Scheuermann-Andreas ffprDas Trendence-Institut hat kürzlich wieder rund 12.000 Schülerinnen und Schüler befragt, wer denn der beliebteste Arbeitgeber in Deutschland sei. Heraus kam: Die Polizei. Knapp gefolgt von der Bundeswehr auf Platz 2 und BMW auf Platz 3. Und nicht ganz unerwartet: Die Firma Häberle ist nicht dabei. Warum eigentlich? Ich will dieser Frage für Sie ernsthaft gedanklich nachgehen. Die wichtigste Erkenntnis vorneweg: Natürlich sind auch die Medien schuld. Das merkt man schon daran, dass ein Teil von ihnen wieder mal den Inhalt der Studie grob verfälscht und behauptet, Polizist sei der beliebteste Beruf. Ein völliger Trugschluss! Es ging ja um die Beliebtheit des Arbeitgebers, nicht um die Tätigkeit an sich. Vermutlich wäre sonst der nicht existierende Beruf „Sachbearbeiter“ unter den Top 10 gelandet. Denn das machen ja irgendwie am Ende die meisten, auch wenn es mittlerweile oft Manager heißt. Aber hier ging es eben um Arbeitgeber.

Es gäbe wahlweise tatsächlich auch die Studie zu den angesehensten Berufen. Das Ranking wird angeführt vom Feuerwehrmann, gefolgt vom Kranken- und Altenpflegern, Arzt, Erzieher – der Polizist kommt erst auf Platz fünf. Sachbearbeiter bei Häberle ist wiederum nicht dabei. Aber kein Wunder, die Umfrage stammt vom Beamtenbund. Und da kommen wir der Sache näher. Denn die Beschäftigung bei Vater Staat ist es wohl, die derzeit attraktiv erscheint. Nochmals zu Trendence. Polizei und Bundeswehr bringen es zusammen schon auf 21,1 Prozent Beliebtheit. Dazu noch auf Rang 11 mit immerhin 4,3 Prozent der Zoll. Kurz nachdenken: Woher können Schüler heutzutage im grenzenlosen Europa noch den Zoll kennen! Was stellt man sich als junger Mensch darunter vor? Ich weiß es nicht. Aber kann es sein, dass ein Viertel der jungen Leute davon träumt, Einfuhrkontrollen durchzuführen, Verbraucher vor mangelhaften Waren aus dem Ausland zu schützen oder dem Taliban mal persönlich die Grenzen aufzuzeigen?

Warum ist Häberle nicht dabei?
Zurück zur Ausgangsfrage: Warum ist Häberle nicht dabei? Ich muss Ihnen die Frage einmal kurz zuspielen. Kennen Sie Häberle überhaupt? Wissen Sie, dass die ein „Hidden Champion“ sind? Weltmarktführer, innovativ und international. Super Produkte, tolles Team, tolles Arbeitsklima. Nun gut, mit Standorten in Aurich, Stetten am kalten Markt und Zeulenroda. Aber einen Tod muss man sterben. Dafür bietet das Unternehmen andere Vorteile. Kurze Pause.

In der Personalrekrutierung eine graue Maus
Ich gestehe an dieser Stelle zu Ihrer Erleichterung: Ich kenne Häberle auch nicht. Ich verwende diesen Namen hier als Synonym für eine bestimmte Art Unternehmen. Mittelstand, Technologie, Business-to-Business. Deutschland ist voll von diesen Häberles. Und ich entschuldige mich auch bei denjenigen, die tatsächlich so heißen. Tolle Unternehmen, die aber niemand kennt. Von denen niemand weiß, was sie eigentlich machen. Häberle hat keine Produkte, die man fahren, anziehen, essen oder trinken kann. Und Häberle hat kein großartiges Image als Arbeitgeber, oft nicht mal ein eindeutiges Profil oder direkt erkennbare Eigenschaften. Und so ist Häberle in der Personalrekrutierung die graue Maus, die unter dem Tisch der großen Konzernmarken sitzt und hofft, dass nicht nur Krümel sondern auch mal ganze Brocken runterfallen.

Hat Häberle nicht Besseres verdient?
Aber wollen wir wirklich, dass die Welt so funktioniert? Hat Häberle nicht Besseres verdient? Eine Frage, die sich zuallererst Häberle selbst stellen muss. Denn in vielen Fällen gibt es Häberle sogar persönlich, als Inhaber, als Aufsichtsrat, als Vorstand oder Geschäftsführer. Ein Mensch, eine echte Unternehmerpersönlichkeit steht für die unverwechselbare Kultur und Identität des Unternehmens. Und hier liegt ein wesentlicher Unterschied zu den Big Brands der Unternehmenswelt. Bei der Allianz mögen noch so viele sympathische, gut aussehende und intelligente Menschen arbeiten, Herr oder Frau Allianz wird einem nie begegnen. Aber Konzernvorstände haben in den letzten Jahren erkannt, dass sie mehr und offener kommunizieren müssen. Oft in der Folge von Krisen und als sie plötzlich merkten, dass sie auf Kommunikation und Öffentlichkeit angewiesen sind. Für die Arbeitgeberkommunikation von Häberle gilt das umso mehr. Wer Menschen für Unternehmen gewinnen will, muss sichtbar werden. Muss sich engagieren und aktiv einbringen, Themen setzen und Standpunkte beziehen, und darf keine Angst haben, sich unbeliebt zu machen. Denn das Gegenteil wird passieren, er wird Aufmerksamkeit und Respekt bekommen. Vielleicht so viel, dass er es bei Trendence irgendwann einmal unter die ersten 100 schafft, wo bislang kein Häberle zu finden ist. Die Voraussetzungen für kommunikativen Erfolg sind maßgeschneidert für ihn. Er muss es nur wollen. Häberle, übernehmen Sie!

Über den Autor: Andreas Scheuermann ist Senior Berater bei der Wiesbadener PR-Agentur Fink & Fuchs Public Relations und verantwortet dort das Beratungsfeld Arbeitgeberkommunikation.


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