Medien werden in Deutschland von nahezu 100 Prozent täglich genutzt. Während die Tagesreichweiten von Bewegtbild und Audio steigen, gibt Text etwas nach. Die Tagesreichweite und Nutzungsdauern der Jahre 2021 und in Klammern 2020). (Quelle: ARD/ZDF Massenkommunikation Trends 2021)

Die Corona-Pandemie dominiert weiterhin den Alltag der Menschen. Fernsehen und Radio bleiben für sie bei der Mediennutzung feste Orientierungspunkte, so das Ergebnis der ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2021. Auch die Streaming-Dienste und Mediatheken bauen ihre Reichweite weiter aus, vor allem im mittleren Alterssegment. Aber auch die Zahl der älteren Nutzerinnen und Nutzer wächst. Podcasts legen innerhalb eines Jahres in der Reichweite deutlich zu. Insgesamt nutzen die Deutschen im Schnitt mehr als sieben Stunden pro Tag Medien – am häufigsten Bewegtbild vor Audio und deutlich vor Text. Die Ergebnisse der Untersuchung von ARD und ZDF basieren auf einer repräsentativen Stichprobe von insgesamt 2.001 deutschsprachigen Personen ab 14 Jahren in Deutschland. Die Studie wurde vom Institut GIM durchgeführt und dauerte von Ende Januar bis Ende April 2021.

Ein weiteres Ergebnis der ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2021: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bleibt nach Einschätzung der großen Mehrheit der Befragten auch in Zukunft unverzichtbar.

Praktisch alle Menschen ab 14 Jahren in Deutschland (99 Prozent) nutzen täglich Medien. Die Gesamtreichweite von Bewegtbild legt auf 89 Prozent täglich zu. Fernsehen bleibt – trotz zunehmender zeitsouveräner Nutzung – in der Gesamtbevölkerung stabil und mit 66 Prozent das zentrale Alltagsmedium im Video-Bereich.

Audio-Reichweiten liegen nur knapp hinter Bewegtbild

Die täglichen Audio-Reichweiten steigen im gleichen Maße und liegen mit 85 Prozent nur knapp hinter dem Bewegtbild. Das Radio ist hier unangefochtener Spitzenreiter und erreicht mit 76 Prozent täglich mehr Menschen denn je. Texte verlieren weiter etwas an Tagesreichweite und kommen auf 45 Prozent. Artikel im Internet erreichen dabei pro Tag 20 Prozent der Menschen und damit etwa genauso viele wie gedruckte Zeitungen und Zeitschriften (19 %).

Um fünf Minuten auf 429 Minuten steigt die Mediennutzungsdauer im Corona-Alltag. Mit mehr als dreieinhalb Stunden entfällt gut die Hälfte dieser Zeit auf Bewegtbild-Angebote (222 Minuten, plus 9 Minuten). Radio, Musik, Podcasts und Hörspiele werden pro Tag knapp drei Stunden lang genutzt (177 Minuten, minus zwei Minuten.) Weniger als eine Stunde pro Tag wird gelesen – ein Rückgang um eine Minute auf 52 Minuten.

30- bis 49-Jährigen steigern ihre Mediennutzungsdauer deutlich

Vor allem die 30- bis 49-Jährigen steigern nach Rückgängen 2020 in diesem Jahr ihre Mediennutzungsdauer deutlich um fast eine halbe Stunde auf 396 Minuten pro Tag. Davon profitieren in erster Linie zeitsouverän nutzbare Video- und Audioinhalte.

29 Prozent der Videonutzungszeit pro Tag erfolgt bereits zeitsouverän über das Internet – zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 71 Prozent entfallen auf das lineare Fernsehen und selbst aufgenommene Sendungen. Bei den Zuschauerinnen und Zuschauern unter 30 Jahren ist selbstbestimmte Videonutzung bereits der Normalfall: Der Anteil der non-linearen Nutzungsdauer steigt hier auf 78 Prozent weiter an (plus 7 %). Der Löwenanteil entfällt dabei auf Streaming-Dienste, gefolgt von YouTube.

Mediatheken erreichen 38 Prozent der Bevölkerung

Die TV-Sender sind dabei gleichermaßen Profiteure und Verstärker des Trends zum Zeitsouveränen: Die Mediatheken erreichen innerhalb einer Woche mittlerweile 38 Prozent der Bevölkerung – ein Zugewinn von fünf Prozentpunkten. Neben den 30- bis 49-Jährigen (Anstieg der Wochenreichweite von 42 auf 50 %) entdecken auch immer mehr Ältere die Vorzüge von TV-Sendungen und Filmen auf Abruf (50- bis 69-Jährige: 37 Prozent Wochenreichweite, plus 9 %).

Befragt nach ihren Erwartungen an die Zukunft der Medien sagen 81 Prozent der Menschen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch in Zukunft unverzichtbar bleibe. 91 Prozent denken, dass regionale Inhalte in den Medien wichtig blieben. Verlässliche Informationen würden in Zukunft wichtiger werde, sagen 89 Prozent der Menschen. Im Leistungsvergleich mit dem privaten Rundfunk liegen die Stärken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus Sicht der Bevölkerung insbesondere bei journalistischen Qualitätskriterien (70 %) und der gesellschaftlichen (71 %) Relevanz der Inhalte. Besonders hoch sind die Zustimmungswerte hier bei den jüngeren Befragten.

Der Intendant des Hessischen Rundfunks und Vorsitzende der ARD/ZDF-Forschungskommission Manfred Krupp: „Die Zahlen zeigen: Wir sind weiterhin unverzichtbar. Für die Menschen besonders wichtig sind die regionalen Inhalte – ein Teil des Markenkerns der ARD.“ Der ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut: „Die Studie zeigt, dass unsere Inhalte, egal ob linear oder zeitunabhängig verbreitet, für die meisten Menschen in Deutschland relevant und unverzichtbar sind. Das bestärkt uns in unserer Arbeit.“

Radio bleibt der Alltagsbegleiter

Das Radio ist als Alltagsbegleiter in Krisenzeiten für die Menschen wichtiger denn je: In allen Altersgruppen erzielt es höhere Tagesreichweiten als 2020 – sie rangieren zwischen 60 Prozent (unter 30-Jährige, plus 9 %) und 82 Prozent (50- bis 69-Jährige, plus 3 %).

Mit 75 Prozent entfällt auch der größte Teil der Hördauer auf das lineare Radioprogramm, selbst bei den 14- bis 29-Jährigen liegt es 2021 mit 70 Minuten wieder knapp vor den Musik-Streaming-Diensten. Die Tendenz zum Zeitsouveränen setzt sich aber auch bei Audio kontinuierlich fort: Die unter 30-Jährigen verbringen bereits 59 Prozent ihrer Audio-Zeit auf diese Art und Weise – vor allem mit Musik über Streaming-Dienste oder YouTube. In der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil der zeitsouveränen Nutzung bei 25 Prozent.

Podcasts und zeitversetzte Radiosendungen steigern die Zahl ihrer regelmäßigen Nutzerinnen und Nutzerdeutlich. Innerhalb eines Jahres steigt die mindestens wöchentliche Nutzung von 20 auf 28 Prozent. Dynamische Reichweitenzuwächse gibt es – auch hier – vor allem bei den 30- bis 49-Jährigen: 38 Prozent von ihnen hören mindestens einmal pro Woche Podcasts oder zeitversetzte Radiobeiträge oder -sendungen – 16 Prozentpunkte mehr als noch ein Jahr zuvor.

Nur noch 58 Prozent der Bevölkerung nutzen mindestens einmal wöchentlich eine gedruckte Zeitung oder Zeitschrift, aber inzwischen lesen 75 Prozent Artikel in digitaler Form.


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