Was Journalisten sollen und wollen Leibniz Institut Bredow Insitut Cover querObjektiv berichten, analysieren und Geschehnisse einordnen. Das – darüber sind sich Journalisten und ihr Publikum in Deutschland einig – sind die wichtigsten Aufgaben des Journalismus. Aber auch Toleranz und kulturelle Vielfalt innerhalb der Gesellschaft zu fördern, sei geboten. Besonders wichtig ist dem Publikum außerdem, dass Journalistinnen und Journalisten ihre Quellen transparent machen und ihre Themenauswahl erläutern. Dies sind Ergebnisse der Studie "Was Journalisten sollen und wollen" (siehe nebenstehendes Cover), die am 3. Juni in Hamburg vom Leibniz-Institut für Medienforschung │ Hans-Bredow-Institut (HBI) veröffentlicht wurde. Die Studie hat die Erwartungen der deutschen Bevölkerung an den Journalismus untersucht und sie mit den Erwartungen, die Journalisten an sich selbst haben, verglichen. Ergebnis: Zwischen beiden Parteien herrscht große Einigkeit darüber, was Journalismus leisten sollte.

Die Befunde des Leibniz-Institut für Medienforschung zeigen, dass das, was deutsche Journalistinnen und Journalisten am meisten tun wollen, auch das ist, was sie in den Augen der deutschen Bevölkerung vor allem tun sollten. „Dies umfasst in erster Linie die klassischen journalistischen Aufgaben der objektiven Berichterstattung sowie der Analyse und Einordnung. Auch die Förderung von Toleranz und kultureller Vielfalt wird auf beiden Seiten als besonders wichtige journalistische Aufgabe erachtet“, so Professor Wiebke Loosen, Senior Researcher am HBI.

„Insgesamt zeigt sich aber auch, dass die Bevölkerung Aufgaben, die für einen eher kontrollierenden, politisch-aktivistischen Journalismus stehen, mehr Wichtigkeit beimisst, als die meisten Journalistinnen und Journalisten sie in ihrer täglichen Arbeit als Teil ihrer Aufgaben betrachten. Eine besondere Bedeutung haben in den Augen der Bevölkerung auch Fragen der Transparenz und konstruktiver, lösungsorientierter Journalismus", so Loosen weiter.

Nachrichteninteresse und Mediennutzung haben einen entscheidenden Einfluss darauf, für wie wichtig Bürgerinnen und Bürger journalistische Aufgaben erachten: Interesse an Hard News und die Nutzung von journalistischen Online-Medien haben einen positiven Einfluss darauf, für wie wichtig klassische journalistische Aufgaben erachtet werden.

Mit einer repräsentativen CATI- (Computer Assisted Telephone Interview) Umfrage unter 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (n= 1.000) ermittelten die Autoren, welche journalistischen Aufgaben deutsche Bürgerinnen und Bürger als wichtig erachten und verglichen diese Befunde mit den repräsentativen Daten zum Rollenselbstverständnis deutscher Journalisten aus der Worlds of Journalism-Studie (Steindl et al. 2017). Die repräsentative Bevölkerungsumfrage durch das Marktforschungsinstitut IPSOS wurde von der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius finanziert.

Die Studie „Was Journalisten sollen und wollen – (In-)Kongruenzen zwischen journalistischem Rollenselbstverständnis und Publikumserwartungen“, erschienen im Verlag Hans-Bredow-Institut, Hamburg, im Mai 2020, steht hier zum Download zur Verfügung. (ISSN 1435-9413, ISBN 978-3-87296-159-4)

Zusätzlich sind die Ergebnisse in einem Podcast, dem BredowCast, besprochen worden. Johanna Sebauer, Mitarbeiterin in der Wissenschaftskommunikation am Leibniz-Institut für Medienforschung │Hans-Bredow-Institut (HBI), hat dazu die Studienautoren Wiebke Loosen und Sascha Hölig befragt.


Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel als Leserbrief direkt zusenden. Falls Sie wünschen, dass wir Ihren Leserbrief als Kommentar dem Artikel hinzufügen, vermerken Sie dies bitte in der Mail an uns.
leserbrief@pr-journal.de