Auf einer Pressekonferenz in Berlin wurden am 3. Dezember die Ergebnisse der Studie zur Feminisierung des Berufsfeldes PR vorgestellt. Unter dem Titel "Er Kapitän, sie Crew" hatten zwei Studierende des Instituts für Journalismus und Public Relations an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen ingesamt 654 Kommunikationsfachleute befragt und darüber ihre Bachelor-Arbeit geschrieben. Mitinitiiert und unterstützt wurde diese Studie vom PR-Journal, Siegburg, der Gesellschaft Public Relations Agenturen GPRA, Berlin sowie dem PR Career Center (PRCC), Düsseldorf.
Zu den Ergebnissen der Studie erklärte Patricia Schiel, eine der beiden Studierenden neben Dustin Pawlitzek, dass der Anteil der Frauen in Führungspositionen in der PR-Branche heute 44 Prozent betrage. Dass diese Zahl deutlich über dem Durchschnitt anderer Branchen läge, ließe sich auf die schrittweise "Feminisierung in der PR" zurückführen. So würden die Frauen heute rund 90 Prozent der Hochschul-Absolventen ausmachen.

Bei ihrer Untersuchung machte Schiel eine deutliche Akademisierung und Professionalisierung der Branche aus: 90,3 Prozent der Frauen und 88,7 Prozent der Männer haben PR studiert. Während 43,9 Prozent der Männer es in Führungspositionen schaffen, sind es bei Frauen nur rund 24 Prozent. Als Gründe für die Rollenverteilung – der Mann als Kapitän, die Frau als Matrosin – führte Schiel Karrierekiller-Faktoren wie Freundlichkeitsfalle, bestehende Stereotypen und festgefahrene Strukturen gerade in traditionellen Unternehmen auf.

Forderung nach besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Um Frauen den Zugang zum Top-Management zu erleichtern, müssten, so die Studienautoren in ihrem Fazit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden, ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden, zusätzliche Coaching- und Weiterbildungen angeboten sowie das Netzwerken der Frauen verstärkt werden. Auch das "Herauswachsen" der älteren Generation würde dazu beitragen.

Dass in der PR-Branche von einem ungleichen Gehaltsniveau zu sprechen ist, widersprach Personalberater Ulrich Schuhmann aus Köln. Gerade auf der mittleren sowie der Führungsebene würden Jobs nach den gleichen Tarifen besetzt. Er könne selbst beobachten, wie stark die Frauen Führungspositionen erklimmen und damit eine etwaige Frauenquote obsolet machen: Während er bis zum Jahre 2009 noch 32 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt hatte, waren es in den vergangenen drei Jahren bereits 54 Prozent und in diesem Jahr sogar 80 Prozent. Gerade bei offenen Ausschreibungen, so der PR-Jobs-Spezialist, würden sich Frauen durch ihre deutlich größere Authenzität gegen die männlichen Bewerber durchsetzen.

Auf der Suche nach gemischten Teams
Dass "Kapitäninnen deutlich im Vormarsch sind", so der GPRA-Präsident und betreuende Professor Alexander Güttler, sieht auch Thomas Lüdeke. Der Chef des PR Career Centers in Düsseldorf kennt heute sogar schon Beispiele, wo Unternehmen ganz explizit nach Männern suchen, um ein gemischtes Team aufzubauen.

"Gemischte Teams sind das Erfolgsversprechende" bestätigte ihn Catrin Glücksmann von Berlinwasser. In ihrem Unternehmen bestünde die erste Hierarchieebene quer durch alle Bereiche bereits zu 50 Prozent aus Frauen. Dabei würden gemischte Teams gerade der Unternehmenskultur sehr gut tun.

Eine Zusammenfassung der empirischen Studie zur Feminisierung der PR lässt sich hier kostenlos herunterladen.

Kommentare

 
#1 Mayer 2014-02-02 19:11
Das ist wirklich eine Tendenz geworden, bei uns (http://www.prplus.at) nimmt die Anzahl der weiblichen Kolleginen sehr stark zu. Ich schätze, dass in wenigen Jahren die ganze Branche fast nur von Frauen dominiert wird.
 

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