Unternehmen Podcast zwischen Praxis und Pragmatismus Das Uniklinikum Freiburg über Erfahrungen mit KI in der Kommunikation

Wie viel KI verträgt die Gesundheitskommunikation und wo beginnt der Punkt, an dem Technologie die Botschaft überlagert? Das Universitätsklinikum Freiburg hat sich früh auf dieses Terrain gewagt. Seit Sommer 2025 erscheint „Kurz und Gesund“, ein wöchentlicher, KI-generierter Podcast, der medizinisches Wissen auf wenige Minuten verdichtet. Das Format findet sein Publikum, aber es stellt die Kommunikation vor neue, teils unerwartete Fragen – von Transparenz über Qualitätssicherung bis hin zum richtigen Maß an technischer Sichtbarkeit. Ein Gespräch mit Pressesprecher Johannes Faber über Routinen, Reibungen und die Kunst, KI als Werkzeug zu nutzen, nicht als Botschaft.

"Das Produkt soll für sich sprechen, nicht über seine Herstellungsweise definiert werden", sagt Johannes Faber, Pressesprecher des Universitätsklinikum Freiburg. (Foto: Universitätsklinikum Freiburg)

PR-Journal: Herr Faber, „Kurz und Gesund“ ist schon eine ganze Weile on Air. Wie läuft’s denn so?

Johannes Faber: Sehr gut, tatsächlich. Wir spüren ein kontinuierliches Interesse am Format, die Aufrufzahlen sind stabil und im Verhältnis zum geringen Zeitaufwand wirklich erfreulich. Für uns ist das ein klarer Beleg, dass kompakte, verständliche Medizinformate funktionieren – gerade dann, wenn sie verlässlich sind.

PR-Journal: Welche Themen kommen besonders gut an?

Faber: Das sind meist die Klassiker: Zeckenalarm, Leber entgiften, Herzinfarkt bei Frauen – also Themen, die auch in anderen Kanälen stark nachgefragt werden. Wir bekommen dazu zwar keine klassischen Leserbriefe, aber auf Social Media teilen Menschen ihre Erfahrungen oder bedanken sich dafür, dass wir ein Thema aufgegriffen haben. Es ist keine riesige Flut an Feedback, aber die Richtung stimmt.

PR-Journal: Gab es etwas, das Sie überrascht hat?

Faber: Ja, eine Erfahrung gleich zu Beginn: Wir haben anfangs zu Beginn jedes Podcasts gesagt, dass die Folgen KI-generiert sind – aus Transparenzgründen. Inhaltlich wurde das aber teilweise negativ aufgenommen. Viele bewerteten den Podcast nicht nach dem Inhalt, sondern nach seiner technischen Entstehung. Deshalb haben wir den Hinweis in der Anmoderation wieder weggelassen. In der Podcast-Beschreibung steht weiterhin, dass wir KI einsetzen und selbstverständlich bleibt der Podcast von Menschen verantwortet, geprüft und redaktionell bearbeitet. Aber das Produkt soll für sich sprechen, nicht über seine Herstellungsweise definiert werden.

PR-Journal: Wie entsteht so eine Folge eigentlich – von der Idee bis zur fertigen Datei?

Faber: Die Basis bilden unsere bestehenden Kommunikationsinhalte: Videos mit Expert:innen oder laienverständliche Medizintexte, die wir ohnehin produzieren. Diese Inhalte geben wir an einen KI-Agenten, der daraus ein Skript im Podcast-Stil erstellt. Danach prüfen unsere Redakteur:innen alles penibel – die KI darf nichts hinzufügen oder verfälschen. Vertont wird mit ElevenLabs, anschließend wird minimal händisch nachbearbeitet, ein Jingle eingefügt, fertig. Bis dahin sind es drei Klicks. Wenn Originalzitate genutzt werden sollen, wird es etwas komplexer – dann schneiden wir beispielsweise Audiospuren aus den Videos heraus. Wir wollen den Expert:innen keinen zusätzlichen Aufwand zumuten. Das machen wir aber nur ab und an. 

PR-Journal: Also durchaus noch redaktionelle Arbeit.

Faber: Auf jeden Fall. Die KI ersetzt keine Verantwortung, aber sie nimmt uns Routinen ab. Deshalb ist dieses Format mit fünf Minuten Länge und einem wöchentlichen Rhythmus ideal.

PR-Journal: Warum fiel die Wahl überhaupt auf ein KI-basiertes Format – und nicht auf klassische Sprecher:innen?

Faber: Ganz klar aus pragmatischen Gründen. Der Arbeitsaufwand ist deutlich geringer, die Qualität der Stimmen mittlerweile wirklich überzeugend, und für kurze, drei- bis fünfminütige Folgen funktioniert das wunderbar. Für lange Formate würde ich es nicht empfehlen. Da braucht es mehr Emotionalität.

PR-Journal: Und warum Podcast – statt Text oder Video?

Faber: Wir hatten vorher schon klassische Podcasts und wollten sehen, wie sich Workflows mit KI verändern. Das war anfangs viel Neugier. Außerdem wollten wir unsere Inhalte einem Audio-Publikum zugänglich machen – also Menschen, die lieber hören als lesen. Unsere Expert:innen sind oft absolute Koryphäen auf ihrem Gebiet, und dieses Wissen wollten wir breiter verfügbar machen.

PR-Journal: Inzwischen sagen Sie, der Podcast sei fester Bestandteil der Kommunikationsstrategie.

Faber: Ja, absolut. Wir haben superfrüh mit KI gearbeitet, noch bevor ChatGPT öffentlich war. Inzwischen entsteht kein Produkt bei uns ohne irgendeine Form von KI-Beteiligung – immer unter klaren Qualitätsstandards. Wir speisen Leitlinien und Qualitätskriterien direkt in die Systeme ein. Das ist ein Riesenvorteil, weil wir damit Inhalte schnell, konsistent und verantwortungsvoll aufbereiten können.

PR-Journal: Welche nächsten Schritte sind geplant?

Faber: Wir wollen das Format technisch weiterentwickeln und können uns durchaus längere oder thematisch fokussierte Reihen vorstellen. Aber wir gehen Schritt für Schritt. Entscheidend ist: Es muss qualitativ passen, nicht nur technisch möglich sein. KI ist kein Selbstzweck. 

PR-Journal: Sie kann helfen, Wissen besser zugänglich zu machen – vorausgesetzt, man bleibt redaktionell verantwortlich. 

Faber: Richtig. Und Transparenz ist zwar wichtig, aber Vertrauen entsteht letztlich über Qualität. Wenn die Inhalte stimmen, spielt die Herstellungsart eine Nebenrolle.

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