Branche Der Wahlabend aus Comms-Sicht Wie auf die Sachsen-Anhalt-Wahl reagiert wird
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- von Max Niklas Gille und Joris Duffner, Dortmund
Sachsen-Anhalt hat gewählt. Zum ersten Mal könnte die AfD in einem deutschen Bundesland an die Regierung kommen. PRJ-Chefredakteur Joris Duffner und Max Niklas Gille, Gastdozent für politische Krisenkommunikation an der HAW Kiel, haben den Wahlabend in einem Live-Ticker begleitet. Wer setzt nach den ersten Prognosen den Deutungsrahmen? Wie werden Gewinne erklärt, Niederlagen abgefedert und mögliche Bündnisse kommunikativ vorbereitet? Besonders interessant ist dabei die Kommunikation der AfD – und wie die anderen Parteien mit ihr umgehen. Eine Debatte, die zuletzt auch im PR-Journal intensiv geführt wurde. Es wurde spannend an diesem historischen Spätsommerabend.
Vorläufiges Ergebnis: CDU 17,2%, AfD 43,8%, Linke 8,6%, SPD 9,3%, Grüne 8,9%, BSW 5,3%, Sonstige 6,9% (Quelle: Landeswahlleiterin)
22:10: Wir verabschieden uns für heute Abend. Vielen herzlichen Dank für Ihr Interesse! Hier erscheint morgen früh das vorläufige amtliche Endergebnis. Weitere Einschätzungen zur politischen Kommunikation rund um die Auswirkungen dieser Landtagswahl finden Sie weiterhin im PR-Journal.
Hochrechnung 21:50 Uhr: CDU 17,5%, AfD 44,0%, Linke 8,9%, SPD 9,0%, Grüne 9,0%, BSW 5,0%, Sonstige 6,6% (Quelle: ZDF)
21:50: Auch bei Donald Trump erregt der mögliche Wahlausgang aus Sachsen-Anhalt Aufmerksamkeit. Der US-Präsident teilte eine Hochrechnung kommentarlos auf Truth Social.
21:45: Ein kommunikativer Reflex bei jedem Wahlabend: Die Frage nach personellen Konsequenzen wird bei nahezu jeder Partei auf der Verliererseite gestellt. Und gleichzeitig auch ausgessenen.
21:42: Interessant zu beobachten: Eine Beurteilung der AfD als "rechtsextrem" findet in den bisherigen Statements bislang kaum statt. Es scheint nach dem Wahlsieg der Partei kommunikativ zunächst eine Abrüstung stattzufinden.
21:32: Eine Frage bleibt offen: Wer wird der oder die nächste MP? Noch bringt sich niemand aktiv in Stellung, eine klare Lösung scheint es nicht zu geben. Das BSW bringt einen überparteilichen MP ins Spiel. Vor allem das BSW wird mit den knapp 5% das Zünglein an der Waage.
Hochrechnung 21:20 Uhr: CDU 17,5%, AfD 44,0%, Linke 8,9%, SPD 9,0%, Grüne 9,0%, BSW 5,0%, Sonstige 6,6% (Quelle: ZDF)
21:01: Fabio de Masi vom BSW will in keine Koalition gehen. Er besteht zudem auf einen "überparteilichen Ministerpräsident". Es bleibt unklar, ob das BSW die 5-Prozent-Hürde reisst.
20:56: Die AfD-Kommunikation ist wohl auf maximale Vorsicht ausgerichtet, was mögliche Sondierungen angeht. Zum Teil scheint man zu hoffen, doch noch die absolute Mehrheit zu erreichen. Zum Anderen sind Aussagen zu erkennen, bereits jetzt der CDU die Verantwortung zuzuschieben, sollte es zu keiner tragfähigen Regierung kommen, wenn die AfD kanpp unterhalb der absoluten Mehrheit bleibt.
20:54: Der Abend bleibt spannend, doch so richtig große Überraschungen scheint es nicht mehr zu geben. In der medialen Betrachtung ist vor allem Siegmunds Foto auf der Simson auf dem Weg zum Wahllokal vorherrschend, Meme-Charakter hat bisher vor allem Didi Hallervorden auf der CDU-Wahlparty.
20:41: AfD-Kandidat Siegmund spricht von einem Zeichen "für ganz Deutschland". Er strecke die Hand aus für Gespräche. Kommunikativ wird also bereits das Nicht-Erreichen der absoluten Mehrheit vorbereitet. Man hoffe allerdings auf "45 plus X".
Hochrechnung 20:00 Uhr: CDU 18,0%, AfD 44,2%, Linke 9,0%, SPD 9,0%, Grüne 8,6%, BSW 5,0%, Sonstige 6,1% (Quelle: ARD)
20:30: FPD-Bundes-Chef Kubicki redet nicht drum herum. Es sei ein "schlechter Tag für die Liberalen in Deutschland". Eine hohe Wahlbeteiligung gehe immer "zu Lasten der Freien Demokraten". Persönlich stehe er erst am Anfang eines Erneuerungsprozesses. Kubicki vermutet, dass es nicht zu einer Regierungsbeteiligung der Union in Sachsen-Anhalt kommen werde.
20:24: Eine nutzt die große Bühne: Katja Wolf, Finanzministerin in Thüringen, gründet mit den ausgetreteten BSW-Mitgliedern eine neue Partei. Ausgerechnet heute Abend startet die Kommunikation hierzu...
20:12: Klar ist: Anti-AfD hat nicht gefruchtet. Trotz aller aufgebotenen Skandalisierung konnten die Parteien SPD, Linke und Grüne nicht wirklich zulegen. Einzig die Grünen schaffen leichte Zuwächse.
20:06: SPD-Bundes-Chef Klingbeil spricht von einem "Signal an Berlin", ohne dies weiter zu spezifizieren.
20:02: BSW-Chefin Mohamed Ali hofft weiterhin auf den Einzug. Sie spricht von einem "guten Ergebnis". Eine Unterstützung eines AfD-Ministerpräsidenten wird nicht negiert. Kommunikativ interessant: Es wird ein Gegensatz zwischen den "Brandmauer-Parteien" und dem BSW aufgemacht. Man brauche einen "überparteilichen Ministerpräsidenten".
20:01: Auf der BSW-Wahlparty sei die Stimmung laut des ZDF-Korrepondenten erstaunlich gut. Man hoffe auf den Einzug. Die Querelen der Partei in Thüringen spielen anscheinend zunächst keine Rolle für Sachsen-Anhalt.
Hochrechnung 20:00 Uhr: CDU 18,3%, AfD 44,4%, Linke 9,2%, SPD 8,6%, Grüne 8,4%, BSW 4,8%, Sonstige 3,9% (Quelle: ZDF)
19:47: Spannend auch der Blick auf die Alterskohorten: bei den unter 30-Jährigen liegt die AfD vorne. Die Linke auf Platz 2. Hier wird deutlich: Besonders junge Leute sind offener für Wechselwählerschaft und das Stereotyp vom "alten weißen AfDler" stimmt nicht unbedingt.
19:44: Heidi Reichenek von der Linken spricht von einem "grausamen Abend". Der Ball liege bei der Union. Sie müsse entscheiden "auf welcher der Geschichte" sie stehe. Eine maximale Zuspitzung der Linken-Chefin in Richtung der Konservativen.
19:40: SPD-Sachsen-Anhalt-Chef Armin Willingman strahlt Gelassenheit aus. Er sei hin und hergerissen zwischen der "Freude über ein respektables Ergebnis" und der politischen Situation.
19:36: Sven Schulze bemängelt die Differenzierung zwischen Bundes- und Landesthemen. Ein Seitenhieb gegen Friedrich Merz? Auf die Frage danach, ob er auf die Linke zugehen würde, antwortet er nicht mit Verweis auf die frühen Hochrechnungs-Werte.
19:31: Die AfD dürfte das historische Ergebnis kommunikativ bestens verwerten - auch über die sozialen Medien. Während Youtuberin Eingollan sich auf der Wahlparty tummelt, hat auch der rechte Influencer Tim Kellner bereits ein Video veröffentlicht. Beide hatten den Wahlkampf intensiv begleitet.
Hochrechnung 19:30 Uhr: CDU 18,2%, AfD 44,4%, Linke 9,2%, SPD 8,6%, Grüne 8,7%, BSW 4,8%, Sonstige 3,7% (Quelle: ZDF)
19:23: Grünen-Chef Banaszak zeigt sich bestürzt: "Das sind dramatische Zustände, die sich hier zeigen."
19:17: Jeder Kommunizierende weiß: Desinteresse ist die größte Strafe. Auch das gehört zur kommunikativen Betrachtung des Abends: Die FDP spielt faktisch keine Rolle mehr.
19:07: Neben dem politischen gibt es noch einen Sieger: Die Demoskopie. Kaum ein Wahlkampf dürfte so eng durch Umfragen begleitet worden sein. Nun weichen die Ergebnisse zwar leicht ab im Vergleich zu den Umfragen - doch eine hohe Abweichung wie bei der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt blieb aus.
Hochrechnung 19:00 Uhr: CDU 18,3%, AfD 44,3%, Linke 9,2%, SPD 8,7%, Grüne 8,7%, BSW 4,8%, Sonstige 5,5% (Quelle: ZDF)
19:02: Die CDU-Wahlparty soll sich bereits merklich geleert haben.
18:55: Interessant wird nun, sollten sich die Hochrechnungen verstetigen, die Haltung der AfD zu einer Minderheitsregierung und zu möglichen Sondierungsgesprächen. Setzt sich hier eine einheitliche kommunikative Linie zwischen Bundes- und Landes-Partei durch?
18:50: Ulrich Siegmund bezeichnet das Ergebnis als "sehr schön" und "Vertrauensvorschuss". Es sei ein "Regierungsauftrag", man wolle jedoch keine zentralen eigenen Positionen aufgeben. Er verweist sofort auf das politische Berlin und eventuelle dortige Auswirkungen. Einladungen zu Gesprächen werde es geben, solange die Gesprächspartner die Grundpositionen der AfD mittragen würden. "Die Hand bleibt ausgestreckt." Interessant an seinem Statement: Er spricht von möglichen Abweichlern in den Reihen der CDU, auch auf kommunaler Ebene. Ein Versuch, die CDU in Sachsen-Anhalt in den Tagen nach der Wahl zu spalten? Siegmund wolle ein "Ministerpräsident für alle rechtschaffenen Bürger" werden, sollte es dazu kommen.
18:45: Eine Reaktion von Ulrich Siegmund steht weiterhin aus. Hofft er noch darauf, dass sie die Prognosen auf eine AfD-Mehrheit zubewegen, um das erste Statement als Sieg verkaufen zu können?
18:41: Der Wahlabend ist auch der Großkampftag der Generalsekretäre. Während die bisher eher glücklose Franziska Hoppermann von der CDU vor allem die Abgrenzung zur AfD in den Vordergrund stellt, freut sich SPD-General Klüssendorf über das SPD-Ergebnis. Nach Volkspartei klingt das schon lange nicht mehr.
18:37: Björn Höcke gratuliert Siegmund zum Wahlsieg, seine "warmherzige Art" hätte zum guten Ergebnis geführt. Er empfielt der Sachsen-Anhalt-AfD Koalitionsgespräche mit den weiteren Parteien, ohne dies näher zu spezifizieren. Die "Polarisierung müsse überwunden werden".
Hochrechnung 18:30 Uhr: CDU 18,5%, AfD 44,5%, Linke 9,4%, SPD 8,2%, Grüne 8,9%, BSW 5,0%, Sonstige 5,5% (Quelle: ARD)
18:28: Eine Koalition aus CDU, SPD, Grünen und Linken hätte laut einigen Prognosen eine sehr knappe Mehrheit von einer Stimme. Spätestens nach den jüngsten Aussagen von Sven Schulze erscheint es jedoch als unwahrscheinlich, dass eine solche Koalition forciert werden könnte.
18:25: CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze gratuliert der AfD zum Wahlsieg und bezeichnet das Ergebnis als klare Niederlade der CDU. "Das ist Demokratie" betont er, die Menschen hätten "ein Zeichen gesetzt", das müsse erkannt werden. Schulze wirkt trotz des desatrösen Ergebnis' gefasst.
18:17: AfD-Chef Tino Chrupalla verweist auf Merz' Aussage, die AfD halbieren zu wollen. Stattdessen habe die AfD nun die CDU halbiert. Man habe ungeachtet der absoluten Mehrheit einen klaren Regierungsauftrag in Sachsen-Anhalt.
18:16: Schnell wird klar: Kommunikativ zeigt heute auf allen Seiten der Finger nach Berlin. So wird das AfD-Ergebnis auf der CDU-Wahlparty bereits als klare Abrechnung mit der Bundespolitik gewertet. Das dürfte den Ton für den Abend setzen.
18:12: Björn Höcke soll auf der AfD-Wahlparty das Lied "Ein Tag, so wunderschön wie heute" angestimmt haben. Die absolute Mehrheit für die gesichert rechtsextreme Partei steht jedoch noch nicht fest.
18:11: Der Abend kennt eigentlich nur einen Gewinner. Spannend werden die Statements der Spitzenkandidaten. Auf der CDU-Party macht nicht nur Dieter Hallervorden ein langes Gesicht. SPD und Grüne haben aus ihrer Sicht ebenfalls solide Ergebnisse erzählt, dennoch dürfte ihre Reaktion wenig euphorisch ausfallen.
Prognose 18 Uhr: CDU 18,5%, AfD 44,0%, Linke 9,0%, SPD 9,0%, FDP 2,5%, Grüne 8,5%, BSW 4,8%, Sonstige 4,0% (Quelle: ZDF)
17:55: Kommunikativ besonders interessant werden gleich Aussagen rund um mögliche Mehrheiten. AfD-Kandidat Siegmund fiel in den vergangenen Tagen dadurch auf, schon präventiv eine nur aus 1-2 Stimmen bestehende Mehrheit als nicht unbedingt regierungsfähig einzuschätzen. Eventuell greift hier die Angst vor einem Sachsen-Anhaltinischen Heidemörder um sich.
17:50: Herzlich Willkommen zum PR-Journal-Wahl-Ticker! Noch gut 15 Minuten bis zur ersten Hochrechnung. Schon jetzt ist klar: Die Aufmerksamkeit wird immens: Neben den klassichen Medien sind auch auf Social Media die üblichen Verdächtigen dabei: Der Nius-Livestream verzeichnet aktuell knapp 90.000 Zuschauer:innen. Auch die Wahlbeteiligung ist so hoch wie seit langem nicht: 65,3 Prozent wurden um 16 Uhr gemessen.