Der Sprach-Optimist Draußen nur Kännchen

In diesen bewegten Zeiten wünschen sich viele ein bisschen Ablenkung. Das dachte sich auch unser Sprach-Optimist Murtaza Akbar (Foto) und wollte, als einmal wirklich die Sonne schien, draußen eine Tasse Kaffee genießen. Schöne Idee, oder? Fast. Denn draußen gab‘s leider nur Kännchen. Puh. Stattdessen ist er dann spazieren gegangen und hat aufgeschrieben, was ihm noch so für schöne Schilder begegnet sind …

Von Murtaza Akbar, Neu-Isenburg

Haben Sie heute schon Flaschen eingeworfen? Nein, nicht den Inhalt der Flaschen in sich selbst, sondern das Glas ordentlich entsorgt? Weil: Flaschen einwerfen nur werktags von 8:00 bis 20:00 Uhr. Verwechseln Sie das aber bitte nicht mit: Keine Werbung und kostenlose Zeitungen einwerfen. Das ist für uns als PR-Branche nicht einfach zu verkraften, aber okay, wir machen ja keine Werbung. Zeitungsinhalte dagegen schon. Dafür muss der Briefträger gut an Ihren Briefkasten kommen. Deshalb empfehle ich: Parken verboten – auch gegenüber! Und falls Sie zufällig einen Rasen vorm Haus haben. Dann natürlich: Fußball spielen auf dem Rasen verboten. Oder am besten gleich: Rasen nicht betreten beziehungsweise konsequent: Zutritt verboten. So, damit wäre diese Kolumne schon vorbei.

Bei meinem Spaziergang habe ich noch mehr gelesen, zum Beispiel in Schaufenstern: Kartenzahlung ab 10,00 Euro. Oder auch: Nur Barzahlung. Keine Kartenzahlung möglich. Und Betteln und Hausieren verboten. Ja, die Schilder gibt es noch. Wo ich beim Thema Kohle bin. Wie finden Sie diese vorwiegend technikaffinen Männer, die alles und überall mit ihrer Smartwatch bezahlen? Meine Söhne meinen, das wäre extrem uncool. Da sind wir uns drei endlich mal total einig.

Jetzt kommt ein Absatz, der es in sich hat. Halleluja. Ich hatte lange überlegt, ob ich Ihnen das antun soll? Dachte mir dann aber, ich packe das alles in einen Absatz, dann sind wir durch. Und zwar mit den Verboten. Also, Achtung bitte, es geht los. Stellen Sie sich dafür im Kopf die ganzen Schilder vor: Fahrräder anschließen verboten. Parken im Hof verboten. Feuer, offenes Licht und Rauchen verboten. Füttern und Streicheln verboten. Schutt abladen verboten. Fahrräder anlehnen verboten. Vorsicht Stufe. Ach, sorry, das ist mir dazwischen gerutscht. Tauben füttern verboten. So das war’s erstmal. Und wer das nicht befolgt: Eltern haften für ihre Kinder.

Immer diese Kinder, deshalb: Kinderwagen nicht im Hausflur abstellen. Türe bitte immer schließen. Bitte Füße abtreten. Weil: Vorsicht frisch gebohnert. Und natürlich Mittagsruhe von 13:00 bis 15:00 Uhr. Und wer zu spät kommt? Ab 22 Uhr Türe abschließen! Türe? Wer bitte sagt oder schreibt Türe? Übrigens: Das Spielen und der Aufenthalt in der Durchfahrt ist untersagt. Der Eigentümer. Was ist das bloß für ein Typ? Mannomann. Nur damit das klar wird, Ironie ist ja heute nicht mehr überall en vogue. Kinder sind fantastisch. Das sage ich nicht nur einfach so. Nein. Ich habe sogar meinen Zivildienst im Kindergarten gemacht. In Frankfurt-Bockenheim, wenn Sie es genau wissen wollen.

Wissen Sie, was Kinder besonders lieben? Tiere. Wo wir wären bei Hunde sind an der Leine zu führen. Warnung vor dem Hunde. Hier kein Hundeklo. Das ist unlogisch, ja, ich weiß. Katzen-Schilder habe ich keine gesichtet. Aber: Keine heiße Asche einfüllen. Passt hier auch nicht. Eines meiner absolut liebsten Schilder kommt dagegen jetzt: Wer den Schiedsrichter beschimpft oder beleidigt, muss mit der Verweisung vom Sportplatz rechnen. Der Vorstand. Herrlich. Und richtig! Dafür erhalten Sie meine zwei Lieblingsschilder zum Schluss: Junger Mann zum Mitreisen gesucht. Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen. Mahlzeit.

Der Autor Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt sowie Speaker, Präsentations- und Rhetoriktrainer – hier geht’s zu seiner Speaker-Broschüre. Zu erreichen ist Murtaza Akbar per E-Mail oder LinkedIn.

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