Verbände Ein Jahr Page Society im Tandem „Ein Safe Space für Top-Kommunikator:innen“
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- von Annett Bergk, Hamburg
Die Page Society ist ein exklusives, internationales Netzwerk für Kommunikationsverantwortliche in leitender Funktion. Seit rund einem Jahr treiben Axel Löber (CCO bei Merck) und Philip Müller (Managing Partner bei PRCC) den Ausbau der Organisation in Deutschland voran – mit dem Ziel, den strategischen Austausch auf Augenhöhe zu fördern und Page hierzulande sichtbarer zu machen. Im Interview mit dem PR-Journal ziehen sie eine erste Bilanz. Es geht um persönlichen Austausch in vertrauensvoller Atmosphäre, um internationale Impulse und um die Frage, was Kommunikationsverantwortliche heute brauchen, um ihre Rolle wirksam auszufüllen.
PR-Journal: Herr Löber, Herr Müller, Sie führen die Page Society in Deutschland seit gut einem Jahr als Tandem. Was war Ihre gemeinsame Motivation, diese Rolle zu übernehmen?
Philip Müller: Mit Page bin ich vor rund zwei Jahren das erste Mal in Berührung gekommen; auf einem Event in Brüssel. Was mich dort direkt überzeugt hat: Egal, mit wem ich ins Gespräch gekommen bin, die Gesprächspartner hatten Relevantes zu sagen, die Unterhaltungen waren meist tiefgründig und zugleich oft sehr unterhaltsam, die Menschen wissbegierig und auskunftsfreudig. Bei Page herrscht ein wohlwollendes Miteinander, eine Kultur des Sich-gegenseitig-Helfen-Wollens. Das Zugehörigkeitsgefühl ist jederzeit greifbar.
Axel Löber: Rund ein Jahr später sollte die Länderverantwortung für Deutschland neu besetzt werden. Philip und ich fanden die Idee charmant, das gemeinsam anzugehen – sein Tagesgeschäft ist Netzwerken auf hohem Niveau; ich hatte damals recht frisch die Leitung der Konzernkommunikation von Merck übernommen. Das war und ist aus unserer Sicht eine gute Kombination von Networking-Power mit Inhouse-Konzern-Expertise.
PR-Journal: Wie würden Sie die Page Society in einem Satz für jemanden erklären, der die Kommunikationsbranche gut kennt, aber mit Page noch nichts anfangen kann?
Löber: Page ist mit über 1.000 Mitgliedern weltweit die führende Community für Kommunikator:innen mit Leitungsverantwortung und internationaler Ausrichtung.
PR-Journal: Die Community ist in den USA seit Jahrzehnten ein Schwergewicht, in Deutschland aber noch vergleichsweise wenig bekannt. Woran liegt das?
Müller: Dies liegt sicher nicht zuletzt daran, dass Page seinen Ursprung in den USA hat und lange Zeit eine primär amerikanische Organisation sein wollte. Doch das hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wir haben heute den Anspruch, Top-Kommunikator:innen weltweit zu vernetzen – und sind mit mehr als 200 Mitgliedern außerhalb der USA auf einem guten Weg, finde ich.
Löber: Hinzu kommt, dass Page sich an eine sehr ausgewählte Gruppe von Kommunikator:innen richtet – nicht jeder kann oder will mitmachen. Themen wie Kommunikationsstrategie, Führung in der Matrix oder Organisationsentwicklung in großen, internationalen Konzernen sind nicht für alle gleichermaßen relevant.
PR-Journal: Welche Themen treiben die Page Society denn darüber hinaus global um und wie relevant sind diese wiederum für die deutsche Kommunikationsszene?
Müller: Page treibt um, was Kommunikationsverantwortliche umtreibt, die internationale Reputationsaufgaben zu bewältigen haben. Darum sind die bestimmenden Themen aktuell der Umgang mit geopolitschen Umbrüchen und der wirksame Einsatz von KI – das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Wir unterstützen Kommunikator:innen in Deutschland dabei, hier sprech- und handlungsfähig zu sein – gegenüber allen relevanten Stakeholdern.
PR-Journal: Geht es dabei eher um Erfahrungsaustausch, um Thought Leadership oder um praktisches Peer Learning?
Löber: All das hängt ja miteinander zusammen. Wir legen deshalb großen Wert auf den persönlichen Austausch, in der deutschen Gruppe aber eben auch mit internationalen Kollegen, etwa im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos. Für die Mitglieder ist Page ein Safe Space, um Dinge zu besprechen, die sie weder mit dem C-Level noch mit dem Team besprechen können – etwa wenn es um das C-Level oder das Team geht. Und das auf Augenhöhe.
PR-Journal: Wenn man von außen auf die Themen blickt, wirken sie doch eher strategisch und „top-level“. Wie schaffen Sie Anschluss an operative Realitäten in der Unternehmenskommunikation abseits der DAX-Konzerne?
Müller: Wir haben nicht nur Mitglieder in DAX-Unternehmen, sondern auch einige im Mittelstand und in Familienunternehmen. Es geht nicht um Kommunikator:innen im strategischen Elfenbeinturm, sondern um Entscheider:innen, die ihre Teams im Arbeitsalltag dafür enablen wollen, die mannigfaltigen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern. Letzten Endes geht es doch darum, dass die Kommunikationsabteilung die CEO-Agenda unterstützt und zur Erreichung der Unternehmensziele einzahlt – das geht nur mit einer guten Strategie, aber auch nicht ohne einen ausprägten Umsetzungswillen und Pragmatismus.
PR-Journal: Herr Löber, Merck ist ein stark globalisiertes Unternehmen. Wie haben Sie bisher von Page im Arbeitsalltag profitiert?
Löber: Es ist ein exzellenter Türöffner zu Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern. So haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr mein Team in Shanghai mit der Page-Community vor Ort zusammengebracht und so einen guten Austausch vor Ort angestoßen. In Deutschland sind wir alle ja gut vernetzt. Über Kontinente hinweg ist das nicht immer so einfach.
PR-Journal: Und welche Ziele haben Sie sich für das zweite Jahr Ihrer Amtszeit gesetzt? Was wäre ein Erfolg, an dem Sie sich gern messen lassen?
Müller: Wir wollen Page bekannter machen – durch Gespräche wie dieses und indem potenzielle Mitglieder auf Events erleben, welchen Mehrwert Ihnen die Community bieten kann. Für das kommende Jahr haben wir Veranstaltungen in Hamburg, NRW und Berlin geplant – zusätzlich zu internationalen Events, etwa in London und den USA. Aktuell haben wir rund 30 Mitglieder. Ein Erfolg ist für mich, wenn diese auch Ende nächsten Jahres sagen, dass sich die Mitgliedschaft für sie lohnt.
Löber: Wachsen möchten wir natürlich auch, aber nicht um jeden Preis. Unseren Mitgliedern ist ein hohes Qualitätsniveau der Debatte wichtig. Ich freue mich, wenn wir in ein, zwei Jahren 40 Mitglieder haben, die sich trotz voller Terminkalender Zeit dafür nehmen, sich mit anderen Mitgliedern auszutauschen und zu treffen, weil es ihnen den Arbeitsalltag erleichtert, weil es ihnen bei ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung hilft und schlicht, weil es auch Spaß macht.
Über die Gesprächspartner
Axel Löber verantwortet seit 2023 die Konzernkommunikation des Wissenschafts- und Technologieunternehmens Merck. Vor seinem Wechsel zu Merck leitete er als Chief Marketing Officer die internationalen Marketing-, Branding-, Insights- und Customer-Experience-Aktivitäten des Energiekonzerns E.ON. Davor war er bereits von 2010 bis 2018 für Merck tätig und verantwortete zuletzt als Leiter Corporate Branding & Communication Strategy die umfassende Neuausrichtung der Marke Merck im Jahr 2015.
Philip Müller ist Geschäftsführer der PRCC Personalberatung, die er vor 15 Jahren mitgegründet hat. PRCC ist auf die Funktionen Kommunikation, Public Affairs, Investor Relations und Marketing spezialisiert. Die Personalberatung unterstützt Unternehmen und Führungskräfte durch Executive Search, durch Interim Management, durch Outplacement und durch Transformationsberatung.
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