Studierenden-Initiativen Thomas Voigt über die Zukunft der PR „Ich bin optimistisch“

Als ORCA van Loon am 2. Dezember den LPRS Leipzig zu einem Gespräch einlädt, entsteht schnell eine konzentrierte, sachliche Atmosphäre. Die Studierenden sitzen Thomas Voigt von der Otto Group und Dietrich Schulze van Loon gegenüber – zwei Kommunikatoren, die die Branche seit Jahrzehnten begleiten und sich aus vielen gemeinsamen beruflichen wie persönlichen Jahren gut kennen. Es wird wenig inszeniert, wenig performt. Angenehm unaufgeregt und substanzreich.

Der LPRS e.V. hat im Dezember einige ihrer Förderer in Hamburg besucht. Bei Orca van Loon trafen die Mitglieder auf Thomas Voigt von der Otto Group und Dietrich Schulze van Loon. (Foto: Hendrik Schulze van Loon)

Voigt beschreibt gleich zu Beginn eine Übung, die er sich selbst auferlegt: bei jeder Veranstaltung fünf Menschen bewusst neu kennenzulernen. Nicht als Networking-Technik, sondern als Haltung. Neugier, sagt er, sei Voraussetzung für Dialogfähigkeit – und damit für jede Form professioneller Kommunikation. Dieser Gedanke zieht sich durch den Nachmittag: Zuhören ist keine Nebenaufgabe, sondern der Anfang von allem.

Vertrauen, ergänzen beide, entsteht nicht abstrakt, sondern zwischen Personen. Schulze van Loon erzählt dazu eine kurze Episode aus früheren Jahren: ein Treffen mit Helmut Schmidt, zu dem er ohne Agenda „auf ein Bier“ eingeladen wird. Solche Momente, sagt er, erinnern daran, dass Verbindlichkeit oft leiser wirkt als aufwendig formulierte Botschaften.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist der Druck der vergangenen Jahre. Voigt beschreibt den Corona-Krisenmodus als permanent und belastend. Schulze van Loon spricht darüber, wie Routinen, Optimismus und ein stabiles persönliches Umfeld helfen, handlungsfähig zu bleiben. Beide formulieren zurückhaltend, aber klar – und die Studierenden hören aufmerksam zu, vielleicht weil diese Offenheit im beruflichen Alltag selten geworden ist.

Auch die Wertefrage wird nüchtern verhandelt. Ein Wirtschaftsunternehmen sei keine NGO, sagt Voigt, und die eigene Rolle müsse auch in schwierigen Zeiten klar ausgehalten werden. Persönliche Haltungen und Unternehmenswerte müssten nicht deckungsgleich sein, aber sie sollten sich nicht widersprechen.

Beim Blick auf das Handwerk wird deutlich, wie sich die Anforderungen verschoben haben. Beratung sei „filigraner“ geworden, sagen beide. Einfache, wiederholbare Tätigkeiten verschwinden; was bleibt, verlangt Urteilskraft, konzeptionelles Denken und die Bereitschaft, Zusammenhänge breit auszuleuchten. Herausforderungen lassen sich bewältigen, wenn man sie teilt – und wenn erfahrene Praktiker:innen offen benennen, an welchen Stellen sie selbst Unsicherheiten erleben.

Viele der Studierenden blicken verunsichert auf den aktuellen Arbeitsmarkt. Voigt nimmt diese Sorge ernst, ohne sie zu dramatisieren. Märkte verändern sich, Themen kommen und gehen, aber Kommunikation bleibt ein konstanter Bestandteil jeder Organisation. „Meine bisherigen Zukünfte waren immer gut“, sagt er, „ich bin optimistisch.“

Der Nachmittag hinterlässt den Eindruck, dass Orientierung heute weniger durch fertige Antworten entsteht als durch Einordnung. Und dass die Branche Zukunftsfähigkeit nicht allein aus Struktur oder Technik gewinnt, sondern aus Austausch: aus Gesprächen, die offen genug sind, um auch das Ungewisse mitzuerzählen.

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