien. Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands, Co-Gründerin des FC Viktoria Berlin und Podcasterin von „Fast & Curious“, bringt die Perspektive einer Unternehmerin auf die Bühne, die Veränderung nicht als Ausnahmezustand versteht, sondern als Normalfall. Bei ihr klingt Kommunikation nicht nach nachträglicher Erklärung, sondern nach Gestaltung. Wer Menschen für etwas gewinnen will, muss früh sprechen, klar sprechen und auch dann Haltung zeigen, wenn noch nicht alles entschieden ist. Was ebenfalls hängen bleibt: Sie spricht uns Mut zu. Einen Mut, der in Deutschland dringend nötig ist.

Danach muss man sich entscheiden. Die Bühne wird in verschiedenfarbige Bereiche aufgeteilt, über Kopfhörer wählt man sich in den passenden Vortrag ein. Die LEDs an den Kopfhörern verwandeln die Bühne in ein Farbenmeer. Es hat etwas von Silent Disco, nur dass hier nicht getanzt, sondern zugehört wird.

Die Entscheidung fällt für Tina Müller. Die CEO von Weleda, Aufsichtsratsmitglied bei Aldi Nord und bei Puig, verschiebt den Blick auf Marke, Führung und Glaubwürdigkeit. Exemplarisch an der Transformation von Weleda aus den Wurzeln der Anthroposophie hin zu einer stärker positionierten Kosmetikmarke wird in ihrem Vortrag deutlich: Was von außen als Weiterentwicklung erscheint, muss innen verankert sein. Was ein Unternehmen verspricht, muss für Mitarbeitende erfahrbar sein. Gerade hier wird interne Kommunikation konkret: Sie kann nicht nur erzählen, wofür ein Unternehmen stehen will. Sie muss auch helfen, dass diese Erzählung im Inneren trägt.

Samosa-Snack, Espresso

Bei Andreas Möller, Chief Communications and Public Affairs Officer bei Trumpf, wird diese Perspektive gesellschaftlich noch einmal weiter geöffnet. Vor allem anhand der CEO-Kommunikation um Nicola Leibinger-Kammüller macht Möller deutlich, wo Unternehmen politisch Haltung zeigen können und müssen. Und welche Auswirkungen eine solche Haltung, die extern kommuniziert wird, für die interne Kommunikation haben muss. Ist hier eine Trennung überhaupt noch möglich? Eine Verzahnung ist auf jeden Fall nötig, so viel ist sicher. Wer sich nach außen positioniert, muss nach innen erklären können, warum. Sonst bleibt Haltung schnell Behauptung und sorgt für Unruhe im Unternehmen.

Curry, Salat, Karottenkuchen mit Kokoscreme

Die Arena liegt direkt an der Spree, und nach der Dichte der Vorträge wirkt der Außenbereich am Wasser fast wie eine zweite Konferenzebene. Die Gespräche werden lockerer, die Gruppen kleiner, das Licht weicher. Der Sommer kommt nach Berlin. Ab zum Unmute-Van, wo Hypecast Podcasts mit den Unmute Icons aufzeichnet.

Gesprächsfetzen. Sätze über KI, die eher nach Erleichterung klingen, und andere, in denen Skepsis mitschwingt. Man spricht über Tools, aber schnell auch über Ressourcen. Über Kommunikation, aber ebenso über Führung. Über Mitarbeitende, die nicht noch ein Format brauchen, sondern Verlässlichkeit. Und über die Frage, ob interne Kommunikation in Unternehmen wirklich strategischer wird oder nur mehr Aufgaben bekommt. Und ist sie überhaupt noch so klar von der externen Kommunikation zu unterscheiden? Das hatten wir an diesem Tag schon einmal. Es wird nicht die letzte Frage bleiben, die wiederkommt.

Pausen als Resonanzraum. Die Begriffe von der Bühne werden hier kleiner, greifbarer, manchmal auch ehrlicher. Aus KI wird dann nicht mehr nur ein Zukunftsthema, sondern die Frage, ob ein Team überhaupt Zeit hat, neue Tools sinnvoll einzuführen. Aus Vertrauen wird nicht mehr nur ein Wert, sondern die Erfahrung, ob Mitarbeitende wichtige Dinge zuerst intern erfahren oder doch wieder aus anderen Quellen.

Espresso, einfach mal ein Wasser

Am Nachmittag dann Frank Wolf, Chief Strategy Officer und Mitgründer von Staffbase. Bei ihm rückt die technologische Seite stärker in den Mittelpunkt, und damit auch die Frage, wie sich Kommunikation mit Mitarbeitenden künftig organisieren lässt. KI ist auf der Voices ständiger Begleiter. Wolf bringt die Entwicklung in seinem Vortrag auf den Punkt: Sie verläuft exponentiell. Was vergangenes Jahr noch als Standard galt, ist längst überholt; was jetzt gilt, wird in wenigen Monaten womöglich schon wieder überholt sein. Für die Interne Kommunikation bedeutet das: schnell handeln, schnell implementieren, schnell Ressourcen schaffen. Und Zumutungen? Auch die benennt Wolf. Die Verschiebung von Geschäftsmodellen, der Frust über den Wegfall geliebter Tätigkeiten, die jetzt die KI einfach besser beherrscht. Klar ist so viel: Man muss sich anpassen. Und zwar lieber heute als morgen. 

Schließlich die Voices Awards. Staffbase zeichnet damit Teams aus, die mit Kommunikation, HR und IT die Employee Experience in ihren Unternehmen voranbringen. Acht Gewinner in verschiedenen Kategorien. Bei der Award-Show wird dann nochmal richtig aufgedreht. Die Arena als Konzert-Arena.

Grauburgunder, Aperol-Spritz

Der Ausklang. Nach einem Tag voller Begriffe, Bühnen und Begegnungen etwas runterkommen. Die Gespräche laufen aus, wechseln die Richtung, werden persönlicher. Klar wird aber auch: Man hat mal wieder nur einen Bruchteil des Programms mitbekommen. Die Voices ist einfach vollgepackt mit Input, Impulsen, Impressionen. Und wie bei vielen guten Konferenzen bleibt neben den Vorträgen auch das hängen, was dazwischen passiert: ein Satz am Stehtisch, ein kurzes Wiedersehen, eine Beobachtung draußen an der Spree.

Am Ende wird zwischen Bühne und Spree, zwischen KI-Debatte und Weinglas, deutlich, worum es bei interner Kommunikation im Kern geht: nicht nur um den nächsten Kanal, nicht nur um die perfekte Botschaft und auch nicht nur um das effizienteste Tool, sondern um die Fähigkeit von Organisationen, mit ihren Menschen im Gespräch zu bleiben. Gerade dann, wenn es schwierig wird.

Übrigens: Das Event war auch kulinarisch sehr gut organisiert.

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