Branche PRJ-Pfeffer-Ranking Pfeffer-Ranking 2026: Rückgang bei Honoraren, Mobilitätsbranche unter Druck

Agenturrankings erzählen nicht nur von Agenturen. Sie zeigen auch, welche Kundenbranchen investieren, welche unter Druck stehen – und welche Geschäftsmodelle in der Kommunikation tragen. Das PRJ-Pfeffer-Ranking 2026 blickt auf die Zahlen von 2025 und belegt: Die betrachteten Honorarumsätze gehen insgesamt um 3,8 Prozent zurück. Die Spitze bleibt stabil. Die eigentliche Bewegung im Markt entsteht jedoch darunter. Co-Herausgeber des Pfeffer-Rankings ist die GPRA, die das Ranking künftig auch inhaltlich und konzeptionell begleitet.

Das PRJ-Pfeffer-Ranking 2026 zeigt den Markt keineswegs im freien Fall. Aber es zeigt einen Markt unter Druck. Für uns ist es auch Ausgangspunkt für weitere Recherchen.

Fischer Appelt bleibt die Nummer eins im PRJ-Pfeffer-Ranking 2026. Die Agentur führt das Ranking für das Geschäftsjahr 2025 mit 68,2 Millionen Euro Honorarumsatz an. Dahinter folgt die Serviceplan Content Group mit 65,3 Millionen Euro und rückt damit deutlich näher an die Spitze heran. Auf Platz drei liegt Edelman Deutschland. MSL Group Germany verbessert sich von Rang sieben auf vier, Ketchum Germany fällt von drei auf fünf zurück (Zu beachten ist hier, dass die Zahlen aus dem vergangenen Jahr vor dem Merger mit Golin erfasst wurden.)

Die ersten Plätze wirken vertraut. Doch schon an der Spitze zeigt sich, dass 2025 kein einfaches Jahr war. Mehrere große Agenturen melden niedrigere Honorarumsätze als im Vorjahr, darunter Fischer Appelt, Edelman, Ketchum, Weber Shandwick, OSK, Ifok und Achtung. Zulegen können in den Top Ten Serviceplan, MSL und Faktor 3. Die Marktordnung bleibt bestehen. Aber sie wird enger.

Auf vergleichbarer Basis zeigt sich der Druck im Markt besonders klar. Betrachtet man die Agenturen, die in beiden Jahren im PRJ-Pfeffer-Ranking vertreten waren, sinkt deren addierter Honorarumsatz von 566,9 Millionen Euro auf 545,6 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um 21,3 Millionen Euro oder 3,8 Prozent. Der Honorarumsatz pro Kopf steigt dadurch leicht.

  • Die Spitze bleibt stabil, der Abstand zwischen Platz eins und zwei wird kleiner.
  • Das Mittelfeld bewegt sich stärker als die Top Ten.
  • Gesundheit, Medizin und Pharma bleibt der stärkste Branchenblock.
  • Mobilität und Infrastruktur stehen unter Druck.
  • Finanzwirtschaft, Immobilien, Industrie sowie Nahrung und Genussmittel legen zu.
  • Mitarbeiterzahlen werden als Kennzahl erklärungsbedürftiger.

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Das Mittelfeld liefert die eigentliche Geschichte

Deutlich mehr Bewegung zeigt sich unterhalb der Top Ten. Oseon, Kruger Media, Publik, Public Imaging, Hansmann PR und PIO verbessern sich teils spürbar. Andere Agenturen verlieren deutlich an Rang oder Honorarumsatz. Damit zeigt das Ranking, wie unterschiedlich Agenturen durch ein anspruchsvolles Jahr gekommen sind. Größe bleibt ein Vorteil, aber sie schützt nicht automatisch vor Rückgängen. Umgekehrt können mittelgroße Anbieter wachsen, wenn ihr Profil klar ist und die Nachfrage in ihren Kundensegmenten trägt.

Die Branchen hinter den Zahlen

Besonders interessant wird das Ranking dort, wo es über die Agenturen hinausweist. In der Branchenbetrachtung bleibt Gesundheit, Medizin und Pharma der größte Bereich. Der Block verliert in der Auswertung im Vergleich zum vergangenen Jahr zwar leicht, bleibt aber prägend. Das passt zur Logik des Marktes: Gesundheitskommunikation ist erklärungsintensiv, reguliert und vertrauensabhängig. Dort entsteht kontinuierlicher Beratungsbedarf. Ein Selbstläufer ist das Segment trotzdem nicht. Die Entwicklung fällt je nach Agentur unterschiedlich aus. Wer hier wächst, profitiert nicht allein von der Branche, sondern von Spezialisierung, fachlicher Tiefe und Zugang zu komplexen Stakeholdern.

Technologie, Digitalisierung und Telekommunikation gehören weiterhin zu den zentralen Kundensegmenten. Zugleich geht der Honorarumsatz in diesem Bereich leicht zurück. Der Befund muss jedoch nicht lauten, dass Technologiekommunikation an Relevanz verliert. Eher wird sie anspruchsvoller. Kunden brauchen weniger allgemeine Sichtbarkeit und mehr Übersetzungsleistung. Sie suchen Agenturen, die komplexe Technologien und Zusammenhänge kommunizieren können.

Mobilität und Infrastruktur unter Druck

Auffällig ist auch die Entwicklung bei Mobilität und Infrastruktur. In der Gruppe der Agenturen, die in beiden Jahren vertreten waren, sinkt der Honorarumsatz in diesem Kundensegment leicht auf unter 50 Millionen Euro. Das Ranking belegt keinen direkten Zusammenhang zwischen der Entwicklung einzelner Kundenbranchen und den Agenturhonoraren. Es liefert aber Hinweise auf mögliche Auswirkungen. Gerade bei Mobilität und Infrastruktur stellt sich deshalb eine naheliegende Anschlussfrage: Wie stark schlagen die Strukturprobleme der großen Automobilhersteller und ihrer Zulieferer auf PR-Agenturen durch? Eine Spur, der das PR-Journal weiter nachgehen wird. 

Auch Umwelt sowie Behörden und Politik liegen unter dem Vorjahr. Daraus lässt sich nicht direkt ableiten, dass diese Themen für Kunden weniger wichtig geworden sind. Es zeigt aber: Gesellschaftliche relevante Themen führen nicht automatisch zu steigenden Honorarumsätzen. Projektzyklen, Etatverschiebungen und politische Unsicherheit können sich in diesen Bereichen besonders stark auswirken.

Finanzwirtschaft und Immobilien legen zu

Zuwächse zeigen sich dagegen bei Banken, Versicherungen und Finanzwirtschaft, bei Immobilien, bei Industrie und Investitionsgütern sowie bei Nahrung und Genussmitteln. Das sind Felder, in denen Hypes seltener auftauchen. Gerade deshalb sind sie interessant. In diesen Branchen geht es häufig um Regulierung, Standortfragen, Transformation und langfristige Stakeholder-Beziehungen. Für Agenturen entsteht Beratungsbedarf, der über klassische Pressearbeit hinausgeht. Besonders Immobilien, Finanzwirtschaft und Industrie zeigen, dass Kommunikation dort wächst, wo Märkte erklärungsbedürftiger werden. 

Branchenverständnis wird wichtiger

Auch bei den Disziplinen zeigt sich diese Verschiebung. Media Relations und Earned Media bleiben zentrale Felder. Sie gehören weiterhin zum Kern vieler Agenturleistungen. Die Dynamik entsteht aber stärker in Bereichen, die näher an Beratung, Stakeholder-Management und Veränderung liegen.

Dazu zählen insbesondere Public Affairs sowie interne Kommunikation und Employer Branding. Für Kunden wird die Agenturfrage anscheinend mehr und mehr komplexer. Es geht nicht mehr nur darum, wer Pressearbeit gut beherrscht. Es geht darum, wer Branchen versteht, Stakeholder sortieren kann und Kommunikation mit Geschäftsfragen verbindet.

Kopfzahl wird erklärungsbedürftiger

Auch die Mitarbeiterzahlen verdienen einen genaueren Blick. In der Auswertung gehen sie leicht zurück. Das kann viele Gründe haben: veränderte Mandatslagen, effizientere Strukturen, Outsourcing, neue Leistungsprofile oder technologische Produktivitätsgewinne durch KI. Deshalb wird die reine Kopfzahl künftig erklärungsbedürftiger. Lange galt in Agenturrankings: mehr Honorar, mehr Personal, mehr Größe. Diese Gleichung wird unschärfer. Wenn Agenturen mit weniger Mitarbeitenden ähnliche oder höhere Leistungen erbringen als solche mit größerer Belegschaft, stellt sich die Frage, ob sich Produktivität, Teamstrukturen und Wertschöpfung im Markt gerade verändern.

2025 als Sortierungsjahr für die Branche

Das PRJ-Pfeffer-Ranking 2026 zeigt den Markt keineswegs im freien Fall. Aber es zeigt einen Markt unter Druck. Das Ranking ist damit nicht nur eine jährliche Übersicht, sondern Ausgangspunkt für weitere Marktbeobachtung. In den kommenden Wochen nimmt das PR-Journal einzelne Spuren aus dem Ranking genauer in den Blick – darunter Mobilität und Infrastruktur, Mitarbeiterzahlen, Produktivität und die Frage, welche Kundensegmente den PR-Agenturmarkt im Detail derzeit tragen.

 

Hinweis zur Auswertung: Für die Branchenbetrachtung haben wir die von den Agenturen eingereichten Branchenanteile mit dem jeweiligen Honorarumsatz betrachtet. Die Analyse zeigt daher das Gewicht einzelner Kundensegmente innerhalb der Rankingdaten, nicht deren absolute Marktgröße. Jahresvergleiche sind nur eingeschränkt möglich, weil sich Teilnehmerfeld und Datenmeldung verändern können. Grundlage für das Pfeffer-Ranking sind immer die gemeldeten Honorarumsätze.

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