Der Titel als Standbild aus dem Fernsehbeitrag. (Quelle: Mediathek Das Erste)

Die Ankündigung verspricht die Aufdeckung skandalöser Machenschaften. „Die Story im Ersten: Wahlkampf undercover“, lautet der Titel eines Fernsehbeitrags für den die beiden Autoren Gesine Enwaldt und Peter Kreysler verdeckt recherchiert haben. „Wie sicher ist der Superwahlkampf 2021? Die Filmemacher wagen ein ungewöhnliches Experiment: Unter falscher Flagge und mit gefakter Identität schleust sich Peter Kreysler in das Innere international agierender PR-Agenturen“, heißt es in der Beschreibung des Beitrags. „Wie PR-Profis uns manipulieren“, lautet der Untertitel. Doch Titel und Inhaltsbeschreibung lösen nicht ein, was sie versprechen, vielmehr geht es in Richtung Pauschalverurteilung der PR-Branche. Darauf weist der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) hin und kritisiert, dass der Eindruck hervor gerufen wird, die erwähnten Agenturen würden auch in den deutschen Wahlkampf eingreifen und hier präsent sein. DRPR hat dazu einen offenen Brief verfasst, den wir hier veröffentlichen. Außerdem hat das „PR-Journal“ mit dem DRPR-Ratsvorsitzenden Lars Rademacher, und dem Vorsitzenden des Trägervereins, Uwe Kohrs, über die Beweggründe für dieses Vorgehen gesprochen.

Nachfolgend der offene Brief des DPRG an die Redaktion Story im Ersten beim NDR Fernsehen in Hamburg:

„Sehr geehrte Frau Enwaldt, sehr geehrter Herr Kreysler,

wir haben mit Interesse Ihren Beitrag ‚Wahlkampf undercover‘ in der Reihe Story im Ersten zur Kenntnis genommen.

Die darin aufgezeigten ‚Machenschaften‘ von Wahlkampfberatern in London ordnen Sie pauschal dem Tätigkeitsfeld von PR-Agenturen zu. Dabei vermitteln Sie den Eindruck, dass die erwähnten Agenturen auch in den deutschen Wahlkampf eingreifen und hier präsent sind. Wenn dies der Fall wäre, würden wir Sie bitten dem Deutschen Rat für Public Relations (DRPR), natürlich vertraulich, ihre Informationen zur Ver-fügung zu stellen, damit der Rat gegen diese Unternehmen ermitteln kann. Denn anders, als in Ihrem Beitrag suggeriert, gibt es hierzulande klare Regeln und Kodizes für die PR-Branche, die Transparenz und seriöses Arbeiten gewährleisten sollen.

Der DRPR wird von den führenden Branchenverbänden als Kontrollorgan getragen und geht seit nunmehr 30 Jahren gegen Personen und Institutionen vor, die gegen diese Regeln verstoßen. Dies schließt auch Verstöße im Bereich Public Affairs ein. Die entsprechenden Richtlinien und Kodizes sind jederzeit auf unserer Website einsehbar und heute Teil des Selbstverständnisses von PR-Leuten in Deutschland. Es ist bedauerlich, dass Sie dies bei Ihren Recherchen offensichtlich übersehen haben. Anders ist kaum zu erklären, dass Sie in Ihrem Beitrag den Eindruck erwecken, als sei PR eine Branche, in der Wahlkampfmanipulationen gängige Praxis sind.

Damit wärmen Sie lediglich Klischees der Vergangenheit wieder auf und diffamieren die gesamte PR-Branche, die schon seit langem nach klaren, transparenten Regeln arbeitet. Der DRPR aktualisiert und wacht über diese Regeln und sorgt hier für die gebotene Einhaltung. Um es deutlich zu sagen: die von Ihnen dargestellten Sachverhalte sind natürlich nicht akzeptabel und sie widersprechen eindeutig den geltenden Kodizes in Deutschland. Insofern würden wir uns über eine Kontaktaufnahme von Ihnen freuen und wären gerne bereit, bei derartigen Regelverstößen Ermittlungen gegen die betreffenden Unternehmen aufzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Professor Dr. Lars Rademacher (Vorsitzender des Deutschen Rates für Public Relations)
Uwe A. Kohrs (Vorsitzender des Trägervereins des Deutschen Rates für Public Relations)“

Dieser Link führt zum Interview mit Professor Lars Rademacher und Uwe A. Kohrs.


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