Jan Böhmermann, hier 2017 als Moderator beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.

Jan Böhmermann machte am 11. September per Twitter Schlagzeilen, die er vielleicht lieber in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) gehabt hätte? So ganz wird das nicht klar. Jedenfalls verbreitete Böhmermann am 10. September per Twitter zunächst die Informationen, dass die „FAS“ ein für den 6. September geplantes Interview mit ihm kurzfristig ersatzlos gestrichen habe. Böhmermann veröffentlichte daraufhin einen Brief an „FAZ“-Herausgeber Jürgen Kaube, in dem er nach den Gründen fragte. Böhmermanns Brief blieb unbeantwortet, die „FAS“ kommentiere keine redaktionellen Entscheidungen, hieß es lapidar.

Im Zuge der üblichen Buchpromotion bei Neuerscheinungen hatte Jan Böhmermann offensichtlich nicht nur der „FAS“ ein Interview gegeben, sondern auch der „Süddeutschen Zeitung“, wo es bereits am Samstag, 5. September erschienen ist.“ Der Satiriker Böhmermann hatte sein neues Buch „Gefolgt von niemandem, dem du folgst - Twitter-Tagebuch. 2009-2020“ vorgestellt. So weit, so unspektakulär.

Glaubt man nun Böhmermann, dann hat „FAZ“-Herausgeber Kaube die Entfernung des Interviews aus der „FAS“ persönlich veranlasst und auch eine spätere Veröffentlichung untersagt. Böhmermann, der bei Twitter 2,1 Millionen Follower hat, hatte sich nach eigener Darstellung dazu geäußert, welch großen Einfluss Kampagnen auf Twitter entfachen können. Es mache "nun einmal möglich, auch komplexe Gegenmeinungen so pointiert zu artikulieren, dass Du davon als Großkabarettist oder Leitmediums-Chefredakteur berührt wirst."

Ob Böhmermann nun tatsächlich den exakten Wortlaut des „FAS“-Interviews veröffentlicht hat, ist nicht klar. Der „Spiegel“ zweifelt jedenfalls daran. Wie auch immer der Vorgang einzuordnen ist, am Ende hat Böhmermann mit dem öffentlichkeitswirksam ausgetragenen Streit um das besagte Interview mit seinen 2,1 Millionen Followern bei Twitter sicher mehr Resonanz erzeugt, als es mit einer Veröffentlichung in der „FAS“, die im 2. Quartal 2020 auf eine verkaufte Auflage von knapp 200.000 Exemplaren kam. Realsatire, Buchpromotion oder Provokation? Wie so oft bei Böhmermann kann diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden.

Weitere Einordnungen zum Themen finden sich bei der „taz“, bei der „Frankfurter Rundschau“ und der „Berliner Zeitung“.


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