ECCO Journalistenbefragung 2015 Veraenderung ArbeitDer Alltag der Journalisten in Deutschland ist von zunehmender Arbeitsbelastung, Zeitdruck und Budgetkürzungen geprägt. Pressekonferenzen werden deshalb in den meisten Fällen als reine Zeitverschwendung empfunden. Hingegen ist der persönliche Kontakt als Informationsquelle in den letzten Jahren wichtiger geworden. Das sind einige der Ergebnisse der Studie, die das ECCO-PR-Agenturnetz Düsseldorf jetzt gemeinsam mit dem Journalistenportal “newsroom.de” durchgeführt hat. Knapp 450 Journalisten haben sich an der Online-Umfrage beteiligt.
Schaubild: 81,6 Prozent der antwortenden Journalisten stellen eine gestiegene Arbeitsbelastung fest, nahezu ebenso viele (79 %) sehen als Resultat Qualitätseinbußen. Außerdem stellen sie eine zunehmende Erosion der Grenzen zwischen redaktionellen und bezahlten Inhalten fest. Folgerichtig sinkt für fast alle Antwortenden (93 %) die Glaubwürdigkeit der Medien.

Pressekonferenzen sind Zeitverschwendung, der persönliche Kontakt zählt
ECCO Journalistenbefragung 2015 Bedeutung InfoquellenDie klassischen Mittel der Öffentlichkeitsarbeit verlieren deutlich. Insbesondere Pressekonferenzen haben in den Augen der Journalisten an Bedeutung verloren (66,3 %) oder sind gar gänzlich unbedeutend geworden (11,2 %). An Bedeutung gewonnen oder extrem wichtig geworden sind dagegen Vier-Augen-Gespräche (77,0 %) oder generell persönliche Kontakte (87,5 %).

PR-Agenturen und Pressesprecher bedeutender denn je
Rund zwei Drittel (64,9 %) der Journalisten, die für General-Interest-Medien arbeiten, stellen fest, dass PR-Agenturen und Pressesprecher für ihre Arbeit in den letzten fünf Jahren an Bedeutung gewonnen haben oder sogar extrem wichtig geworden sind. Bei allen Befragten liegt der Prozentsatz mit 53,6 % zwar etwas niedriger, insgesamt dürfte die Zuarbeit von Agenturen und Pressestellen für die Journalisten aber deutlich wertvoller geworden sein.

Trennung zwischen Redaktion und Werbung erodiert. Glaubwürdigkeit der Medien leidet.
Aus der Innensicht der Redaktionen ist ganz klar festzustellen, dass die Grenzen zwischen redaktionellen und bezahlten Inhalten verschwimmen. 91,6 Prozent der Antwortenden sagen, dass dies zumindest teilweise zutrifft. Es wird mehr vorformuliertes Material benutzt (70,2 %) und der Einfluss von PR-Leuten ist gestiegen (83,1 %). Fast alle Journalisten (93,0 %) stimmen zumindest teilweise der Feststellung zu, die Glaubwürdigkeit der Medien sei gesunken.

Klassische Medien auf Schrumpfkurs. Tageszeitungen besonders betroffen.
Für die Zukunft erwarten die Journalisten keine Verbesserung der Situation. Klassischen Medien werden allesamt auf Schrumpfkurs gesehen. Besonders schwarz sehen die deutschen Journalisten für die Tageszeitung. Über die Hälfte (53,9 %) sehen für diese Mediengattung dramatische Einbrüche voraus, weitere 40,9 Prozent einen leichten Rückgang. Nur eine verschwindend geringe Minderheit (4,0 %) hofft hier noch auf eine zumindest gleichbleibende Entwicklung.

Hoffen auf Abo-Modelle und Online-Werbung. Deutlich geringere Erwartungen an Paywalls.
Wenn es um die künftige Finanzierung von Journalismus geht, erwarten die Journalisten wesentliche Beiträge am ehesten von Online-Abos (61,8 %) und Online-Werbung (63,2 %). Durch Paywalls erwarten nur 41,5 % einen größeren Anteil zur Finanzierung ihrer Arbeit.

Journalismus im Direktvertrieb: Nur für wenige Journalisten tatsächlich eine Alternative.
Zwar sehen 62,7 Prozent der Antwortenden in der Produktion von Blogs und Newslettern eine Möglichkeit, die eigene Leistung zu vermarkten, aber nur 15,4 Prozent können sich das wirklich für sich vorstellen. Die anderen halten es für kaum möglich, davon zu leben.

Über die Studie: Gemeinsam mit dem Journalistenportal “newsroom.de” hat das ECCO-PR-Agenturnetz im Juli 2015 eine Online-Befragung durchgeführt. Rund 7.000 hauptberuflich tätige Journalisten wurden auf der Basis einer seit mehreren Jahren gepflegten Datenbank angeschrieben. Außerdem veröffentlichte “newsroom.de” zweimal eine Aufforderung zur Teilnahme.

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